
US-Kampfflugzeug schießt Drohne über Arabischem Meer ab
Da hatten die Marktteilnehmer die geopolitische Risikoprämie im Hinblick auf die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zum Wochenbeginn gerade erst wieder ausgepreist, schon sorgten Meldungen aus dem Nahen Osten wieder für Befürchtungen, das Risiko eines US-Militärangriffs gegen den Iran könnte doch noch nicht vom Tisch sein.
So hieß es seitens des US Zentralkommandos, ein US-Kampfflugzeug des Typs F-35Chabe über dem Arabischen Meer eine Drohne abgeschossen, die sich dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln "auf aggressive Weise genähert" habe. Der Flugzeugträger gehört zur "Armada", die Trump im Zuge der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran in die Nähe des Landesgeschickt hatte, um Teheran daran zu erinnern, dass ein US-Militärschlag immer noch möglich wäre, sollte das Mullah-Regime entgegen den Versprechungen doch Hinrichtungen von verhafteten Demonstranten vornehmen. Allerdings hatte sich die USS Abraham Lincoln im Zuge der Annäherung zwischen den USA und Iran Berichten zufolge zuletzt vom Iran in Richtung Jemen wegbewegt.
Im gestrigen Tagesverlauf beunruhigte die Marktteilnehmer bereits die Meldung britischen Behörde UK Maritime Trade Operations (UKMTO) über ein Schiff, das in der Straße von Hormus von kleineren bewaffneten Booten dazu aufgefordert wurde, seine Fahrt zu unterbrechen. Der Abschuss der Drohne durch ein US-Kampfflugzeugt verstärkte dann die Sorge, dass die Annäherung zwischen den USA und dem Iran schon wieder dahin sein könnte.
US-Präsident Trump versicherte allerdings am Dienstagabend gegenüber Journalisten im Weißen Haus, die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran seien nicht abgesagt. "Wir verhandeln gerade mit ihnen", so Trump. Seine Sprecherin, Karoline Leavitt, gab zudem in einem Interview mit dem US-Fernsehsender Fox News an, die für Freitag angekündigten Gespräche zwischen dem US-Sondergesandten Steve Witkoff mit einer iranischen Delegation im türkischen Istanbul würden trotz der jüngsten Zwischenfälle stattfinden.
Marktlage
Die Ölfutures an ICE und NYMEX machten einen Teil des Preisrutsches, den sie zum Wochenbeginn verbucht hatten, am gestrigen Dienstag wieder wett. Dabei erhielten sie Rückenwind durch den Handelsdeal zwischen den USA und Indien, vor allem aber durch die Sorge, dass die jüngste Entspannung zwischen Washington und Teheran nur ein kurzes Intermezzo gewesen sein könnte.
Nachrichten aus dem Nahen Osten hatten diese Sorge gestern wieder aufkommen lassen. "Die Drohnen- und Tankergefechte verdeutlichen dem Markt, wie volatil die Lage ist und wie schnell die Dinge selbst unbeabsichtigt außer Kontrolle geraten könnten", kommentiert Analyst Saul Kavonic von MST Marquee die jüngsten Meldungen zum Thema. Kavonic schätzt die geopolitische Risikoprämie, die die Marktteilnehmer "in Erwartung möglicher US-Angriffe auf den Iran" auf 5 bis 10 Dollar pro Barrel.
Wie schnell dieser Risikoaufschlag wieder ausgepreist wird, wird nicht zuletzt auch davon abhängen, wie zügig die angekündigten Verhandlungen zwischen den USA und Iran stichhaltige Fortschritte aufweisen. Stattfinden sollen sie auf jeden Fall, daran scheinen auch die gestern gemeldeten Zwischenfälle in der Straße von Hormus und im Arabischen Meer nichts geändert zu haben. Sollten sich Washington und Teheran einig werden, könnten die umfangreichen Sanktionen gegen den Iran deutlich gelockert werden und das iranische Ölangebotsteigen.
Heute und morgen werden die Marktteilnehmer außerdem gespannt auf die Fortsetzung der trilateralen Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi blicken. Auch hier könnten maßgebliche Fortschritte bearishe Auswirkungen auf die Ölpreise haben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits Anfang der Woche angekündigt, Kiew sei "bereit für substanzielle Gespräche". Ob dies bedeutet, dass die Ukraine auch bereit ist, Territorium an Russland abzugeben, ging aus den Angaben Selenskyjs jedoch nicht hervor.
Eine Einigung über ein Friedensabkommen hätte voraussichtlich die Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland zur Folge, wodurch das Angebot am Weltmarkt ebenfalls zunehmen würde. Die jüngste Vereinbarung zwischen den USA und Indien über eine Senkung der US-Strafzölle auf Importwaren aus Indien auf 18%, für die Indien jedoch auf Rohöl aus Russland verzichten soll, könnte Moskau diese Woche neue Anreize gegeben haben, sich bei den Ukraine-Friedensverhandlungen offener für Kompromisse zu zeigen.
Die OPEC+ will unterdessen zumindest noch bis einschließlich März - wie Ende 2025 bereits angekündigt - keine Produktionssteigerungen vornehmen, wobei es um die Rückführung der Zusatzkürzungen geht, die acht der OPEC+-Produzenten seit Anfang 2024 auf freiwilliger Basis durchgeführt hatten. Ob und wenn ja, wie stark der Kälteeinbruch sowie Schneesturm Fern in der vergangenen Woche das US-Ölangebot beeinträchtigt haben, wird heute Nachmittag der offizielle Ölmarktbericht des US-Energieministeriums (DOE) zeigen. Dem API zufolge kam es bei den landesweiten Rohöl- und Destillatvorräten der USA in der Woche zum 30. Januar zu beträchtlichen Abbauten.
Neben den DOE-Daten warten die Marktteilnehmer heute auch auf den Arbeitsmarktbericht des ADP für Januar, der schon einmal einen Vorgeschmack auf die offizielle US-Arbeitsmarktstatistik gibt. Letztere wäre eigentlich am Freitag fällig gewesen, wurde aber wegen es kurzzeitigen US-Regierungsshutdowns verschoben. Darüber hinaus werden die Trader die Nachrichtenlage im Hinblick auf die Spannungen zwischen den USA und dem Iran im Auge behalten. Heute Morgen sorgen diese zusammen mit den bullishen API-Daten dafür, dass die Ölfutures an ICE und NYMEX nahe den Vortageshochs notieren. Bei den Inlandspreisen ergeben sich rein rechnerisch im Vergleich zu Dienstagmorgen ebenfalls Potenziale für Aufschläge.