
Venezuela: Weitere Ölquellen müssen abgeschaltet werden
Der Druck auf die venezolanische Ölindustrie bleibt vorerst hoch, da die USA ihre Blockade gegen Ölexporte weiter aufrechterhalten. Nun wurde bekannt, dass auf Grund mangelnder Lagerkapazitäten weitere Förderanlagen abgeschaltet werden mussten. Die PDVSA hat die Petrolera Sinovensa, ein Joint Venture mit der CNPC (China National Petroleum Corporation) aufgefordert einige Ölfelder still zu legen. Im Zuge dessen hat die Petrolera Sinovensa offenbar 10 Ölquellenabgeschaltet.
Die Chevron produziert unterdessen weiterhin Rohöl, da man offenbar noch einige freie Lagerkapazitäten besitzt. Zudem hat das Unternehmen eine Ausnahmegenehmigung und darf Rohöl in die USA exportieren. Andere Ölproduzenten, die diesen Vorteil nicht besitzen, versuchen unterdessen weiterhin Öltanker an der US-Blockade vorbei zuschleusen.
TankerTrackers.com gibt an, dass in den letzten Tagen wohl mindestens ein Dutzend Öltanker Venezuela verlassen und dabei ihre Transponder deaktiviert hätten. Selbst wenn dies erfolgreich ist, zeigt die gedrosselte Ölförderung, dass diese Vorgehensweise keine wirkliche Lösung für die venezolanischen Ölexporte ist.
Venezuela: Trump setzt Beratungen zur Produktionssteigerung an
Noch in dieser Woche will sich Trump mit Vertretern der US-Ölindustrie zusammensetzen und das weitere Vorgehen in Venezuela besprechen. Ganz klar wird der Fokus der Beratungen darauf liegen unter welchen Voraussetzungen, wie schnell und in welchen Umfang diese die Produktion und Exporte von venezolanischen Öl umsetzen können.
Das Land produzierte im vergangenen Jahr etwa 1,1 Mio. B/T an Rohöl, wobei internationale Sanktionen die Export- und damit auch die Förderpotenziale reduziert hatten. Bei einer Aufhebung dieser könnte das Angebot binnen 2 Jahren um etwa eine halbe Millionen Barrel pro Tag steigen, so der Tenor von Experten.
Ein Ölboom in dem Land bräuchte deutlich mehr Zeit und vor allem viele Milliarden Dollar an Investitionen. Bei der ANZ Bank schätzt man, dass es Jahre dauern würde, bevor man eine echte Wirkung sehe. „Es wäre schwer vor Ende des laufenden Jahrzehnts einen Effekt von erhöhten Investitionen in die Ölindustrie zu sehen“, heißt es.
Saudi-Arabien senkt erneut Ölpreise
Die Saudi Aramco hatte am späten Abend gestern ihre neuen Preise für Öllieferungen im Februar bekannt gegeben. Die Preismetrik ist dieses Mal so einfach wie auch eindeutig. Für Abnehmer in den USA wurden die Preise zwischen -0,30 und -0,40 Dollar gesenkt. Für Kunden aus Nordwesteuropa und dem Mittelmeer ist saudisches Öl im Februar für jede Sorte -0,40 Dollar günstiger, während Käufer in Asien zwischen -0,20 und -0,30 Dollar weniger als im Januar zahlen müssen.
Das ist die dritte Preissenkung in Folge und zeigt, dass das Unternehmen sich angesichts der erwarteten Überversorgung einem zunehmenden Druck um Marktanteile ausgesetzt sieht. Die Preispolitik der Saudis gilt immer als ein Indikator für die Markteinschätzung des Landes, sodass die neuen Abschläge bearish zu interpretieren sind.
Auch die Börsen im Mittleren Osten scheinen den Druck zu spüren. Der Abschlag der Rohölsorte Dubai zu Brent ist so groß geworden, wie seit August nicht mehr, während die Forward-Kurve für Dubai Swaps (Börsenstruktur) in eine bearishe Contango Konstellation gekippt ist. „Das Überangebot trifft den Mittleren Osten und quasi alle Indikatoren deuten auf einen schwächeren physischen Markt hin“, bewertet Analyst Warren Patterson von ING die Situation.
Marktlage
Die Welt schaut gespannt auf die Entwicklungen in Venezuela und der Ölmarkt auf die für ihn relevanten Auswirkungen. Doch kurzfristig wird sich wohl nicht viel ändern, da die USA die Blockade gegen Ölexporte aufrechterhalten.
Das Ölangebot aus Venezuela wird kurzfristig – bis zum Ende der Blockade – wohl nicht signifikant steigen. Größere Produktionsanhebungen werden ebenfalls kritisch gesehen, da dies enorme Investitionen benötigen würde und diese erst mit Jahren Verzögerung wirken. Mittelfristig sehen Experten lediglich das Potenzial von etwa 0,5 Mio. B/T extra, die dann das vorhandene Überangebot weiter erhöhen würden.
Aktuell haben die Trader an den Ölbörsen aber auch mit einem enormen Maß an Unsicherheit zu kämpfen, nachdem Trump erneut Kuba, Kolumbien und vor allem Grönland in den Fokus der US-Machtansprüche rückte. Entsprechend preist man eine neue Riskoprämie ein, sollten sich weitere Konfliktherde auftun. Auch eine Eskalation des Ukrainekrieges wird genannt, wenn in der Partnerschaft zwischen EU und USA im Streit um Grönland Risse entstehen.
Klar ist: bleiben neue Konflikte aus, dann wird ein erfolgreicher Politikwechsel in Venezuela das Ölangebot früher oder später erhöhen und damit auch das Überangebot am Weltmarkt weiter zementieren.
„Längerfristig dürfte der von der US-Regierung geäußerte Wunsch, die venezolanische Ölförderung zu erhöhen, dem Markt insgesamt einen bearishen Impuls geben. Wichtig ist, dass wir weiterhin davon ausgehen, dass die OPEC+ unter Führung Saudi-Arabiens auf einen signifikanten Anstieg der Lagerbestände mit einer Produktionskürzung reagieren wird, um mittelfristig den Brent Preis von 55-60 Dollar pro Barrel zu bewahren, was eine bullishe Überraschung bedeuten kann“, meinen beispielsweise die Citi-Analysten.
Der physische Markt bleibt damit überversorgt und wird in der Tendenz wohl auch weiter in diesem Zustand bleiben. Lediglich geopolitisch noch sehr diffuse Risiken wirken dem entgegen. Daher schätzen wir die Marktlage auch heute weiterhin leicht bearish ein, wenn gleich sich bei den Inlandspreisen rechnerische Aufwärtspotenziale zum Vortag abzeichnen.