Brent in Contango – Angebotsknappheit löst sich auf

Kuwait hat seine Rohölproduktion im Juni deutlich schneller als erwartet gesteigert und damit ein weiteres Signal für die Erholung des Ölmarktes nach den kriegsbedingten Störungen im Persischen Golf gesetzt. Die tägliche Fördermenge stieg von rund 580.000 Barrel im Mai auf etwa 1,65 Millionen Barrel im Juni und erreichte in den letzten zehn Tagen des Monats zeitweise bis zu 1,9 Millionen Barrel pro Tag. Zwar bestätigte die staatliche Kuwait Petroleum Corporation diese Zahlen bislang nicht offiziell, sie hob jedoch bereits Mitte Juni alle während des Krieges geltenden Force-Majeure-Erklärungen auf und bot wieder Rohölladungen zum Verkauf an. Vor der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran Ende Februar hatte Kuwait täglich rund 2,5 Millionen Barrel gefördert. Die Blockade zwang Kuwait sowie andere Golfstaaten wie Saudi-Arabien und den Irak, ihre Produktion erheblich zu drosseln. Die nun rasch steigenden Förder- und Exportmengen zeigen, dass sich die Ölströme durch die Straße von Hormus schneller als erwartet normalisieren und sich die Versorgungslage am Weltmarkt entspannt.

Diese Entwicklung spiegelt sich zunehmend auch in der Marktstruktur wider. Während der Rohölmarkt seit Jahresbeginn von einer ausgeprägten Backwardation geprägt war, bei der kurzfristige Kontrakte aufgrund eines knappen Angebots teurer gehandelt wurden als länger laufende Kontrakte, hat sich der Brent-Markt inzwischen in ein Contango verwandelt. In einer Contango-Struktur liegen die Preise für länger laufende Kontrakte über denen der kurzfristigen Liefertermine, was auf eine ausgeglichenere oder sogar komfortablere Versorgungslage hindeutet und zugleich Lager-, Transport- und Finanzierungskosten widerspiegelt. Die aktuellen Preisaufschläge zwischen den Brent-Kontrakten verschiedener Laufzeiten bestätigen diesen Wandel. Beim US-Referenzöl WTI besteht zwar weiterhin eine leichte Backwardation, doch auch dort hat sich die zuvor angespannte Marktstruktur deutlich abgeschwächt, sodass ein Übergang zum Contango möglich erscheint, sofern sich die Versorgungslage in den USA weiter verbessert.

An den internationalen Ölbörsen legten die Preise für Brent und WTI zum Ende der Handelswoche zwar leicht zu, insgesamt bleibt der Markt jedoch unter Druck. Die Marktteilnehmer bewerten die Fortschritte bei den diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran sowie die zunehmende Stabilisierung im Persischen Golf positiv. Dadurch fielen die Ölpreise zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran, obwohl sich die Wochenveränderungen insgesamt nur gering ausfielen. Der Wechsel der Brent-Marktstruktur in das Contango verdeutlicht, dass die Sorge vor einer kurzfristigen Unterversorgung deutlich nachgelassen hat. Analysten der Citigroup sehen deshalb die fundamentalen Marktdaten wieder im Vordergrund und erwarten, dass sich der Brent-Preis bis zum Jahresende auf 60 bis 65 US-Dollar je Barrel abschwächen könnte. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass der politische Verhandlungsprozess zwischen den USA und dem Iran weiterhin unsicher bleibt. Zudem könnten künftig Transitgebühren für die Passage der Straße von Hormus eingeführt werden, wodurch Schiffe möglicherweise Zahlungen an den Iran und den Oman leisten müssten. Aufgrund des verkürzten Handels vor dem US-amerikanischen Independence Day wird an den Ölbörsen zudem nur mit einem geringen Handelsvolumen gerechnet, was kurzfristig stärkere Preisschwankungen begünstigen könnte. Insgesamt überwiegen derzeit jedoch die bearischen Marktfaktoren, da die steigende Ölproduktion im Persischen Golf und die Rückkehr des Contango auf eine zunehmende Entspannung der globalen Angebotslage hindeuten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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