Rohölkontrakte auf Kurs zu weiterem Wochenverlust

China will mehr Rohöl aus Saudi-Arabien
Im kommenden Monat dürfte China seine Importe an saudischem Rohöl auf ein Mehrjahreshoch schrauben. Aus Handelskreisen hieß es zuletzt, dass die staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco im März mindestens 53 Mio. Barrel seines Rohöls an Abnehmer aus der Volksrepublik liefern werde. Damit würde China laut einer Statistik der Nachrichtenagentur Reuters so viel saudisches Rohöl beziehen wie seit März 2023 nicht mehr.

Der erwartete Anstieg der saudischen Rohölexporte nach China folgt auf den erneuten Preisrückgang für die Rohölexporte mehrerer Rohölsorten der Saudi Aramco für Käufer aus Asien. Der Ölriese hatte Anfang des Monats bei der Veröffentlichung der Verkaufspreise für die im März geplanten Rohölexporte den vierten Monat in Folge eine Preissenkung für seine beliebteste Rohölsorte Saudi Arabian Light Crude für Abnehmer am asiatischen Markt verkündet.

In chinesischen Raffineriekreisen hatte man zuvor teilweise sogar mit einem noch stärkeren Preisrückgang gerechnet. Bei den Sorten Saudi Arabian Medium und Heavy Crude senkte Saudi Aramco die Preise für den Zielmarkt Asien ebenfalls erneut. Zu den chinesischen Unternehmen, die im März saudisches Rohöl beziehen, gehören angeblich PetroChina und Rongsheng Petrochemical. 

Marktlage
Die Rohölkontrakte an ICE und NYMEX steuern derzeit auf den zweiten Preisrückgang auf Wochensicht in Folge zu. Hauptgrund hierfür ist die Risikoprämie, die von den Marktteilnehmern zuletzt vor dem Hintergrund der Gespräche zwischen den USA und dem Iran weiter reduziert wurde. Im Verlauf der aktuellen Handelswoche riefen außerdem die EIA und die IEA mit ihren Monatsberichten das Thema Überversorgung wieder stärker in Erinnerung, wenn gleich es unter den Analysten und Marktteilnehmern mittlerweile einige Zweifler gibt, deren Ansicht nach der Markt nicht als überversorgt bezeichnet werden kann. 

Während immer noch offen ist, wann die nächste Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran stattfinden soll, gab US-Präsident Trump am gestrigen Donnerstag an, die Verhandlungen könnten etwa einen Monat dauern. Die Marktteilnehmer fassten dies als Hinweis auf, dass also zumindest in den kommenden Wochen kein US-Militärschlag gegen die Islamische Republik drohen dürfte und damit auch das Risiko von Ausfällen des Ölangebots aus der Region zunächst gering bleiben sollte.

Für weiteren Preisdruck sorgte vor allem am Donnerstagabend auch noch einmal die Aussicht auf einen erneuten teilweisen Shutdown der US-Regierung. Zu diesem könnte es kommen, sollten sich die Republikaner und Demokraten im US-Kongress vor dem Wochenende nicht noch auf den Haushalt für das US-Heimatschutzministerium einigen können. Am gestrigen Donnerstag hatte der Senat einen Gesetzesentwurf blockiert, der die Finanzierung des Ministeriums hätte gewährleisten können. Die Demokraten der Kammer fordern weiterhin Reformen zur stärkeren Kontrolle der Beamten der Einwanderungsbehörde ICE. Während die Aussicht auf einen erneuten Teilshutdown gestern zusammen mit dem weiteren Ausverkauf von Tech-Aktien an den Aktien- und Ölmarkten für stärkere Verluste sorgte, dürften die tatsächlichen Auswirkungen des Shutdowns auf die US-Wirtschaft und den Ölmarkt diesmal eher gering sein, da nur das Ministerium für Heimatschutz davon betroffen wäre. 

Stärkeren Einfluss könnten dagegen heute Nachmittag die US-Inflationszahlen haben. Sollten diese für Januar eine weiterhin hohe Preisteuerung zeigen, spräche dies dafür, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinsen noch länger als erhofft auf dem aktuellen Niveau belässt und mit einer weiteren Zinssenkung noch länger wartet. Dafür sprach zuletzt auch der stärker als prognostizierte Anstieg der Beschäftigung, der am Mittwoch für den vergangenen Monat gemeldet worden war, wobei die US-Regierung die Zahlen zur Beschäftigung für die beiden Vormonate deutlich nach unten korrigierte.

Davon abgesehen behalten die Marktteilnehmer weiterhin ein Auge auf den Entwicklungen in Venezuela sowie auf den Ukraine-Krieg. Bei letzterem hatten Drohnenangriffe der Ukraine in dieser Woche wieder den russischen Raffineriebetrieb beeinträchtigt. Die Ölfutures an ICE und NYMEX notieren heute Morgen zunächst einmal nahe den Vortagestiefs, sodass sich auch bei den Inlandspreisen rein rechnerisch weiterhin Potenzial für Abschläge im Vergleichzu gestern abzeichnet.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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