Araghtschi bestätigt Gespräche mit USA

US/Iran noch uneins über Agenda für Verhandlungen im Oman
Die über die Nachrichtenplattform Axios verbreitete Meldung, dass die geplanten Gespräche zwischen den USA und dem Iran abgesagt worden seien, hatte am Mittwochabend an den Ölbörsen noch für einen Preissprung gesorgt. Mit Verweis auf Informationen aus informierten Kreisen hieß es, der Grund dafür sei gewesen, dass sich die beiden Parteien nicht auf eine Agenda hätten einigen können. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi stellte jedoch mittels einer Nachricht auf seinem Profil beim Kurzmeldungsdienst X wenig später klar, dass die Gespräche stattfinden würden.

"Die Atomgespräche mit den Vereinigten Staaten sollen am Freitag gegen 10:00 Uhr in Maskat [der Hauptstadt des Oman] stattfinden. Ich bin unseren omanischen Brüdern dankbar, dass sie alle notwendigen Vorkehrungen getroffen haben", schrieb Araghtschi. Die Agenda für die Verhandlungen scheint allerdings tatsächlich noch nicht wirklich ausgearbeitet zu sein, denn US-Außenminister Marco Rubio betonte am gestrigen Mittwoch noch einmal, dass die Verhandlungen auch das Raketenprogramm Irans beinhalten müssten, sowie die Unterstützung Teherans für bewaffnete Milizen in der Region und - ganz am Rande - den Umgang des Regimes mit dem iranischen Volk.

Dabei soll gerade die Begrenzung der Gespräche auf das Thema Atomprogramm der Grund dafür gewesen sein, dass Teheran diese nicht in der Türkei (wie ursprünglich angedacht), sondern im Oman führen will. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die beiden Seiten bis Freitag noch auf eine Agenda einigen können, oder ob die Uneinigkeit darüber doch wieder zu einer Verschärfung der Spannungen oder gar einer Absage der Verhandlungen führen wird.  

Marktlage
Die Preise an den Ölbörsen reagieren weiterhin empfindlich auf geopolitische Schlagzeilen. Dies wurde erst gestern Abend wieder deutlich, als das Gerücht, die geplanten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran seien abgesagt worden, für einen Preissprung sorgte.

Wenn gleich der Außenminister Irans das Gerücht bereits wenig später aus der Welt räumte, herrscht laut Warren Patterson von der ING Groep NV "weiterhin große Unsicherheit darüber, wie das Ganze ausgehen wird." Mukesh Sahdev, der Vorstandsvorsitzende von XAnalysts, einem Beratungsunternehmen für den Energiesektor, geht sogar noch etwas weiter und unkt: "Es ist wahrscheinlich, dass diese Gespräche neue Differenzen zutage fördern und die Risikoprämie bald wieder steigen wird."

Davon abgesehen trägt auch US-Präsident Donald Trump, der auf Fragen von Journalisten gerne mal mit mehr oder weniger vagen Drohungen gegenüber dem Iran antwortet, dazu bei, dass man am Markt die Risikoprämie für einen US-Militärschlag gegen die Islamische Republik nicht ganz auspreisen will. Schließlich könnte ein solcher Militärschlag Teheran dazu veranlassen, die Straße von Hormus und damit ein wichtiges Nadelöhr für den internationalen Ölhandel zu blockieren.

Unterdessen findet seit gestern in Abu Dhabi die zweite Runde an trilateralen Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi statt. Am gestrigen Mittwoch hatte der Kreml bereits vor Beginn der Verhandlungen mitgeteilt, dass Moskau nach dem ersten Tag der zweiten Verhandlungsrunde nichts mitteilen werde. "Es ist nicht nötig, auf irgendwelche Stellungnahmen zu warten. Wir planen nicht, welche abzugeben", antwortete Kreml-Sprecher Dmitry Peskow laut einem Bericht der Nachrichtenagentur TASS auf die Frage eines Journalisten, wann mit Stellungnahmen des Kremls zum Fortschritt der Gespräche zu rechnen sei.

Dass bereits heute eine Einigung über ein Friedensabkommen für die Ukraine verkündet wird, im Zuge dessen auch die Sanktionen des Westens gegen Russland gelockert werden könnten, ist unwahrscheinlich. Schließlich nahm Russland zuletzt wieder zahlreiche Ziele in der Ukraine ins Visier, während der ukrainische Präsident seinen US-Amtskollegen um mehr Waffen gebeten hat, um den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Voraussichtlich eher kurzfristige Auswirkungen auf das US-Ölangebot hatte die jüngste Kältewelle und der Schneesturm Fern, die weite Teile der USA in den vergangenen beiden Wochen getroffen hatten. Den am Mittwoch vom DOE veröffentlichten Daten zufolge ließ der Wintereinbruch die US-Rohölproduktion in der letzten Januar-Woche mit 13,2 Mio. B/T auf den niedrigsten Stand sinken, der in den wöchentlichen Daten des US-Energieministeriums seit Mitte November 2024 verzeichnet worden war. Dass die Marktteilnehmer mit einer zügigen Erholung der Fördermengen rechnen, zeigt jedoch auch die schwache Reaktion der Ölbörsen auf den gestrigen DOE-Wochenbericht. 

Heute Nachmittag wird neben den geopolitischen Risiken auch der Zinsentscheid der EZB beziehungsweise die Pressekonferenz zur aktuellen EZB-Ratssitzung im Fokus stehen. Während man am Markt davon ausgeht, dass die Notenbankerinnen und Notenbanker der EZB die Zinsen bei der aktuellen Sitzung nicht anrühren, ist man gespannt, was EZB-Ratspräsidentin zur starken Aufwertung sagt, die der Euro zuletzt gegenüber dem Dollar erfahren hat.

Aktuell notieren die Ölfutures an ICE und NYMEX wieder deutlich unterhalb der Vortageshochs, wobei bis zu den Tiefs von Mittwoch noch Spielraum vorhanden ist. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich aktuell im Vergleich zu gestern allerdings noch keine klare Richtung ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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