
Brasiliens Ölproduktion erholt sich von November-Ausfällen
Im November hatten Produktionsunterbrechungen an einigen Offshore-Plattformen die Ölproduktion Brasiliens noch um rund 300.000 B/T sinken lassen, sodass das Land die Rekordproduktion von Oktober nicht erreichen konnte. Nun scheint sich die brasilianische Ölproduktion aber wieder zu erholen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf Daten der brasilianischen Behörde ANP.
Demnach sollen einige der Plattformen, an denen die Förderung vorübergehend auf Eis gelegt worden war, den Betrieb in den vergangenen Wochen wieder aufgenommen haben. Dadurch soll etwa ein Fünftel des Produktionsverlusts von November wiederhergestellt worden sein.
Der Ausfall von November, der unter anderem auch Förderplattformen am riesigen Ölfeld Buzios betraf, zeigt laut dem Ölmarktexperten Marcelo De Assis, wie schwankungsanfällig die Produktion Brasiliens ist, da an einigen sogenannten "Superplattformen" allein über 200.000 B/T gefördert werden können. Nichtsdestotrotz dürfte Brasiliens Ölförderung längerfristig weiterhin steigen. Das Land ist der größte Ölproduzent Latein-Amerikas. Laut dem aktuellen Monatsbericht der OPEC förderte das Land im Oktober 4,0 Mio. B/T an Rohöl.
Marktlage
Die Rohölpreise an ICE und NYMEX fielen am gestrigen Donnerstag zeitweise auf den niedrigsten Stand seit dem 21. Oktober. Obwohl die Beschlagnahme eines Öltankers vor der Küste Venezuelas durch US-Soldaten dafür sorgte, dass die geopolitischen Risiken nicht in Vergessenheit geraten, überwogen letztlich wieder die Bedenken hinsichtlich einer Überversorgung am Ölmarkt. So zeichnet sich auf Wochensicht auch ein Preisrückgang ab.
Daran dürften vermutlich auch die vom US-Finanzministerium verkündeten Sanktionen gegen drei Neffen von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro und sechs Öltanker nichts ändern. "Der Konflikt in Venezuela birgt zwar ein erhöhtes Risiko für die Öffentlichkeit, ändert aber nichts am Gesamtbild", erklärt Haris Khurshid, Analyst bei Karobaar Capital LP, der hinzufügt. "Solange Sanktionen nicht plötzlich die Handelsströme unterbrechen oder Schifffahrtswege lahmlegen, handelt es sich eher um Störfaktoren als um einen strukturellen Schock."
Unterdessen bleibt weiterhin abzuwarten, wie sich die Verhandlungen über einen Friedensplan für die Ukraine entwickeln. "Die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine werden auch nächste Woche und darüber hinaus im Mittelpunkt stehen“, so der Analyst Hiroyuki Kikukawa von Nissan Securities Investment, dem zufolge der WTI-Preis die Marke von 55 Dollar testen könnte, sollte tatsächlich eine Einigung erzielt werden.
Eine Einigung über einen Friedensplan könnte zahlreiche Sanktionen des Westens gegen Russlands Ölsektor aus der Gleichung nehmen, was die Sorgen bezüglich eines Überangebots befeuern würde. Die IEA geht in ihrem aktuellen Ölmarktbericht immer noch von einem beträchtlichen Überangebot von +3,8 Mio. B/T im kommenden Jahr aus und gab an, die weltweiten Ölbestände seien im Oktober auf ein Vier-Jahres-Hoch gestiegen.
Die OPEC schätzt die Nachfrage nach dem Rohöl aus der OPEC+ für 2026 derzeit auf 43,0 Mio. B/T, sodass der Markt ausgeglichen wäre, sollte die Allianz ihre Fördermengen auf dem Stand von November belassen. Zumindest im ersten Quartal 2026 wollen die acht Länder der Allianz, die ihre Fördermengen seit Anfang 2024 freiwillig stärker als nötig gedrosselt hatten, nicht weiter steigern. Wie es danach aussieht, ist allerdings schwer vorherzusehen.
Derweil könnte die Erholung der brasilianischen Produktion von einem Rücksetzer im November das weltweite Angebot steigen lassen, während unklar ist, wie der weitere Zinspfad der Fed im kommenden Jahr aussehen wird. Fed-Chef Powell hatte nach der jüngsten FOMC-Sitzung für das kommende Jahr gerade einmal eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt, sodass seitens der Fed im kommenden Jahr nur wenig Auftrieb für die Konjunktur und auch die Ölnachfrage der USA zu erwarten ist. Allerdings ist Powells Amtszeit auch bald zu Ende, sodass abzuwarten bleibt, ob sein Nachfolger die Dinge vielleicht anders sieht.
Heute Morgen starteten die Ölfutures zunächst einmal fester, was wohl auch daran liegt, dass Brent und WTI gestern zeitweise bereits unterhalb des unteren Bollinger Bands notierten, wo für gewöhnlich kaum noch technisches Abwärtspotenzial besteht. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich allerdings noch keine klare Richtung im Vergleich zu gestern ab.