
Iran und USA signalisieren Redebereitschaft
Im Konflikt zwischen Washington und Teheran gibt es nun erste Anzeichen einer Deeskalation. Laut US-Präsident Donald Trump gebe es „ernsthafte Gespräche“ mit dem Iran. Und auch der iranische Präsident sprach sich für Diplomatie aus. Die Ölfutures starten mit diesen Meldungen vom Wochenende mit einem deutlichen Preisrutsch in die neue Woche.
Nach Wochen der Eskalation und gegenseitigem Säbelrasseln gibt es nun nach Angaben von beiden Seiten Verhandlungsbereitschaft. Donald Trump sagte dem Sender Fox News, Teheran „redet mit uns, wir werden sehen, ob wir etwas tun können, andernfalls werden wir sehen, was passiert“. Irans Präsident Massud Peseschkian betonte in einem Telefonat mit dem ägyptischen Präsidenten die Notwendigkeit, „diplomatische Prozesse einzuleiten“.
Zuletzt war die Angst vor einem neuen Krieg oder zumindest neuen Militärschlägen in der Region wieder gewachsen. Washington hatte dem Regime in Teheran mehrfach mit Angriffen gedroht, wegen des brutalen Vorgehens staatlicher Repressionskräfte gegen Demonstranten bei den jüngsten Massenprotesten. Gleichzeitig fordern die USA auch, dass der Iran sein Atomprogramm aufgibt.
OPEC+ bestätigt Pause für März – Keine Signale darüber hinaus
Die OPEC+ hat am Sonntag die Pause bei den Förderanhebungen auch für März bestätigt – trotz der aktuell wieder höheren Preisniveaus. Schon im November hatte die Gruppe entschieden, den schrittweisen Abbau der bestehenden freiwilligen Förderkürzungen im ersten Quartal auszusetzen, um dem saisonal erwarteten Nachfragerückgang entgegenzuwirken.
Die acht OPEC-Mitglieder, die aktuell zusätzlich zu den Förderquoten noch weitere Kürzungen umsetzen waren heute zu ihrer monatlichen stattfindenden virtuellen Sitzung zusammengekommen und dabei die aktuelle Förderpolitik bestätigt. Einige Delegierte gaben im Nachhinein an, dass die Frage, wie es nach Ablauf des ersten Quartals weitergehen solle, auf die nächste Sitzung am 1. März vertagt wurde.
Aus Sicht von Rystad Analyst und OPEC-Kenner Jorge Leon ist genau das die eigentliche Schlagzeile – nämlich, was die OPEC+ nach ihrer gestrigen Sitzung nicht gesagt hat. Der Experte, der vor seinem Wechsel zu dem Beratungsunternehmen jahrelang Mitarbeiter des OPEC-Sekretariats war, merkt an: „Angesichts der wachsenden Unsicherheit rund um Iran und der Spannungen mit den USA hält sich die Gruppe alle Optionen offen.“
Die OPEC+ reagiert traditionell zurückhaltend auf geopolitische Risiken und wartet in der Regel ab, ob es tatsächlich zu spürbaren Ausfällen und Unterbrechungen kommt. Sollte dies nicht der Fall sein, dürfte das Förderbündnis die schrittweise Rückführung der zusätzlichen Förderkürzungen wieder aufnehmen. Theoretisch verfügen die Kernmitglieder der Gruppe immer noch über rund 1,2 Mio. B/T an Förderkapazität, die seit 2023 stillgelegt ist und wieder aktiviert werden könnte.
Marktlage
Mit den jüngsten Anzeichen einer Entspannung zwischen Iran und den USA gebendie Ölpreise an ICE und NYMEX zum Start in die neue Woche spürbar nach. Zuletzt hatte die Angst vor einer militärischen Eskalation die Notierungen diesseits und jenseits des Atlantiks auf neue Mehrmonatshochs getrieben
Trump hatte dem Iran wiederholt mit einem Eingreifen gedroht, sollte Teheran keinem neuen Atomabkommen zustimmen oder die Tötung von Demonstranten fortsetzen. Diese anhaltenden Drohungen hätten die Ölpreise im Januar gestützt, kommentiert Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. „Zudem hat die jüngste Stärke des US-Dollars den Rückgang verstärkt, da ein festerer Dollar Rohöl für Käufer außerhalb der USA verteuert und damit die Nachfrage dämpft.“
Sowohl Washington, als auch Teheran hatten am Wochenende signalisiert, an den Verhandlungstisch kommen zu wollen. Zusammen mit Berichten, wonach die Seestreitkräfte der iranischen Revolutionsgarden derzeit keine scharfen Manöverin der Straße von Hormus planten, werteten Marktbeobachter dies als Zeichen einer Deeskalation.
„Der Ölmarkt interpretiert dies als ermutigenden Schritt weg von der Konfrontation“, meint Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG. Dadurch werde die geopolitische Risikoprämie, die während der jüngsten Rally in die Preise eingepreist worden sei, abgebaut, was Gewinnmitnahmen auslöse.
Über die jüngsten Ereignisse im Iran-Konflikt ist das OPEC+ Meeting vom Wochenende fast in Vergessenheit geraten. Es brachte allerdings auch keine neuen Überraschungen sondern bestätigte die Pause bei den Förderanhebungen auch für März. Wie es darüber hinaus weiter gehen soll, will die Gruppe erst bei ihrem nächsten Treffen am 1. März thematisieren.
Die OPEC+ folgt damit ihrem üblichen Credo der Flexibilität und hält sich alle Optionen offen, auf aktuelle Marktentwicklungen zu reagieren. Allerdings hatte die Gruppe schon im letzten Jahr signalisiert, dass sie den am Markt vorherrschenden Erwartungen eines starken Überangebots nicht in gleichem Maße folgt und dürfte deshalb wohl zum April wieder mit der schrittweisen Erhöhung der Fördermengen starten.
Mit der Deeskalation im Iran-Konflikt ist die Risikoprämie wieder deutlich gesunken und die fundamentale Ausrichtung wandelt sich ins Bearishe – zumal auch die Kältewelle in den USA abklingt und erst einmal nicht mehr mit stärkeren Ausfällen gerechnet werden muss.
Bei den Inlandspreisen ergeben sich mit dem Preis-Gap an den Ölbörsen zum Wochenstart ebenfalls signifikante Abschläge im Vergleich zu Freitag