Optimismus aufgelöst, Markterwartungen deutlich ernster
Globale Nachfragekürzungen immer deutlicher sichtbar
Zentral ist, dass die weltweite Versorgung mit Rohöl und Ölprodukten weiterhin stark eingeschränkt ist. Laut IEA-Direktor Fatih Birol unterstreicht dies die anhaltende Schwere der Energiekrise. Gleichzeitig zeigen Analysen der ING, dass sich die Krise inzwischen nicht nur auf das Angebot, sondern auch deutlich auf die Nachfrage auswirkt, die bereits spürbar zurückgeht.
Die Stimmung an den Märkten hat sich deutlich verändert: Der frühere Optimismus über ein baldiges Ende des Konflikts ist weitgehend verschwunden. Zwar führten frühere Friedenssignale – etwa aus dem Iran – kurzfristig zu sinkenden Preisen, doch inzwischen reagieren die Märkte zurückhaltender. Gleichzeitig haben große Finanzinstitute wie ING und Goldman Sachs ihre Ölpreisprognosen wieder nach oben korrigiert, was die angespannte Lage widerspiegelt.
Zusätzlich verschärft wird die Situation durch zunehmende Spannungen zwischen den USA und dem Iran, trotz bestehender Waffenruhen. Drohungen und mögliche militärische Eskalationen beider Seiten verstärken die Unsicherheit und lassen Hoffnungen auf eine schnelle Entspannung schwinden – insbesondere auch, weil wichtige Verhandlungen gescheitert sind und zentrale Transportrouten wie die Straße von Hormus blockiert bleiben könnten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass neben erwarteten Produktionsrückgängen von etwa 13 bis 14 Millionen Barrel pro Tag auch die globale Ölnachfrage um rund 1,6 Millionen Barrel pro Tag sinken dürfte. Gründe dafür sind unter anderem steigende Preise und wirtschaftliche Belastungen. Zudem könnten Länder verstärkt auf ihre strategischen Ölreserven zurückgreifen, was kurzfristig die Versorgung stabilisieren, langfristig aber die Preise weiter erhöhen und die Nachfrage sowie die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich dämpfen könnte.