Immer noch kein Abkommen – Ölpreise starten fester in die neue Woche

Keine Einigung am Persischen Golf: USA und Iran fordern Nachbesserungen

Israel ignoriert Waffenruhe und weitet Angriffe im Libanon aus

Am Freitag blieb der Ölmarkt weiterhin von der Unsicherheit über die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA geprägt. Obwohl ein mögliches Abkommen so greifbar erschien wie lange nicht mehr, kam es zu keiner offiziellen Einigung. Fundamental ergab sich dadurch zunächst ein weitgehend neutrales Marktbild. Die technische Analyse zeichnete jedoch ein deutlich negativeres Bild: Die Stochastik-Indikatoren verloren ihre zuvor unterstützende Wirkung, während die Ölpreise bereits im frühen Handel wichtige Unterstützungsmarken und teilweise sogar die Tiefststände des Vortages unterschritten. Zwar begrenzten die Bollinger-Bänder das unmittelbare Abwärtspotenzial, wodurch die Kurse zunächst noch einen kurzen Erholungsversuch unternahmen, doch setzte sich im weiteren Tagesverlauf eine klare Abwärtsdynamik durch.

Zusätzlichen Druck auf die Märkte übten mehrere Entwicklungen aus. Norwegen sprach sich gegen Einschränkungen von Ölbohrungen in der Arktis aus, während Marktbeobachter mit weiteren Preisnachlässen Saudi-Arabiens für asiatische Kunden rechneten. Neue Nachrichten zu den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran blieben hingegen aus. Stattdessen etablierte sich an den Terminmärkten ein sogenannter „Band Walk“ entlang der unteren Bollinger-Bänder, der auf anhaltenden Verkaufsdruck hindeutete. Dies geschah trotz einiger grundsätzlich preisstützender Faktoren: Mehrere Analysten erhöhten ihre Ölpreisprognosen für den weiteren Jahresverlauf, und aus Kasachstan wurden deutliche Produktionsausfälle am wichtigen Tengiz-Ölfeld gemeldet. Die Aussicht auf weitere diplomatische Gespräche im Konflikt um den Persischen Golf sorgte zusätzlich für hohe Volatilität, insbesondere bei Produktfutures. Auch die Inlandspreise reagierten mit spürbaren Schwankungen. Am Ende des Handelstages und der gesamten Woche schlossen sowohl Brent als auch WTI jedoch mit deutlichen Verlusten.

Der zentrale Unsicherheitsfaktor blieb die ausstehende Einigung zwischen den USA und dem Iran. In den vergangenen Tagen wechselten sich Berichte über Fortschritte und neue Streitpunkte ab. Die von Donald Trump angekündigte endgültige Entscheidung blieb aus, stattdessen forderten beide Seiten Änderungen am vorliegenden Vertragsentwurf. Nach Berichten von US-Medien verlangte Trump insbesondere Nachbesserungen beim Umgang mit dem hoch angereicherten Uran des Iran und bekräftigte öffentlich, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe. Die iranische Führung konzentrierte sich dagegen vor allem auf die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte in Höhe von rund zwölf Milliarden US-Dollar. Ohne eine Klärung dieser Frage wolle Teheran nicht in die nächste Verhandlungsphase eintreten. Vertreter beider Seiten bestätigten, dass weiterhin Änderungsvorschläge ausgetauscht würden und ein Scheitern der Verhandlungen nicht ausgeschlossen sei. Auch die Aussagen des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi fielen deutlich vorsichtiger aus als noch in der Vorwoche und dämpften die Hoffnungen auf eine schnelle Lösung des Konflikts.

Parallel dazu verschärfte sich die Sicherheitslage im Nahen Osten. Israel weitete trotz einer zuvor vereinbarten Waffenruhe seine militärischen Operationen im Libanon aus. Die israelische Armee rückte so weit in den Süden des Landes vor wie seit Jahrzehnten nicht mehr und brachte unter anderem die strategisch bedeutsame Festung Beaufort unter ihre Kontrolle. Das Vorgehen stieß international auf Kritik, unter anderem aus Frankreich und Deutschland. Die Eskalation besitzt auch für die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran erhebliche Bedeutung, da Teheran wiederholt betont hatte, dass ein Ende der Angriffe auf die vom Iran unterstützte Hisbollah eine wichtige Voraussetzung für eine umfassende Einigung sei. Entsprechend wuchs am Ölmarkt die Sorge, dass die zunehmenden Spannungen die laufenden Gespräche zusätzlich belasten könnten.

Zum Wochenbeginn blieb die Lage im Persischen Golf weiterhin ungelöst. Nachdem die Ölpreise in der Vorwoche auf den niedrigsten Stand seit sechs Wochen gefallen waren, sorgte das Ausbleiben eines konkreten Verhandlungserfolgs wieder für steigende Preise. Positiv werteten die Märkte jedoch, dass die diplomatischen Kontakte zwischen den USA und dem Iran fortgesetzt wurden. Das diskutierte Abkommen sieht unter anderem eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage sowie die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr vor. Ob tatsächlich substanzielle Fortschritte erzielt werden, blieb jedoch unklar.

In den vergangenen Wochen hatte die Hoffnung auf ein Friedensabkommen und die Wiederaufnahme der Exporte durch den Persischen Golf zu einem Rückgang der Rohölpreise geführt. Dennoch notierte Brent-Rohöl weiterhin deutlich über dem Niveau vor Ausbruch des Konflikts Ende Februar. Die nahezu vollständige Blockade der Straße von Hormus hatte erhebliche Störungen des weltweiten Ölhandels verursacht und die Märkte nachhaltig belastet. Experten betonten, dass weder die USA noch der Iran bislang bereit seien, bei ihren zentralen Forderungen nachzugeben. Deshalb reagierten die Ölpreise weiterhin empfindlich auf politische Stellungnahmen und schwankten zwischen der Hoffnung auf eine Einigung und der Furcht vor einer weiteren Eskalation.

Auch die Rolle Israels blieb für die weitere Entwicklung entscheidend. Da Tel Aviv nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt ist, besteht Unsicherheit darüber, ob die militärischen Operationen im Libanon beendet werden. Für eine umfassende politische Lösung dürfte dies jedoch von großer Bedeutung sein, da der Iran eine Einbeziehung der Hisbollah in jeden dauerhaften Kompromiss fordert.

Insgesamt hat sich die geopolitische Lage zuletzt wieder leicht verschärft. Obwohl die Märkte nicht mehr vom schlimmstmöglichen Szenario ausgehen, preisen sie nach Einschätzung vieler Analysten weiterhin keinen umfassenden Frieden ein. Die fundamentale Bewertung des Ölmarktes bewegt sich deshalb aktuell zwischen neutral und bullish. Entsprechend starteten die Ölfutures mit höheren Notierungen in die neue Woche, was auch zu steigenden Inlandspreisen führte.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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