
Trump kündigte zunächst weitere militärische Angriffe auf den Iran an und sorgte damit an den Ölmärkten für steigende Preise. Noch am selben Abend nahm er diese Ankündigung jedoch zurück und erklärte über sein soziales Netzwerk Truth Social, dass alle an den Verhandlungen beteiligten Parteien einem Abkommen zugestimmt hätten. Deshalb habe er die geplanten Angriffe und Bombardierungen abgesagt. Nach seinen Angaben sei die Vereinbarung sowohl in ihren Grundzügen als auch in den Details von allen Verhandlungspartnern gebilligt worden. Die bestehende Seeblockade solle jedoch bis zur offiziellen Unterzeichnung des Abkommens vollständig aufrechterhalten bleiben. Trump stellte zudem in Aussicht, dass die Unterzeichnung bereits am kommenden Wochenende in Europa erfolgen könnte, möglicherweise unter Beteiligung von Vizepräsident JD Vance.
Die iranische Seite zeichnete jedoch ein deutlich zurückhaltenderes Bild. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass Teheran bislang keinen endgültigen Vertragstext gebilligt habe. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, bestätigte zwar, dass große Teile des Abkommens bereits in einer weitgehend fertigen Fassung vorlägen, betonte jedoch, dass der Iran bei seinen zentralen Forderungen keine Zugeständnisse machen werde. Nach seinen Aussagen prüfen die zuständigen Entscheidungsgremien weiterhin wichtige Punkte des Entwurfs, weshalb noch keine endgültige Einigung erzielt worden sei.
Die Aussicht auf ein mögliches Abkommen beeinflusste die Ölmärkte unmittelbar. Der Brent-Rohölpreis fiel erstmals seit April wieder unter die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel. Ausschlaggebend dafür war insbesondere Trumps Entscheidung, die angekündigten Militärschläge auszusetzen. Die Marktteilnehmer verbinden mit einem Abkommen vor allem die Hoffnung auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus, die von der iranischen Militärführung nach erneuten US-Angriffen vollständig gesperrt worden war. Trump erklärte, die Meerenge könne unmittelbar nach der Unterzeichnung des Abkommens wieder geöffnet werden.
Die Bedeutung der Straße von Hormus für den Ölmarkt bleibt enorm, da vor Ausbruch des Konflikts täglich rund 21 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge transportiert wurden. Die Blockade hat die Ölversorgung aus der Golfregion erheblich beeinträchtigt. Zwar konnten die Exporte zuletzt teilweise gesteigert und alternative Transportrouten genutzt werden, dennoch liegen die Transportmengen laut Marktexperten weiterhin deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Deshalb beobachten die Märkte jede neue Entwicklung rund um die Verhandlungen besonders aufmerksam.
Da die Aussagen aus Washington und Teheran weiterhin voneinander abweichen, reagieren die Ölpreise stark auf neue Meldungen. Entsprechend bleiben deutliche Preisschwankungen möglich. Gleichzeitig wirken die hohen Ölpreise belastend auf die Lagerbestände. Der aktuelle Monatsbericht der OPEC zeigt, dass die Ölreserven der OECD-Staaten im April gegenüber dem Vormonat um 48 Millionen Barrel zurückgingen und damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lagen.
Die anhaltend hohen Energiepreise treiben zudem die Inflation an und erhöhen den Druck auf die Zentralbanken. Die Europäische Zentralbank reagierte darauf mit einer Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte. Auch wenn die US-Notenbank Fed ihre erste Zinserhöhung erst für später erwartet, wirken steigende Zinsen grundsätzlich dämpfend auf die Ölpreise, da sie die Finanzierungskosten für Unternehmen erhöhen und die wirtschaftliche Nachfrage bremsen können. Gleichzeitig könnten die weiterhin hohen Ölpreise den Verbrauch, insbesondere während der amerikanischen Sommerreisesaison, negativ beeinflussen.
Am Morgen nach Trumps Ankündigung notierten die Öl-Futures zunächst schwächer. Die weitere Preisentwicklung hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran tatsächlich zeitnah zu einem verbindlichen Abkommen führen oder ob sich die bestehenden Differenzen als schwerwiegender erweisen als von Trump dargestellt. Für den deutschen Heizölmarkt deuteten die aktuellen Entwicklungen zunächst auf spürbare Preisrückgänge hin.