
Neuer US-Handelsdeal – Kein russisches Öl mehr für Indien
Offenbar haben sich die Vereinigten Staaten und Indien auf ein Rahmenabkommen im Handel geeinigt, wie Donald Trump gestern nach einem Telefonat mit seinem indischen Amtskollegen Narendra Modi erklärte. Dieses sieht eine Senkung der US-Zölle auf indische Waren sowie eine Ausweitung der indischen Käufe von US-Öl und -Gas vor.
Nach Angaben Trumps sollen die Zölle auf 18 % gesenkt und ein zusätzlicher Strafzoll im Zusammenhang mit Indiens Käufen von russischem Öl aufgehoben werden. Im Gegenzug habe Modi zugesagt, die Importe russischen Rohöls deutlich zu reduzieren und stattdessen verstärkt auf Lieferungen aus den USA zu setzen. Zudem habe Indien weitergehende Verpflichtungen übernommen, amerikanische Energie, Technologie und Agrarprodukte zu kaufen. Eine offizielle Bestätigung aus Indien gibt es bisher allerdings noch nicht.
Der US-Präsident erklärte außerdem, Indien dürfe künftig Öl aus Venezuela beziehen, und stellte dies als Ersatz für russische und iranische Lieferungen dar. Die Äußerung deutet auf mögliche Flexibilität bei der Durchsetzung von Sanktionen hin, wenn gleich bislang keine formelle Änderung der US-Politik angekündigt wurde. Venezuela unterliegt weiterhin US-Sanktionen, wobei Ölexporte nur über begrenzte Genehmigungen möglich sind. Unklar bleibt, ob Indien eine spezielle Erlaubnis erhalten soll oder ob Trumps Aussage Teil der Verhandlungstaktik war.
Marktlage
Die Ölpreise sind am Dienstag den zweiten Tag in Folge gesunken. Hintergrund sind Hoffnungen auf eine mögliche Entspannung zwischen den USA und dem Iran sowie ein festerer Dollar, der zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Notierungen ausübte. Auch ein angeblicher neuer US-Handelsdeal mit Indien beschäftigt heute die Anleger.
Nachdem sowohl Washington, als auch Teheran am Wochenende Gesprächsbereitschaft signalisiert hatten, sollen nun noch in dieser Woche die Atomgespräche wieder aufgenommen werden. Am Freitag soll es in der Türkei das ersten Treffen geben. US-Präsident Trump erinnerte gleichzeitig aber auch an die „Armada“ von Kriegsschiffen, die er in die Region beordert habe, und warnte, dass „schlimmen Dinge passieren“ könnten, sollten keine Fortschritte erzielt werden.
Als großen Fortschritt dürfte Trump die von ihm gestern verkündete Einigung mit Indien zu einem Rahmenabkommen in Handelsfragen einschätzen. Er habe sich, so Trump, mit Indiens Premier Narendra Modi darauf verständigt, die Strafzölle auf 18% zu senken, während Neu-Delhi sich verpflichtet habe, kein russisches Öl mehr zu importieren. Aus Indien gibt es noch keine offizielle Bestätigung.
Die Lieferungen russischen Rohöls nach Indien sind zuletzt auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren gefallen, was zu einem wachsenden Angebot unverkaufter, sanktionierter Mengen auf dem Weltmarkt beiträgt. Analysten der ING erklärten, eine entsprechende Einigung zwischen den USA und Indien würde das Volumen russischen Öls, das auf See nach Abnehmern sucht, noch weitererhöhen.
Insgesamt dürfte die Volatilität am Ölmarkt angesichts der hohen Unsicherheiten, die sowohl den Entwicklungen im Iran, als auch dem Handelsdeal mit Indien anhaften, recht hoch ausfallen. Dieser Meinung ist auch Priyanka Sachdeva, Senior-Marktanalystin bei Phillip Nova: „Die Preise dürften im Februar volatil bleiben und sich in einer Seitwärtsbewegung bewegen, stark beeinflusst von Nachrichten und makroökonomischen Impulsen, mit einem insgesamt nach unten gerichteten Risiko.“
Die jüngsten starken Preisschwankungen seien vor allem stimmungsgetrieben, meint die Analystin. Nach der Rally in der vergangenen Woche hätten die Märkte die Gewinne rasch wieder abgegeben, da auch andere Risikoanlagen volatil geworden seien. Ohne neue geopolitische Eskalationen und bei weiterhin gemischten Konjunkturdaten habe sich der Ölmarkt nicht auf höherem Niveaubehaupten können.
Bearishe Auswirkungen für die Ölbörsen kommen auch heute noch von einem wieder etwas stärkeren Dollar, senkt dieser doch die Nachfrage nach in Dollar gehandeltem Rohöl aus dem Ausland. Aus fundamentaler Sicht bleibt die Einschätzung damit heute eher bearish, obwohl das mögliche Aus der indischen Importe aus Russland einen bullishen Impuls geben könnte. Bisher gibt es dazu aber noch keine Bestätigung aus Indien.
Bei den Inlandspreisen ergeben sich dank der umfassenden Preisnachlässe von gestern auch heute rein rechnerisch wieder recht eindeutige Preisabschläge im Vergleich zu Montagfrüh.