
Trump sieht Rückgang des Ölpreises auf 50 Dollar bei seiner Venezuela-Strategie
US-Präsident Trump geht einem Bericht des Wall Street Journal davon aus, dass der Ölpreis auf 50 Dollar sinken könnte. Allerdings ist es dafür seiner Ansicht nach offenbar notwendig, dass die USA über die nächsten Jahre hinweg die Kontrolle über den venezolanischen Ölsektor übernimmt.
Im Rahmen seiner Venezuela-Strategie zieht Washington wohl unter anderem in Erwägung, in die Geschäfte des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns PDVSA einzugreifen. US-Vizepräsident JD Vance sagte diesbezüglich in der auf dem Sender Fox ausgestrahlten Sendung "Jesse Watters Primetime": "Wir kontrollieren die Energieressourcen [Venezuelas, Anm. d. Red.] und sagen dem Regime: ‚Ihr dürft das Öl verkaufen, solange ihr den nationalen Interessen Amerikas dient; ihr dürft es nicht verkaufen, wenn ihr den nationalen Interessen Amerikas nicht dienen könnt‘".
Der Energieminister der USA, Chris Wright, gab am gestrigen Mittwoch im Rahmen einer Konferenz in Miami (Florida) an, die Einnahmen aus den Verkäufen des venezolanischen Öls würden zunächst zur Stabilisierung der Wirtschaft des OPEC-Staats genutzt, bevor sie auch dazu dienen würden, Ölunternehmen wie Exxon Mobil und Conoco Phillips für die Verluste zu entschädigen, die zu Zeiten von Maduro-Vorgänger Hugo Chavez entstanden waren. Dieser hatte die Vermögenswerte der Ölkozerne in Venezuela zu Staatseigentum erklärt. Laut Wright soll zunächst Öl aus den Beständen Venezuelas veräußert werden, bevor dann - auf unbestimmte Zeit - neu gefördertes Öl verkauft werden soll.
Marktlage
Die Rohölpreise an ICE und NYMEX gaben am gestrigen Mittwoch nach, was daran lag, dass die Erwartungen eines Überangebots für das laufende Jahr weiterhin bestehen bleiben. Das Hauptaugenmerk lag auch zur Wochenmitte weiterhin auf Venezuela, sodass der stärker als erwartete und als vom API gemeldete Rückgang der landesweiten US-Rohölbestände nicht zum Tragen kam, zumal die Destillat- und Produktvorräte der USA massive Aufbauten gezeigt haben.
"Die Umleitung und Neuverteilung der venezolanischen Ölströme dürfte mittelfristig ein zentrales Thema sein", sagte Vandana Hari, Gründerin des in Singapur ansässigen Marktforschungsunternehmens Vanda Insights, gegenüber dem Fernsehsender Bloomberg Television. "Einer der am stärksten Betroffenen wird China sein", so die Expertin weiter. China war zuletzt einer der wichtigsten Abnehmer für venezolanisches Rohöl und hat sich dementsprechend bereits über das Vorgehen der USA echauffiert, zumal Washington Caracas nun auch noch dazu aufgerufen haben soll, seine Verbindungen mit Konkurrenten der USA zu lösen.
Längerfristig bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen in Venezuela auf die Versorgungslage auswirken werden. Zwar geht US-Präsident Trump Medienberichten zufolge davon aus, dass der Ölpreis durch eine Verbesserung der Ölinfrastruktur des OPEC-Staats auf 50 Dollar pro Barrel sinken könnte, dafür müsste es allerdings auch erst einmal zu einer solchen Verbesserung kommen.
Die Frage ist auch, wie die OPEC und ihre Partner auf einen potenziellen Anstieg der venezolanischen Ölproduktion reagieren würden. Die Allianz hat die Rückführung der freiwilligen Produktionskürzungen einiger OPEC+-Länder für das erste Quartal erst einmal ausgesetzt und dabei auf die saisonal schwächere Nachfrage verwiesen. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Je nachdem, wie schnell sich die Ölproduktion bzw. Ölindustrie Venezuelas von der jahrelangen Misswirtschaft erholt, die nicht erst unter Präsident Maduro begann, könnte auch die OPEC+ wieder in Zugzwang geraten.
Unterdessen wartet der Markt aktuell auch auf die nächste offizielle US-Arbeitsmarktstatistik, die am morgigen Freitag fällig ist. Der Bericht des Instituts ADP blieb gestern hinter den Erwartungen für Dezember zurück und auch der Bericht zu den offenen Stellen in den USA (JOLTs) im November enttäuschte gestern. Dies weckt einerseits Nachfragesorgen, andererseits aber auch die Hoffnung auf eine weitere Zinssenkung bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed.
Nach einem Start oberhalb der Vortagestiefs befinden sich die Ölfutures an ICE und NYMEX heute Morgen erst einmal auf Richtungssuche. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich im Vergleich zu den Erhebungspreisen von gestern bislang ebenfalls noch keine klare Richtung ab.