
Aramco OSPs signalisieren schwächere Januar-Nachfrage
Wie gestern schon vor der Veröffentlichung der offiziellen Aramco OSPs(Original Selling Prices) durchsickerte, hat der saudische Staatskonzern seine Preislisten für Januar noch einmal nach unten korrigiert. Inzwischen ist klar: Nicht nur für asiatische Käufer ist der Abschlag zu den entsprechenden Referenzsorten dabei deutlich gesunken.
So hat die Aramco erneut auch die Preise für den europäischen Raum (Mittelmeer und Nordwest Europa) deutlich gesenkt. Im Vergleich zu den Dezemberpreisen wurden die Abschläge zu Brent hier um -1,30 Dollar gesenkt. Von November auf Dezember hatte die Aramco die Preise für europäische Kunden zwar unverändert belassen, davor waren sie jedoch schon drei Monate in Folge zwischen -0,80 und-1,30 Dollar zurück gegangen.
Nicht unerwartet kam zudem eine erneute Preisanpassung für asiatische Kunden. Hier ist der Preis für die wichtigste Sorte Arab Light auf den niedrigsten Stand seit Januar 2021 gesunken, während Arab Medium sogar zum ersten Mal seit Ende 2020 mit einem Abschlag zur Referenzsorte Oman-Dubai Average angeboten wird. Die Preispolitik der Aramco zeigt damit klar, dass Saudi-Arabien – so wie die OPEC+ insgesamt – im ersten Quartal mit einer schwächeren Nachfrage rechnet. Diese ist saisonal nicht unüblich, wird allerdings diesmal durch die gleichzeitig erwartete Angebotsschwemme noch verschärft. Die Aramco-OSPs geben damit einen bearishen Impuls an den Markt.
OPEC Produktion im November erneut niedriger als geplant
Die Ölproduktion der OPEC ist im November leicht zurückgegangen, obwohl das Bündnis und seine Partner eigentlich eine Förderanhebung von 137.000 B/T vereinbart hatten. Grund für den Rückgang waren offenbar Ausfälle einzelner Mitgliedsländer. Die OPEC hat damit erneut den vereinbarten Zielwert verfehlt.
Gemäß einer Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters förderte die Organisation erdölexportierender Länder im vergangenen Monat 28,40 Mio. B/T und damit rund 30.000 B/T weniger als im Oktober. Die stärksten Rückgänge wurden dabei in Nigeria und im Irak verzeichnet. Während in dem afrikanischen Land ein Feuer an einer Produktions-Plattform zu Förderunterbrechungen führte, sorgten in der Golfrepublik Pipeline-Wartungen für Produktionsrückgänge.
Eigentlich hatten jene acht OPEC+ Länder, die in den letzten Jahren freiwillige mehr gekürzt hatten als nötig, für November eine Produktionssteigerung vereinbart. Die fünf OPEC-Mitglieder unter ihnen (Algerien, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und die VAE) sollten demnach ihre Produktion um 85.000 B/T erhöhen. Darin waren auch schon die Kompensationskürzungen von zusammen 140.000B/T für den Irak und die VAE enthalten. Laut der Reuters-Umfrage lag der tatsächliche Zuwachs aber lediglich bei 40.000 B/T.
Genauere Informationen über die Fördermengen der Gruppe wird spätestens der nächste OPEC Monatsreport liefern. Dieser wird aller Voraussicht nach am kommenden Donnerstag veröffentlicht.
Marktlage
Der Ölmarkt bleibt auch zum Ende der Woche in seinem Spannungsfeld aus widerstreitenden Faktoren und Unsicherheiten gefangen. Während die Anleger sowohl den schleppenden Friedensprozess in der Ukraine im Auge behalten, wägen sie auch Faktoren wie die erwartete Zinssenkung der Fed, die zunehmenden Spannungen in Venezuela oder auch die schon länger schwelenden Angebotssorgen ab.
In Sachen Friedensverhandlungen sollen heute weitere Gespräche mit ukrainischen Vertretern in Florida geführt werden, während Russlands Präsident Wladimir Putin gestern erklärte, einige Punkte des von den USA unterstützten Friedensplans seien für ihn inakzeptabel. Im Falle einer Einigung könnte es theoretisch zu einer Aufhebung der Sanktionen gegen Russland und damit zu höheren Ölexporten kommen, was die Preise im Angesicht des erwarteten Überangebots eher belasten würde.
„Mit dem Blick in die Zukunft gerichtet bleiben die Angebotsfaktoren im Mittelpunkt. Ein Friedensabkommen mit Russland würde mehr Öl auf den Marktbringen und die Preise vermutlich drücken“, erklärt Anh Pham, Senior Research Specialist bei LSEG. „Umgekehrt würde jede geopolitische Eskalation die Preise nach oben treiben. Die OPEC+ hat sich darauf verständigt, die Produktion am Anfang des nächsten Jahres konstant zu halten, was den Preisen ebenfalls etwas Unterstützung bietet“, so der Experte.
„Der bearishe Trend dürfte sich wahrscheinlich fortsetzen“, meint auch Zhou Mi, Analyst in der Forschungsabteilung des Brokerhaus Chaos Ternary Futures Co., da Rohöl sich grundsätzlich „in einem Zustand des Überangebots“ befinde. Die Gespräche über die Ukraine und die Rhetorik der USA gegenüber Venezuela sind aus seiner Sicht lediglich „Marktrauschen“.
Wie sich die Lage in Venezuela tatsächlich entwickeln wird bleibt abzuwarten, nachdem US-Präsident Trump erst vor wenigen Tagen mehr oder weniger deutlich mit der Entsendung von Bodentruppen zum Kampf gegen venezolanische Drogenkartells gedroht hatte. Sollte sich in dem südamerikanischen Land ein neuer Krisenherd eröffnen, könnte dies die Rohölförderung des OPEC-Mitglieds durchaus gefährden. Aktuell produziert das Land etwa 1,1 Mio. B/T, die überwiegend an den chinesischen Markt exportiert werden.
Aus fundamentaler Sicht fällt die Einschätzung heute wieder neutral aus, da sich bullishe Faktoren – wie etwa die zunehmenden geopolitischen Risiken – mit bearishen Faktoren – wie etwa den Aramco-Preissenkungen, die auf schwache Nachfrage hindeuten – die Waage halten.