Zwei Wochen Feuerpause – Ölpreis fällt unter 100 Dollar

Zwei Wochen Feuerpause - Strasse von Hormus so lange offen
Geglaubt hatte es fast keiner mehr, doch nun scheint es doch geglückt: Iran und USA einigen sich auf eine effektive Waffenruhe für zwei Wochen. Auch Israel hat der Feuerpause zugestimmt und laut Teheran soll die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus für diesen Zeitraum gewährleistet werden. Ab Freitag sollen offizielle Verhandlungen starten.

Allerdings dürfte jedem klar sein, wie fragil diese Waffenruhe ist, auch wenn Donald Trump in ihr nach eigenen Worten schon einen „totalen und vollständigen Sieg“ für Washington sehen will. So hat etwa die israelische Regierung direkt klar gemacht, dass die zweiwöchige Waffenruhe nicht für den Libanon gelte, wo Israel zuletzt hart gegen die Hisbollah-Miliz vorging. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Verhandlungen unter pakistanischer Vermittlung ein tragfähiges Abkommen hervorbringen können. Erst dann dürften auch die Ölpreise wieder dauerhaft sinken.

Marktlage
Wo es gestern noch nach einer weiteren Eskalationsstufe aussah, ist heute ein kleines Wunder geglückt. USA und Iran haben sich auf eine erste 2-wöchige Waffenruhe geeinigt, während der auch die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr geöffnet werden soll. An den Ölbörsen sorgte das für einen heftigen Preisrutsch, der Brent und WTI wieder deutlich unter 100 Dollar beförderte.

Auch Israel habe der Feuerpause zugestimmt, erklärte ein Vertreter des Weißen Hauses. Iran hat inzwischen ebenfalls offiziell bestätigt, die sichere Passage durch die Straße von Hormus für die kommenden zwei Wochen gewährleisten zu wollen. Am Freitag soll es in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad Verhandlungen zwischen den beiden Ländern geben

„Der Markt hat zuletzt regelrecht nach positiven Nachrichten gedürstet“, meint Josh Gilbert, Analyst bei eToro. „Wir haben einen sofortigen Ausverkauf am Ölmarkt gesehen – ein Rückgang um 16% auf unter 100 Dollar, weil die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus nun eingepreist wird. Das zeigt deutlich, wie viel geopolitisches Risiko zuvor im Ölpreis steckte – und wie schnell sich dieses abbauen kann, sobald es glaubwürdige Signale für eine Deeskalation gibt.“

Andere Experten äußern sich zurückhaltender. „Es bräuchte schon außergewöhnliche Entwicklungen, damit die Preise wieder unter 80 Dollar pro Barrel fallen“, glaubt etwa Jason Schenker, Chefökonom von Prestige Economics. „Gleichzeitig könnte nahezu jede negative Wendung in den Gesprächen zur Waffenruhe die Preise rasch wieder über die Marke von 100 Dollar treiben.“

Auch physische Händler bleiben vorsichtig und warten auf klare Anzeichen für die Stabilität der Waffenruhe, bevor sie neue Lieferungen aus dem Golfraum in Betracht ziehen. Reeder betonen, dass zunächst Schiffe sicher die Region verlassen müssten, ehe neue Tanker entsandt werden. Derzeit sind mehr als 800 Schiffe infolge des Konflikts festgesetzt. Details zur von Teheran versprochenen sicheren Passage durch die Meerenge gibt es aktuell noch nicht.

Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia bleibt deshalb ebenfalls eher vorsichtig. Zwar hält er es für möglich, dass die Ölpreise noch weiter sinken, „sobald dem Markt zusätzliche Details zur Waffenruhe vorliegen“, doch für ihn ist der entscheidende Faktor, wie offensiv der Iran die eigenen Positionen im vorliegenden 10-Punkte-Plan verteidigen wird. Das könnte laut Dhar „weitere deutliche Preisrückgänge begrenzen.“

Insgesamt hat sich die Risikolage aber dennoch überraschend entspannt, obwohl der Weg zu einem echten Frieden noch ziemlich lang und steinig sein dürfte. Entsprechend stufen wir die fundamentale Ausgangslage heute zunächst als leicht bearish ein. Die Ölfutures haben entsprechend deutlich nachgegeben und auch beiden Inlandspreisen setzen sich heute klare Preisabschläge im Vergleich zu Dienstag durch.

 

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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