Neue Russland-Sanktionen der G7 geplant – Futures mit festem Wochenstart

China kauft mehr Rohöl
Zusammen mit der Außenhandelsbilanz Chinas hat das Land auch neue Zahlen zu seinen Rohölimporten veröffentlicht. Diese sind im November auf den höchsten Stand seit August 2023 geklettert und haben im Vergleich zum Oktober um +5,24%zugelegt.

Bereits letzte Woche zeigte sich, dass China der große Profiteur der westlichen Sanktionspolitik gegenüber Russland, Iran und Venezuela bleibt. Als Hauptabnehmer von Öl aus diesen Ländern profitiert Peking von deutlichen Preisabschlägen und macht sich dies weiterhin zu Nutze.

Im Zeitraum Januar bis November hatte China im laufenden Jahr damit auch +3,2 %mehr Rohöl als in 2024 importiert. Im November waren es alleine ca. 12,38 Mio. B/T, obwohl China nun eine Nachfrage schwache Saison bevorsteht. Das zeigt sichauch bei der Verarbeitung der staatlichen Raffinerien, die laut Oilchem imNovember etwa -5,72 % weniger Produkte hergestellt haben.

China kauft das Öl daher offenbar vor allem um die Lager aufzustocken, weil es das Öl aus Russland, Iran und Venezuela besonders günstig erhält. „Die Inlandsnachfrage ist saisonbedingt zurückgegangen, aber Sanktionen gegen Rohöllieferungen aus dem Iran und Russland haben zu erheblichen Preissenkungen bei den Rohstoffen geführt, was die Raffineriemargen erhöht und mehr Raffinerien dazu veranlasst hat,“ bereits jetzt Quoten für 2026 vorzuziehen und Rohöl zu bestellen, so Vortexa Analystin Emma Li.

Die größten Lieferanten im November waren Saudi Arabien mit 1,59 Mio. B/T, was eine Steigerung von +345.000 B/T im Vergleich zu Oktober darstellt. Der Iran lieferte etwa +233.000 B/T mehr als im Vormonat und kam so auf 1,59 Mio. B/T. Russland verschiffte etwa 1,19 Mio. B/T nach China und damit ca. +157.000 B/T mehr im Oktober, so zumindest die Zahlen des Datendienstleisters Kpler.

G7 plant alle russischen Ölexporte zu sanktionieren
Die Länder der G7 Gruppe diskutieren zusammen mit der EU eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen Russlands Öllieferungen per Schiff. Bisher gilt ein Preisdeckel den die russischen Lieferungen einhalten müssen, damit Schiffe mit westlichen Versicherungen ausgestattet und Zahlungen abgewickelt werden können.

Nun denkt man darüber nach diesen Preisdeckel abzuschaffen und durch ein generelles Verbot von Dienstleistungen für alle russischen Öllieferungen per Schiff zu ersetzen. Dies würde Moskau weiter dazu zwingen auf eine Schattenflotte zu setzen, mit der man die Sanktionen auch aktuell umgeht. Die Maßnahme könnte die Lieferungen russischen Öls weiter erschweren, wenn Russland nicht genügend Schiffe für seine Schattenflotte findet.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Kritik an dem Plan, der natürlich auch durchgesetzt werden muss. Im Oktober wurden 62 % der russischen Ölexporte mit der Schattenflotte abgewickelt und nur 38 % mit Tankern, die die aktuellen Vorgaben der G7 erfüllten. Bisher werden zu weniger Öltanker der Schattenflotte von den G7 Ländern und der EU tatsächlich auch festgesetzt, sodass diese Maßnahme wohl nur mit einer verstärkten Kontrolle funktionieren.

„Wir sehen [momentan] nicht genügend Abschreckungsmaßnahmen und Schiffsfestsetzungen. Solange Schiffe [der Schattenflotte] nicht festgesetzt werden, wird der Handel weitergehen“, so Isaac Levi, Analyst vom Centre for Research on Energy and Clean Air (CERA). Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Sanktionsverschärfung Anfang 2026 kommen könnte.

