
Weitere Angriffe auf Ölanlagen im Schwarzen Meer
Russland und die Ukraine haben sich in der Nacht gegenseitig an ihren Schwarzmeerhäfen angegriffen und dabei wichtige Infrastruktur beschädigt, darunter auch wieder die Ölraffinerie und Verladeeinheiten in der russischen Hafenstadt Tuapse. Betroffen seien eine Rohölverarbeitungseinheit der Anlage sowie Pipelines und Verladeeinrichtungen am Marine-Terminal, berichtete der Nachrichtendienst RBC Ukraine.
Brände im Hafen und in der Raffinerie seien gelöscht worden, teilten die Rettungsdienste mit. Zudem seien mehrere Wohngebäude beschädigt worden. Ein offizielles Statement des Raffinerie- und Terminalbetreiber Rosneft PJSC gibt es bisher nicht. Die Raffinerie in Tuapse verfügt über eine Verarbeitungskapazität von rund 240.000 B/T und war im letzten Jahr schon öfter Ziel ukrainischer Drohnenangriffe gewesen. Das Terminal hat eine Umschlagkapazität von etwa 17 Mio. Tonnen jährlich.
Marktlage
Nachdem die Notierungen an ICE und NYMEX 2025 den stärksten Jahresverlust seit 2020 hinnehmen mussten, stabilisieren sich die Preise heute zum ersten Handelstag des neuen Jahres. Die Themen am Ölmarkt bleiben dabei größtenteils die alten. So blicken die Marktteilnehmer sowohl auf das nächste Treffen der OPEC+ am Sonntag, als auch auf die geopolitischen Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit Venezuela, der Ukraine und dem Nahen Osten.
Während die von Saudi-Arabien und Russland angeführten OPEC+-Mitgliedervoraussichtlich an ihrer Entscheidung festhalten werden, weitere Förderausweitungen auszusetzen, haben die die geopolitischen Spannungen unterdessen in den letzten Wochen zugenommen. So hat die Regierung um Präsident Trump ihre Maßnahmen gegen Venezuelas Ölexporte weiter verschärft und über den Jahreswechsel Sanktionen gegen Unternehmen in Hongkong und China sowie mehrere Öltanker verhängt, denen die Umgehung bestehender Beschränkungen vorgeworfen wird.
Schon seit geraumer Zeit erhöhen die USA den Druck auf Venezuela und halten unter anderem eine Seeblockade aufrecht, die die Ölexporte des Landes massiv einschränkt. Damit wird das südamerikanische Land an seiner empfindlichsten Stelle getroffen, da der Ölhandel die wichtigste Einnahmequelle ist. Laut Washington geht es den USA dabei vor allem um den Kampf gegen venezolanische Drogenkartelle.
Auf der anderen Seite des Atlantiks geht der Krieg Russlands gegen die Ukraineweiter. Trotz der zuletzt geführten konstruktiven Gespräche zwischen Kiew und Washington ist ein Waffenstillstand hier lange noch nicht in Sicht. Auch über den Jahreswechsel gab es damit zahlreiche Angriffe, unter anderem auch auf russische Energieinfrastruktur.
„Geopolitische Ereignisse werden die Rohölpreise kurzfristig stützen“, prognostiziert Ölmarktanalyst Robert Rennie von Westpac Banking deshalb. Für das erste Quartal rechne er jedoch angesichts eines Überangebots und möglicher Fortschritte in Richtung eines Friedensabkommens in der Ukraine dennoch mit weiterhin sinkenden Preisen.
Damit würde sich der Trend der letzten Monate fortsetzen, denn Brent und WTI verbuchten 2025 Jahresverluste von rund 20% – und damit den stärksten Rückgang seit dem Pandemiejahr 2020. Für die europäische Referenzsorte Brent war es bereits das dritte Verlustjahr in Folge und damit die längste Negativserie seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auch Marktexpertin Priyanka Sachdeva von Philip Nova verweist auf die Diskrepanz zwischen kurzfristigen geopolitischen Risiken und längerfristigen Marktgrundlagen, die auf ein bevorstehendes Überangebot hindeuteten. Für WTI sieht sie die Preise im ersten Quartal überwiegend in einer Spanne von 55 bis 65 Dollar pro Barrel.
In Sachen Angebotsentwicklung bleibt die OPEC+ auch in diesem Jahr das Zünglein an der Waage. „2026 wird ein wichtiges Jahr für die Bewertung der OPEC+-Entscheidungen zur Balance von Angebot und Nachfrage“, kommentiert June Goh, Senior-Analystin bei Sparta Commodities in diesem Zusammenhang. Allerdings geht auch sie davon aus, dass die Organisation bei ihrem nächsten virtuellen Monatstreffen am Sonntag erst einmal bestätigen wird, im ersten Quartal 2026 auf weitere Angebotserhöhungen zu verzichten.
Das zunehmend brenzligere geopolitische Risikoumfeld bleibt auch zu Beginn des neuen Jahres ein leicht stützender Faktor, der kurzfristig weitere Preissenkungen ausbremst. Wir nehmen deshalb aus heutiger Sicht eine fundamental leicht bullishe Haltung ein. An der längerfristigen Aussicht, die in den nächsten Monaten ein deutliches Überangebot verheißt, hat sich aber wenig verändert, so dass die übergeordnete fundamentale Einschätzung bearish bleibt. Bei den Inlandspreisen zeichnen sich deshalb heute früh schon erste Preisaufschläge ab.