
Die Vereinigten Staaten haben ihre militärischen Maßnahmen gegen den Iran deutlich ausgeweitet und nach eigenen Angaben mehr als 80 militärische Ziele angegriffen. Die Angriffe richteten sich unter anderem gegen Luftverteidigungssysteme, militärische Infrastruktur sowie zahlreiche Schnellboote der Islamischen Revolutionsgarden und erfolgten als Reaktion auf die jüngsten iranischen Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Gleichzeitig verschärfte Washington den wirtschaftlichen Druck, indem es eine bisher geltende Sanktionsausnahme aufhob, die dem Iran den Verkauf von Öl ermöglicht hatte. Mit diesem Schritt entfällt ein wesentlicher Bestandteil der vorläufigen Vereinbarung zwischen beiden Staaten, die eine Wiederöffnung der Straße von Hormus und den Weg zu einem dauerhaften Friedensabkommen sichern sollte. Der Iran verurteilte sowohl die Militärschläge als auch die neuen Sanktionen als Verstöße gegen das Memorandum of Understanding und kündigte eine entschlossene militärische Antwort an. Zudem warnte Teheran vor einer weiteren Einmischung der USA in die Kontrolle der strategisch wichtigen Meerenge. Berichte über iranische Drohnenangriffe auf Bahrain sowie Raketen- und Drohnenbedrohungen gegen Kuwait verdeutlichen, dass sich der Konflikt zunehmend auf weitere Staaten der Region ausweitet. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters genehmigte Präsident Donald Trump die Angriffe während seines Aufenthalts beim NATO-Gipfel in der Türkei. Insgesamt gerät damit das erst am 17. Juni geschlossene Memorandum erheblich unter Druck und die laufenden Friedensverhandlungen, die innerhalb von 60 Tagen zu einem dauerhaften Abkommen führen sollen, sind ernsthaft gefährdet.
Die erneute Eskalation wirkt sich unmittelbar auf die internationalen Energiemärkte aus. Die Ölpreise stiegen bereits nach Bekanntwerden der US-Angriffe deutlich an und bleiben aufgrund der angespannten Sicherheitslage gestützt. Marktteilnehmer bewerten insbesondere die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus als entscheidenden Preistreiber, da über diese Meerenge vor dem Konflikt rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wurde. Analysten weisen darauf hin, dass die jüngsten Ereignisse die Anfälligkeit dieser zentralen Handelsroute erneut verdeutlichen und Erwartungen eines langfristigen Überangebots am Ölmarkt infrage stellen. Zusätzliche Preisimpulse könnten entstehen, wenn Händler ihre Positionen auf fallende Ölpreise auflösen oder der Schiffsverkehr dauerhaft deutlich unter dem Vorkriegsniveau bleibt. Der Iran verschärft die Lage zusätzlich, indem er Schiffe auf eine näher an der iranischen Küste verlaufende Route umleitet und Hoheitsrechte über Teile der Straße von Hormus beansprucht, während die USA auf einer uneingeschränkten internationalen Durchfahrt bestehen. Damit bleibt die Kontrolle über die Meerenge einer der zentralen Streitpunkte zwischen beiden Staaten. Die jüngsten Entwicklungen stellen zudem bisherige Prognosen eines deutlichen globalen Ölüberangebots infrage, da eine erneute Blockade der Straße von Hormus oder weitere Schäden an der Ölinfrastruktur der Golfstaaten erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Angebot hätten. Zwar gehen einige Marktbeobachter davon aus, dass der aktuelle Preisanstieg ohne weitere militärische Eskalationen nur vorübergehend sein könnte und sich die Finanzmärkte zunehmend an wiederkehrende Spannungen in der Region anpassen. Kurzfristig überwiegt jedoch eine bullishe Markteinschätzung, da sowohl die Friedensverhandlungen als auch die Erwartungen einer raschen Angebotserholung erheblich an Glaubwürdigkeit verloren haben. Entsprechend steigen die Inlandspreise gegenüber dem Vortag.