USA/Iran: Neue Angriffe in der Straße von Hormus
Zu Beginn der betrachteten Handelsphase hatten Hoffnungen auf ein mögliches Friedensabkommen im Nahen Osten zunächst zu deutlichen Preisrückgängen bei Rohöl geführt. Bereits am folgenden Tag überwog jedoch wieder die Skepsis gegenüber einer schnellen diplomatischen Lösung. Vor allem Zweifel an der tatsächlichen Umsetzbarkeit eines Abkommens sorgten dafür, dass die fundamentale Markteinschätzung erneut leicht bullish, also eher preistreibend, ausfiel. Aus charttechnischer Sicht ergaben sich dagegen keine klaren Trendsignale, da sich die Preise innerhalb einer neutralen Handelsspanne bewegten.
Im Tagesverlauf kam es zunächst überwiegend zu Gewinnmitnahmen, wobei die Tiefststände des Vortags nicht unterschritten wurden. Gleichzeitig entstanden widersprüchliche Signale aus Politik und Medien: Einerseits berichteten regionale Medien über Fortschritte zwischen Washington und Teheran in der Hormus-Frage, andererseits wuchs unter Marktteilnehmern die Skepsis gegenüber den optimistischen Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Warnungen von Experten über mögliche Angebotsengpässe selbst im Falle einer schnellen Friedenslösung fanden zunächst kaum Beachtung. Erst Meldungen darüber, dass die Vereinigten Arabischen Emirate wieder verstärkt Schiffe durch die Straße von Hormus leiten konnten, führten zu neuen Zweiwochentiefs bei den Ölpreisen. Am Abend drehte die Stimmung jedoch erneut, und die Preise machten ihre Tagesverluste innerhalb weniger Stunden weitgehend wett. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in steigenden Inlandspreisen wider. Insgesamt blieb der Handel durch starke Volatilität geprägt.
Im weiteren Verlauf verschärfte sich die geopolitische Lage erneut deutlich. Trotz bestehender Waffenruhe und laufender Friedensgespräche kam es in der Straße von Hormus zu neuen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran. Nach Angaben des US-Militärs griffen iranische Kräfte amerikanische Kriegsschiffe mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten an. Die USA reagierten mit Angriffen auf iranische Militäreinrichtungen. Während Teheran dies als klaren Bruch der Waffenruhe wertete, erklärte Washington, die Waffenruhe bestehe weiterhin. Donald Trump verband seine Forderung nach einer schnellen Friedensvereinbarung erneut mit massiven Drohungen gegen den Iran.
Diese Eskalation verringerte die Hoffnungen auf eine kurzfristige diplomatische Lösung erheblich. Zusätzlich verschärften israelische Angriffe im Libanon die Spannungen weiter. Die ohnehin fragile Waffenruhe erschien dadurch zunehmend gefährdet.
Für die Ölmärkte bleibt insbesondere die Situation in der Straße von Hormus entscheidend. Die Meerenge ist seit Beginn des Krieges faktisch blockiert, wodurch es zu erheblichen Einschränkungen der weltweiten Rohöllieferungen gekommen ist. Zahlreiche Förderanlagen mussten ihren Betrieb einstellen. Die Blockade wirkt dabei doppelt: Der Iran verhindert die allgemeine Durchfahrt, während die USA iranische Häfen abschotten.
Die Märkte bewegen sich deshalb weiterhin zwischen Hoffnung auf Diplomatie und Angst vor weiterer Eskalation. Analysten betonen, dass die geopolitische Risikoprämie zwar teilweise reduziert wurde, aber keineswegs verschwunden ist. Entsprechend bleibt die Volatilität hoch. Ein tatsächlicher Fortschritt bei den Friedensverhandlungen könnte die Ölpreise erneut deutlich sinken lassen, während ein offizielles Scheitern der Waffenruhe oder weitere militärische Eskalationen wahrscheinlich starke Preisanstiege auslösen würden.
Insgesamt bleibt die fundamentale Markteinschätzung aufgrund der erneuten Kampfhandlungen leicht bullish.