Markt ignoriert geopolitische Krisenherde – OPEC+ bestätigt Pause

OPEC+ bestätigt Pause bei Förderanhebung
Die OPEC+ hat am Sonntag bei ihrem ersten Meeting im neuen Jahr bestätigt, dass sie ihre Ölproduktion bis zum Ende des ersten Quartals 2026 unverändert belassen wird. Diese Entscheidung hatten die acht Länder, die aktuell ihre freiwilligen Kürzungen abbauen, schon im November angekündigt und damit auf die saisonale Nachfrageschwäche zum Jahresanfang und die prognostizierte Überversorgung am Markt reagiert.

Allerdings bemühte sich das Bündnis der ölexportierenden Länder auch diesmal um Optimismus in Sachen Ölmarktentwicklung und betonte nach der Sitzung, die aktuellen Marktbedingungen seien weiterhin unterstützend. Insbesondere die vergleichsweise niedrigen globalen Lagerbestände deuteten auf einen gut ausbalancierten Ölmarkt hin – trotz des deutlichen Preisrückgangs im vergangenen Jahr.

Ansonsten brachte das Meeting keine Überraschungen. Die OPEC+ Länder wiederholten wie üblich, dass die Pause jederzeit beendet werden könne, sollten es die Marktumstände erlauben und dass man sich weiterhin den bestehenden Quotenregulierungen verpflichtet sehe. Die geopolitischen Spannungen, darunter Differenzen zwischen Saudi-Arabien und den VAE im Jemen sowie der jüngsten Eskalation in Venezuela hätten unterdessen keinen Einfluss auf die kurzfristige Politik der Gruppe, versicherten einige Delegierte.

Trump droht Indien mit noch höheren Zöllen
Während die Weltöffentlichkeit aktuell vor allem Amerikas Vorgehen in Venezuela beobachtet, hat US-Präsident Donald Trump am Wochenende auch wieder Drohungen gegen Indien ausgesprochen, sollte Neu-Delhi den Forderungen Washingtons nicht nachkommen und weiter unvermindert Öl aus Russland kaufen. In diesem Falle, so Trump, könnten die bestehenden Importzölle von 50% sehr schnell weiter erhöht werden.

„Modi [Staatspräsident Indiens, Anm. d. Red.] ist ein guter Kerl. Er wusste, dass ich nicht glücklich bin, und es ist wichtig, mich glücklich zu machen“, sagte Trump am Sonntag. „Sie treiben Handel, und wir können die Zölle sehr schnell erhöhen“, antwortete er auf eine Frage nach Indiens Käufen von russischem Öl.

Zuletzt waren die indischen Einfuhren aus Russland zwar gesunken, aber nicht so stark wie erwartet. Aus Insiderkreisen heißt es jedoch, dass die russischen Importmengen wohl in absehbarer Zeit auf unter 1 Mio. B/T fallen dürften, da Neu-Dehli durchaus an einem Handelsabkommen mit den USA interessiert ist.

Marktlage
Trotz der Ereignisse um die Festnahme des venezolanischen Machthabers Maduro durch US-Streitkräfte am Wochenende geben die Kurse an ICE und NYMEX zum Wochenstart nach. Der frühe asiatische Handel startete allerdings volatil, konnte zunächst Kursgewinne verzeichnen, bevor dann die Gewinnmitnahmen doch recht schnell überwogen. Offenbar fürchten die Anleger aktuell durch die Umwälzungen in dem ölreichen Land noch keine massiven Folgen für das globale Ölangebot.

Venezuela war einst ein Schwergewicht der Ölproduktion, in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Förderung jedoch stark eingebrochen und macht inzwischen weniger als 1% der weltweiten Versorgung aus. Da sich der Markt zudem in diesem Jahr mit einem deutlichen Überangebot konfrontiert sieht, da die OPEC+ und auch andere Förderländer ihre Produktion ausgeweitet haben, entfalten die Ausfälle in Venezuela keine starke Wirkung.

„Kurzfristige Störungen der venezolanischen Produktion lassen sich problemlos durch höhere Förderung anderswo ausgleichen“, erklärt Neil Shearing von Capital Economics. Der Experte fügt an: „Wir erwarten, dass das globale Angebotswachstum im kommenden Jahr die Ölpreise in Richtung 50 Dollar drücken wird.“

Auch andere Analysten sind der Meinung, dass die Beeinträchtigungen der venezolanischen Exporte wegen des globalen Überangebots nur geringe Auswirkungen auf die Preise haben dürfte. Bei Goldman Sachs heißt es: „Wir sehen kurzfristig mögliche, aber begrenzte Risiken für die Ölpreise aus Venezuela, abhängig davon, wie sich die US-Sanktionspolitik entwickelt“.

Bei JP Morgen schätzt man die Lage sogar längerfristig bearish für den Ölmarkt ein, denn die Experten sehen in einem Regimewechsel „eines der größten Aufwärtsrisiken für den globalen Ölangebotsausblick für 2026–2027 und darüber hinaus“. Und auch Helima Croft von RBC Capital meint, eine vollständige Aufhebung der Sanktionen könnte mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag zusätzlich freisetzen. „In einem chaotischen Machtwechsel wie in Libyen oder im Irak ist alles offen“, so die Expertin.

Eine Aufhebung der Sanktionen ist im Moment jedoch noch nicht im Blick. Donald Trump erklärte am Samstag, die Sanktionen gegen die Industrie des Landes blieben bestehen. Zugleich kündigte er an, US-Unternehmen würden beim Wiederaufbau des Ölsektors helfen und die Produktion wiederbeleben. Allerdings dürfte dies ein langwieriger Prozess werden.

„US-Investitionen und echte Sanktionslockerungen brauchen Zeit, und zusätzliche Barrel kommen nicht über Nacht zurück“, erklärt Haris Khurshid von Karobaar Capital. „Derzeit scheint das Überangebot das Marktgeschehen zu dominieren und die Geopolitik zu überlagern, was die Preise deckelt.“

Neben den geopolitischen Entwicklungen in Venezuela bleiben auch in dieser Woche andere Krisenherde im Fokus, so etwa der Nahe Osten, wo nicht nur die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den VAE weiter schwelen, sondern auch der Iran wieder verstärkt in den Fokus tritt. Hier hatte es in der letzten Woche wieder neue Drohungen von Donald Trump gegeben, sollte Teheran sein Atomprogramm wieder aufnehmen.

Trotz all dieser eher bullishen Risiken, überlagert die Angebotsschwemme am Ölmarkt auch weiterhin die Stimmung der Marktteilnehmer. Aus fundamentaler Sicht fällt unser Einschätzung damit heute leicht bearish aus. Bei den Inlandspreisen ist davon allerdings wenig zu spüren, da diese am Freitag einen deutlichen Preissprung hingelegt hatten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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