OPEC+ Quotenanhebung verpufft - Preise fester zu Freitag

Die OPEC+ hat ihre Förderquoten für August um 188.000 Barrel pro Tag erhöht und setzt damit zum fünften Mal in Folge den schrittweisen Abbau der im Jahr 2023 beschlossenen Produktionskürzungen fort. Sollte die Allianz im September erneut eine vergleichbare Anhebung beschließen, wären die freiwilligen Zusatzkürzungen von sieben Mitgliedstaaten vollständig aufgehoben. Trotz dieser Strategie bleibt die unmittelbare Wirkung auf den Ölmarkt jedoch begrenzt, da viele OPEC+-Länder ihre Förderquoten derzeit nicht ausschöpfen können und die Produktions- sowie Exportkapazitäten im Nahen Osten das Vorkriegsniveau noch längst nicht wieder erreicht haben. Analysten bewerten die jüngste Entscheidung daher als weitgehend erwartet und weisen darauf hin, dass die offiziellen Förderquoten angesichts der tatsächlichen Produktionsmöglichkeiten derzeit nur eingeschränkte Aussagekraft besitzen. Gleichzeitig verschärfen politische Spannungen innerhalb der Organisation die Situation: Nach dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate zum 1. Mai aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Förderbegrenzungen äußerte auch der Irak Unzufriedenheit mit der aktuellen Förderpolitik und brachte einen möglichen Austritt ins Gespräch.

Die weltweite Ölversorgung verbessert sich zwar schrittweise, bleibt aber weiterhin unter dem Niveau vor den geopolitischen Konflikten. Nachdem die Förderung der OPEC+ im Mai deutlich zurückgegangen war, steigt sie inzwischen wieder an, wobei die OPEC-Produktion im Juni um rund 3,3 Millionen Barrel pro Tag zugenommen haben soll. Entscheidend für die Versorgung des Weltmarktes sind jedoch die Exportmengen aus dem Persischen Golf. Diese haben sich zwar erhöht, liegen mit knapp zehn Millionen Barrel pro Tag aber weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau von rund 18,4 Millionen Barrel täglich. Im weiteren Verlauf des Monats werden steigende Exporte erwartet, da zusätzliche Tanker die Region verlassen. Zusätzliche Impulse könnten aus Russland kommen, wo beschädigte Raffineriekapazitäten infolge von Drohnenangriffen dazu führen, dass mehr unverarbeitetes Rohöl exportiert werden muss.

An den internationalen Ölmärkten haben sich die Rohölpreise zuletzt nur leicht abgeschwächt, nachdem größere Gewinnmitnahmen bereits zuvor erfolgt waren und die Vereinbarung eines 60-tägigen Waffenstillstands zwischen den USA und Iran die Märkte beruhigt hatte. Mittel- und langfristig dürfte das globale Ölangebot weiter wachsen. Ob daraus tatsächlich eine Überversorgung entsteht, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Exporte durch die Straße von Hormus normalisieren und die Förderkapazitäten der Anrainerstaaten wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Der Markt beginnt bereits, eine künftig entspanntere Versorgungslage einzupreisen, was sich unter anderem in einer Contango-Struktur bei Brent-Rohöl zeigt. Diese Entwicklung basiert jedoch vor allem auf der Erwartung, dass sich Lieferketten stabilisieren und die angekündigten Produktionssteigerungen tatsächlich umgesetzt werden. Kurzfristig richtet sich die Aufmerksamkeit deshalb vor allem auf die Entwicklung der Exportmengen, die Nachfrage sowie die chinesischen Rohölimporte. Weitere Orientierung werden die bevorstehenden Monatsberichte von EIA, IEA und OPEC liefern.

Insgesamt bleibt die aktuelle Anhebung der OPEC+-Förderquoten kurzfristig ohne wesentlichen Einfluss auf den physischen Ölmarkt, da die tatsächliche Produktion und insbesondere die Exportkapazitäten weiterhin begrenzt sind. Während die kurzfristige Markteinschätzung deshalb neutral ausfällt, überwiegen mittel- bis langfristig eher bearishe Erwartungen, sofern sich das Angebot weiter erhöht und die Exportwege nachhaltig normalisieren. Gleichzeitig deuten die zuletzt gestiegenen Produkt-Futures auf kurzfristig leicht höhere Inlandspreise hin.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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