Fed vor Zinssenkung?
Am morgigen Dienstag beginnt die neue Sitzung des FOMC (Fed Open Market Committee). Bei diesem Treffen entscheiden die Notenbänker der USA über den neuen Leitzins, der dann im Anschluss an das Treffen am Mittwochabend verkündet wird.

Im Gespräch ist eine Zinssenkung um -0,25 %-Punkte um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Fed scheint zumindest etwas Spielraum für eine solche Maßnahme zu haben, denn die Kerninflationsrate ist im November zuletzt leicht gesunken. Mit 2,8 % lag diese aber dennoch über dem anvisierten Niveau von knapp über 2%, wenngleich dies kein fest von der Fed definiertes Ziel ist.

Nach 2,9 % im Oktober geht zumindest in die richtige Richtung. Aktuell preist der Markt eine 84 %-ige Chance für eine Zinssenkung um -0,25 %-Punkte ein. So kurz vor einem FOMC Meeting ist das nicht unbedingt ein extrem hoher Wert und der Markt rechnet insgesamt mit einem eher kontroversen Treffen.

Sollte es zu einer Zinssenkung kommen wäre es aber bullish für die Ölbörsen. Denn geringere Zinsniveaus sorgen für höhere Investitionen, einer höheren Geschäftsaktivität und damit auch für eine gesteigerte Ölnachfrage.

Marktlage
Der Ölmarkt steht vor einer schwachen Nachfragesaison, die erst mit dem Beginn des zweiten Quartals 2026 endet. Dann sorgt die Sommernachfrage wieder für einen Schub, weshalb sich die OPEC+ Gruppe zuletzt auch für eine Zurückhaltung bei weiteren Produktionssteigerungen ausgesprochen hat.

Saudi Arabien hat daher auch seine Preisniveaus weiter drastisch gesenkt und verteidigt seine Marktanteile. Profiteur bleibt China, dass seine Rohölimporte steigert und damit die Preise stützt – zumindest vorübergehend. Ein großer Teil der Lieferungen dürfte für Lagerbestände sein, sodass die Importe im kommenden Jahr wohl nachgeben werden, sowie die Ziellagerbestände erreicht sind oder die Weltmarktpreise zu stark anziehen.

Mittelfristig ist eine Überversorgung zu erwarten, die sich preislich zuletzt nicht wirklich in eine bearishe Tendenz ummünzen ließ. Angriffe der Ukraine auf russische Ölanlagen bleiben weiterhin stützend für die Notierungen. Nicht zuletzt deswegen bleiben die Friedensverhandlungen - mit den USA als Vermittler– entscheidend für die übergeordnete Entwicklung der Ölbörsen.

Eine Aufhebung oder Verschärfung der Russland-Sanktionen könne beim Ölangebot Veränderungen von 2 Mio. B/T ausmachen, so die Analysten der ANZ Bank. Vivek Dhar weißt aber darauf hin, dass man bei der ANZ davon ausgeht, dass sich letztendlich die „Befürchtungen eines Überangebots bewahrheiten werden, insbesondere da Russlands Öl- und Produktlieferungen Sanktionen schlussendlich umgehen werden, sodass sich die Futures 2026 schrittweise auf 60 Dollarzubewegen werden.“

Das ist zumindest keine gewagte Prognose, da der Brent Frontmonat aktuell bei 63,86 Dollar notiert und WTI sogar nur bei 60,21 Dollar steht. Der Februar wird bei WTI mit 59,91 Dollar sogar unter dem von Dhar genannten Niveau gehandelt.

Dennoch würden sich neue Sanktionen der G7 Länder wohl stützend auf die Preiseauswirken, insbesondere da in dem Zusammenhang wohl mit einer stärkeren Durchsetzung der Maßnahmen zu rechnen wäre. Zuletzt positive Konjunkturdaten aus China und USA, in Verbindung mit der Erwartung einer US-Zinssenkung, ergeben für uns zumindest kurzfristig ein leicht bullishes Bild, wenngleich die Gesamtbetrachtung mittelfristig eher einen bearishen Anstrich behält.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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