Tauziehen zwischen USA und Iran – Ölpreise fahren Achterbahn

„Mehr Wunsch als Realität“ – Iran relativiert Aussichten auf baldiges Abkommen

Zu Beginn der Woche hatte sich die geopolitische Lage im Persischen Golf zunächst deutlich entspannt. Die USA signalisierten überraschend die Bereitschaft zu einem Friedensabkommen mit dem Iran und setzten sogar ihr kurz zuvor gestartetes militärisches Eskortprogramm „Project Freedom“ in der Straße von Hormus wieder aus. Dadurch wurde die zuvor als angespannt eingeschätzte fundamentale Marktlage auf neutral zurückgestuft. Andere Faktoren wie sinkende US-Ölbestände laut API-Daten oder die Preissenkungen Saudi-Arabiens für Juni-Lieferungen spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Parallel dazu verschlechterte sich jedoch die charttechnische Lage deutlich. Die wichtigen Trendkanäle wurden nach unten durchbrochen, wodurch sich weiteres Abwärtspotenzial bei den Ölpreisen ergab. Als der Iran zusätzlich Gesprächsbereitschaft signalisierte und Medienberichte über ein nahezu fertiges „Memorandum of Understanding“ zwischen den USA und Iran erschienen, kam es zu massiven Gewinnmitnahmen an den Rohölbörsen ICE und NYMEX. Die Preise für Brent und WTI fielen zeitweise um fast acht Prozent und rutschten unter die Marke von 100 Dollar je Barrel. Besonders WTI notierte deutlich unter wichtigen Durchschnittslinien, während Brent diese zunächst nur testete.

Im weiteren Tagesverlauf änderte sich die Stimmung jedoch erneut. US-Präsident Donald Trump veröffentlichte neue Drohungen gegen den Iran für den Fall, dass dieser einer Vereinbarung nicht zustimmen sollte. Dadurch kippte die zuvor optimistische Einschätzung wieder in Richtung Eskalation. Die Ölpreise erholten sich teilweise und stiegen wieder über wichtige technische Unterstützungen. Trotz dieser Gegenbewegung schlossen Brent und WTI den Handelstag letztlich mit deutlichen Verlusten ab. Die DOE-Lagerdaten konnten den Markt nicht mehr nachhaltig stützen.

Anschließend relativierte der Iran die Hoffnungen auf eine schnelle diplomatische Lösung deutlich. Ein iranischer Parlamentssprecher bezeichnete den angeblich kurz vor der Unterzeichnung stehenden Entwurf eines Abkommens als bloße „amerikanische Wunschliste“ und machte klar, dass eine tatsächliche Einigung noch weit entfernt sei. Diese Aussagen verdeutlichten erneut, wie fragil die diplomatischen Fortschritte tatsächlich sind.

Die Marktteilnehmer bleiben deshalb vorsichtig. Zwar geben viele Anleger die Hoffnung auf Verhandlungen nicht auf, doch wird inzwischen deutlich, dass der Weg zu einer dauerhaften friedlichen Lösung erheblich schwieriger ist als zunächst angenommen. Nachhaltig fallende Ölpreise seien nach Einschätzung der Analysten erst dann realistisch, wenn konkrete diplomatische Fortschritte tatsächlich umgesetzt würden.

Mehrere Experten bewerten die aktuelle Marktlage als extrem unsicher und stark von politischen Schlagzeilen getrieben. Analystin Vandana Hari hält den jüngsten Preissturz für übertrieben optimistisch, da die entscheidende Frage weiterhin die Wiederöffnung der Straße von Hormus sei. Auch andere Marktbeobachter sehen den Konflikt weiterhin als ungelöst an und erwarten eher anhaltend hohe Ölpreise. Zwar könnten diplomatische Gespräche kurzfristig Stabilität schaffen, ein umfassendes Friedensabkommen erscheine jedoch unwahrscheinlich.

Zudem wird betont, dass selbst bei einem überraschenden Friedensschluss die globale Versorgungslage angespannt bleiben dürfte. Die Wiederaufnahme regulärer Öllieferungen aus dem Persischen Golf würde Zeit benötigen, während Raffinerien weiterhin auf Lagerbestände angewiesen wären, um die hohe Sommernachfrage zu decken.

Aufgrund der erneut gestiegenen Unsicherheit und der weiterhin knappen Angebotslage wurde die fundamentale Markteinschätzung schließlich wieder leicht bullish angehoben. Gleichzeitig dürften die Inlandspreise kurzfristig dennoch etwas nachgeben, da der starke Preisrutsch vom Mittwochvormittag noch nachwirkt.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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