Kampfhandlungen im Nahen Osten nehmen zu – Ölpreise steigen

Die Lage im Persischen Golf hat sich weiter verschärft, während die Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran zunehmend schwinden. Beide Seiten widersprechen sich hinsichtlich möglicher Gespräche: Der Iran erklärt, seit mehreren Tagen keinen Kontakt mehr zu Washington zu haben, während US-Präsident Donald Trump diese Darstellung als falsch zurückweist. Parallel dazu nehmen die militärischen Aktivitäten in der Region deutlich zu.

Nach Angaben des US-Zentralkommandos feuerte der Iran mehrere Raketen auf Ziele in Kuwait und Bahrain ab. Zwei Raketen in Richtung Kuwait verfehlten ihr Ziel oder zerfielen noch vor dem Einschlag. Drei weitere Raketen auf Bahrain wurden durch amerikanische und bahrainische Luftabwehrsysteme abgefangen. Zusätzlich schossen US-Streitkräfte drei Drohnen ab, die sich auf zivile Schiffe in der strategisch wichtigen Meerenge von Hormus zubewegten. Darüber hinaus führten sie offenbar Angriffe auf die iranische Insel Qeschm durch. In einem weiteren Vorfall setzte das US-Militär einen unbeladenen Öltanker außer Gefecht, der auf dem Weg zum bedeutenden iranischen Ölexportterminal auf der Insel Kharg war. Laut CENTCOM handelte es sich bereits um das sechste Handelsschiff, das seit dem 13. April im Rahmen der amerikanischen Blockademaßnahmen außer Gefecht gesetzt wurde. Weitere 122 Schiffe mussten ihre Routen ändern.

Diese Entwicklungen lassen keine Anzeichen einer Deeskalation erkennen. Gleichzeitig bleibt unklar, ob die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran überhaupt noch fortgesetzt werden. Zwar prüft Teheran nach eigenen Angaben weiterhin einen jüngsten US-Vorschlag für ein mögliches Abkommen, doch selbst im Falle einer Einigung dürfte die Rückkehr zu stabilen Verhältnissen auf dem Ölmarkt langwierig und schwierig werden.

An den Rohstoffmärkten reagieren die Ölpreise bereits auf die wachsenden geopolitischen Risiken. Zur Wochenmitte setzen sie ihren Aufwärtstrend fort, nachdem die Preise in den vergangenen Wochen noch unter der Erwartung einer diplomatischen Lösung gefallen waren. Mittlerweile dominieren jedoch Sorgen über eine mögliche Verlängerung der Konflikte und über Störungen der Öltransporte durch die Straße von Hormus. Marktteilnehmer befürchten zunehmend, dass Ausfälle bei den Exporten länger anhalten könnten und deshalb verstärkt auf bestehende Rohölvorräte zurückgegriffen werden muss.

Zusätzliche Unterstützung für diese Einschätzung liefert die Internationale Energieagentur (IEA). Sie warnt davor, dass die weltweiten Ölbestände vor Beginn der sommerlichen Nachfragespitze auf kritische Niveaus sinken könnten, falls die derzeitigen Lagerabbauten in unverändertem Tempo fortgesetzt werden. Die Kombination aus sinkenden Vorräten, anhaltenden geopolitischen Spannungen und fehlenden Fortschritten in den Verhandlungen erhöht nach Einschätzung verschiedener Marktanalysten die Risikoprämien am Ölmarkt deutlich. Sowohl Warren Patterson von der ING als auch Emril Jamil von LSEG sehen derzeit vor allem Aufwärtsrisiken für die Ölpreise, insbesondere mit Blick auf das dritte Quartal, in dem die Nachfrage saisonal üblicherweise steigt.

Zusätzliche Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die bevorstehenden US-Lagerbestandsdaten des Energieministeriums (DOE). In den vergangenen Wochen hatten die Bestandsberichte bereits auf eine knappe Versorgungslage hingedeutet, da sowohl die Rohöl- als auch die Produktbestände deutlich zurückgingen. Sollte das DOE jedoch die zuvor vom American Petroleum Institute gemeldeten Benzinaufbauten bestätigen, könnte dies kurzfristig einen leicht preisdämpfenden Effekt auf den Markt ausüben. Insgesamt überwiegt jedoch angesichts der zunehmenden militärischen Aktivitäten im Persischen Golf die Einschätzung, dass die fundamentalen Marktbedingungen weiterhin für steigende Ölpreise sprechen. Entsprechend zeichnen sich auch bei den Inlandspreisen bereits deutliche Aufschläge gegenüber dem Vortag ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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