Trumps Rede sorgt für Unruhe
Mit Spannung hatte der Markt Trumps Rede an die Nation in der Nacht erwartet, in der er einmal mehr ein baldiges Ende des Krieges gegen den Iran ankündigt. Nicht aber ohne auch weitere Drohungen auszustoßen, die am Markt durchaus ernst genommen werden.
Im Kern sagte Trump, dass er "ohne einen Deal" mit dem Iran dessen Energieinfrastruktur ins Visier nehmen werde und eventuell auch die Ölanlagen. Eine Umsetzung dieser Vorhaben würde die Gewaltspirale weiterdrehen lassen, insbesondere da der Iran bisher nicht auf den Druck der USA reagierte. Es ist zu befürchten, dass dann Anlagen dauerhaft beschädigt und bei einer künftigen Produktionssteigerung fehlen werden, sowie die Straße von Hormus wieder geöffnet wird.
Abgesehen davon würden wohl auch Irans Angriffe auf Schiffe in der Region zunehmen, während die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Öffnung der Meeresenge sinkt. „Nichts in Trumps Rede ändert etwas an der grundlegenden Marktrealität: die Meerenge ist seit einem Monat faktisch geschlossen und die Handelsströme sind weiterhin erheblich eingeschränkt. Mit Störungen von mindestens mehreren Wochen, wenn nicht sogar länger, ist zu rechnen“, so Robert Rennie, Analyst bei Westpac Banking Corp.
USA verlegt weitere Einheiten in den Nahen Osten
Hatten die USA zuletzt auch Infanteristen in den Persischen Golf verlegt, folgt nun ein weiterer Flugzeugträger und Flugzeuge, spezialisiert auf den Bodenkampf.
Die USS Gerald R. Ford, der größte Flugzeugträger der USA, hatte sich nach Problemen bekanntlich aus dem Iran-Krieg zurückgezogen. Dieser wird nun scheinbar mit der USS George H.W. Bush ersetzt, die sich auf dem Weg in das Einsatzgebiet befindet. Das Schiff wird wohl etwa Mitte bis Ende kommender Woche im östlichen Mittelmeer ankommen, von wo aus es Schläge gegen den Iran ausführen kann.
Andere spezialisierte Einheiten für den Bodenkampf werden ebenfalls verlegt. Insbesondere konnte beobachtet werden, dass mindestens 18 A-10 Kampfflugzeuge verlegt wurden, die für die Unterstützung von Infanterieoperationen konzipiert sind. Die USA stärken damit ihre Fähigkeiten für Bodeneinsätze. Ob die Einnahme der strategischen „Ölinsel“ Kharg das Ziel möglicher Maßnahmen ist, bleibt indes unklar.
In Zusammenhang mit Trumps Rede an die Nation in der Nacht, bei der er weitere sehr „harte Schläge“ gegen Teheran in den kommenden Wochen ankündigte, deuten auch diese Truppenverlegungen eher auf eine weitere Eskalation statt auf eine Verhandlungslösung hin.
Marktlage
Am Markt bleibt derzeit kaum Raum für andere Themen als den Iran-Krieg. Zu stark sind die Auswirkungen auf die globale Ölversorgung, als dass die Ölbörsen in New York und London nicht in all ihren Facetten davon dominiert würden. Dennoch gibt es auch andere Meldungen, wie die US-Ölbestände, die gestern veröffentlicht wurden.
Die Zahlen waren allerdings zu wenig extrem, als dass sie die Preisdynamik an ICE und NYMEX hätten beeinflussen können. Entsprechend wurde das Zahlenwerk von uns neutral eingestuft und findet auch heute Morgen weiterhin kaum Beachtung im Handel.
Bestimmend bleibt Trumps Vorgehen im Iran-Krieg, bei dem er in seiner Rede an die Nation in der Nacht eine neue Eskalation andeutete. Den Äußerungen zu Folge will man die Intensität der Attacken in den kommenden Wochen noch einmal steigern, bevor man den Krieg eventuell beendet. Sollte aber - wie angekündigt - die Energieinfrastruktur zum Ziel werden, wäre dies wohl eine Katastrophe für die langfristige Energiesicherheit.
Hieß es zuvor noch, man würde den Krieg bald beenden – auch ohne Deal – so stellt dies nun eine Kehrtwende dar. Einige am Markt hatten zunächst ein mögliches Ende des Krieges eingepreist, wurden nun aber durch Trumps Äußerungen kalt erwischt. „Also tat Öl das, was Öl immer tut, wenn eine Illusion zerbricht. Es schoss in die Höhe, nicht weil sich der Krieg plötzlich verschlimmerte, sondern weil der Markt die Erwartung seines Endes voreilig eingepreist hatte“, fasst Analyst Stephen Innes von SPI Asset Management die Geschehnisse zusammen.
Robert Rennie, von Westpac Banking Corp. sieht dies ähnlich, denn nichts was Trump sagte, hatte was an der aktuellen Situation vor Ort verändert. Die Straße von Hormus ist und bleibe wahrscheinlich auch erst einmal geschlossen, so dass er für Brent eine Range von 95 bis 110 Dollar sieht. Mit dem Kurssprung in der Nacht hat Brent zeitweise die 108 Dollar überschritten und orientiert sich damit eher am oberen Ende dieser Spanne.
Die fundamentale Konstellation ist mit der Aussicht auf intensivere US-Angriffe auf den Iran nun erst einmal wieder bullish einzustufen. ICE Gasoil markiert im Zuge dessen den dritthöchsten Preis, der jemals an der Börse registriert wurde, was bei den Inlandspreisnotierungen ebenfalls deutliche Preissteigerungen ankündigt.