Iran-Risikoprämie bleibt erhöht – EU plant nächstes Russland-Sanktionspaket

EU legt Entwurf für 20. Sanktionspaket vor
Die Europäische Union könnte ihre Sanktionen gegen Russland schon bald auf Häfen in Georgien und Indonesien ausweiten, die russisches Öl abfertigen. Erstmals würden damit auch Häfen in Drittstaaten ins Visier genommen, wie aus einem am Montag vorgelegten Vorschlag der EU-Kommission hervorgeht.

Die Maßnahmen, die konkret den georgischen Hafen Kulevi sowie den indonesischen Hafen Karimun auf die Sanktionsliste setzen würden, wären Teil des 20. Sanktionspaketes der EU im Zusammenhang mit Russlands Krieg in der Ukraine. Das neue Paket wurde den EU-Mitgliedsstaaten gestern präsentiert und muss nun einstimmig verabschiedet werden.

Die Europäische Kommission arbeitet schon seit Wochen an dem jüngsten Sanktionspaket, das laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auch eine Abkehr von der Preisobergrenze der G7-Staaten vorsieht. An ihrer Stelle will die EU zurückkehren zu einem vollständigen Verbot maritimer Dienstleistungen, das insgesamt einfacher zu verfolgen und durchzusetzen sei.

Marktlage
Die Notierungen an ICE und NYMEX bleiben am Dienstag stabil, gestützt durch anhaltende Spannungen im Nahen Osten. Zuletzt hatte die Warnung der USA vor einer Durchfahrt der Straße von Hormus die Risikoprämie an den Ölbörsen erneut in die Höhe getrieben.

Rund ein Fünftel des weltweit benötigten Öls passiert die Meerenge zwischen Oman und Iran, was jede Eskalation in der Region zu einem erheblichen Risiko für die globale Ölversorgung macht. Iran exportiert gemeinsam mit den OPEC-Partnern Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Irak den Großteil seines Rohöls über diese Route, überwiegend nach Asien.

Die USA hatten ihre militärische Präsenz im Nahen Osten zuletzt deutlich verstärkt und Donald Trump hatte immer wieder mit möglichen Angriffen gedroht. Entsprechend erleichtert hatte man am Markt darauf reagiert, dass es am Freitag erste Gespräche zwischen Teheran und Washington gab, bei denen es vor allem um das Atomprogramm des Iran ging. Weitere Verhandlungen sollen folgen.

Klar ist aber auch, dass von einer Deeskalation in der Region noch lange nicht gesprochen werden kann – das hat die Warnung für die Straße von Hormus sehr deutlich gemacht. „Während die Gespräche im Oman vorsichtig optimistische Signale gesendet haben, hält die Unsicherheit über eine mögliche Eskalation, verschärfte Sanktionen oder Versorgungsstörungen in der Straße von Hormus eine moderate Risikoprämie aufrecht“, kommentiert Tony Sycamore von der IG.

„Sowohl Washington als auch Teheran scheinen die Gespräche in Oman positiv bewertet zu haben, was darauf hindeutet, dass weitere Gespräche stattfinden werden“, heißt es auch von den Analysten bei RBC Capital Markets. Sie weisen darauf hin, dass „die Angst vor höheren Ölpreisen letztendlich dazu führen könnte“, dass US-Präsident Donald Trump eine schnelle Verhandlungslösung anstrebt.

Unterdessen hat die EU im Rahmen ihres 20. Sanktionspaketes vorgeschlagen, ihre Sanktionen gegen Russland auf Häfen in Georgien und Indonesien auszuweiten. Sollte der Vorschlag angenommen werden, wäre es das erste Mal, dass die EU Häfen in Drittstaaten ins Visier nimmt. Die Sanktionen sollen die zentrale Einnahmequelle Moskaus treffen, um die Finanzierung des Krieges in der Ukraine zu erschweren.

Kurzfristig erwarten die Anleger heute Abend noch mögliche Richtungsimpulse durch den EIA-Monatsbericht oder die API-Bestandsdaten, die am Ende des Tages auf dem Programm stehen. Während ersterer vor allem auf die längerfristigen Prognosen zur Angebotsentwicklung abgeklopft werden dürfte, könnte der API-Bericht kurzfristige Hinweise auf die Vorratslage in den USA liefern.

Aus fundamentaler Sicht fällt die Einschätzung heute leicht bullish aus, nachdem die Warnungen für die Straße von Hormus die Risikoprämie wieder erhöht haben. Bei den Inlandspreisen lassen sich am Dienstagmorgen allerdings noch keine klaren Richtungsbewegungen festmachen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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