Rohöl nahe Vortageshochs - Trump-Äußerungen stützen

Trump will vielleicht zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten schicken 
Das Säbelrasseln zwischen den USA und dem Iran geht weiter - auch nach der Wiederaufnahme der Atomgespräche am vergangenen Freitag im Oman. Nachdem der Sprecher des iranischen Außenministeriums gestern noch angedeutet hatte, dass Teheran sein Atomprogramm für zivile Zwecke auch weiterhin nutzen wolle, gab US-Präsident Trump gegenüber Medien an, er ziehe die Stationierung eines weiteren Flugzeugträgers im Nahen Osten in Erwägung.

Im Januar hatte Washington die USS Abraham Lincoln und einige Begleitschiffe in die Region geschickt. Damit sollte unter anderem ein schnelles Agieren ermöglicht werden, sollte der Iran nach den jüngsten Unruhen im Land nicht, wie versprochen, auf Schauprozesse und Hinrichtungen der festgenommenen Demonstranten verzichten und - vor allem - wieder an den Verhandlungstisch mit den USA zurückkehren. Als zweiter Flugzeugträger kämen nun Experten zufolge die USS George Washington oder die USS George H.W. Bush in Frage. Beide Flugzeugträger bräuchten jedoch rund eine Woche um in den Nahen Osten zukommen.

In einem Interview mit dem israelischen Sender Channel 12 soll Trump nun gesagt haben: "Entweder wir schließen ein Abkommen, oder wir werden etwas sehr gravierendes machen müssen." Bereits vor den Gesprächen im Oman hatte der US-Präsident dem Iran noch einmal mit einem Angriff gedroht, der härter ausfallen würde als der im Juni, als sich die USA Israels Luftangriffen auf iranische Atomanlagen anschlossen hatten. 

Marktlage
Nachdem die Preise der beiden Rohölkontrakte am gestrigen Dienstag nur geringfügig nachgaben, setzten Brent und WTI heute Morgen bereits zu einem Anstieg an. Dabei geben immer noch die geopolitischen Risiken den nötigen Rückenwind.

Besonders die von US-Präsident Donald Trump am gestrigen Dienstag gegenüber israelischen Medien geäußerte Möglichkeit, einen weiteren Flugzeugträger in Richtung Iran zu schicken, ließ die Marktteilnehmer wieder aufhorchen. Das erneute Säbelrasseln verstärkt wieder die Befürchtungen, dass es doch noch zu einem US-Militärschlag gegen die Islamische Republik und/oder eine Blockade der Straße von Hormus durch den Iran kommen könnte. Beides könnte massive negative Auswirkungen auf das Ölangebot aus der Region haben.

"Der Ölpreis behält seine positive Tendenz aufgrund des anhaltenden, aber fragilen Konflikts in der Straße von Hormus bei", meinen auch die Analysten der LSEG in einem Bericht und führen aus: "Der anhaltende Sanktionsdruck, die angedrohten Zölle im Zusammenhang mit dem iranischen Handel und die verstärkte militärische Präsenz der USA in der Region stützen die Risikoprämie weiterhin.“

Die Energy Information Administration (EIA), sozusagen das Statistikbüro des US-Energieministeriums, geht in ihrem Dienstagabend veröffentlichten Monatsbericht allerdings bislang noch davon aus, dass der Markt 2026 und auch 2027 ein umfangreiches Überangebot aufweisen dürfte. Während die Behörde die Prognosen zur weltweiten Ölproduktion für die beiden Jahre teils deutlich nach oben korrigierte, senkte sie ihre Erwartungen für die weltweite Ölnachfrage im Vergleich zum Januar-Bericht leicht. In der Folge geht die EIA mittlerweile für das laufende Jahr von einem Angebotsüberschuss im Umfang von +3,06 Mio.B/T aus, was einer Aufwärtskorrektur von +0,22 Mio. B/T zur Prognose von Januar entspricht. 

Davon abgesehen korrigierte die EIA ihre Preisprognosen für Brent und WTI zwar um +1,82 Dollar bzw. +1,21 Dollar pro Barrel auf 57,69 Dollar bzw. 53,42 Dollar nach oben, für 2027 wurden die Prognosen jedoch um jeweils -1,02 Dollar pro Barrel auf 53,00 Dollar bzw. 49,34 Dollar gesenkt. Zumindest am Dienstagabend wurde der insgesamt bearishe Monatsbericht der EIA jedoch von den geopolitischen Risiken in den Hintergrund gedrängt.

Heute Nachmittag steht auch schon der aktuelle Monatsbericht der OPEC zur Veröffentlichung bei, die den Markt für gewöhnlich ausgeglichener einstuft, als EIA und IEA. Letztere wird ihren Februar-Monatsbericht morgen Vormittag herausgeben.

Noch vor dem OPEC-Monatsbericht könnten heute Nachmittag die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten für Januar die Preise an ICE und NYMEX beeinflussen. Die Statistik wäre ursprünglich schon am vergangenen Freitag fällig gewesen, wurde jedoch wegen der kurzen Unterbrechung eines Teils der US-Regierungsgeschäfte Ende Januar verschoben. Die Daten dienen den Marktteilnehmern einerseits als Orientierungspunkt für den möglichen weiteren Zinskurs der Fed, andererseits aber auch als Indikator für die Ölnachfrage an sich.

Wie sich die Ölnachfrage in den USA in der vergangenen Woche entwickelt hat, wird der Bericht des DOE heute um 16:30 Uhr zeigen. Die Bestandsschätzungen des API enthalten diesbezüglich keine konkreten Zahlen und da der Interessenverband für die vergangene Woche einen beträchtlichen Anstieg der Rohöl- und Benzinbestände bei gleichzeitig sinkenden Destillatbeständen meldete, ist es schwierig, daraus verlässliche Schlüsse auf die Nachfrageentwicklung zuziehen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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