USA planen nun selbst Blockade der Straße von Hormus
Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Iran und USA stehen die Zeichennun wieder auf Eskalation. Präsident Donald Trump verkündete deshalb gestern, dass die US-Marine nun ihrerseits eine Blockade der Straße von Hormus durchsetzen werde, bei der ab heute Nachmittag alle iranische Häfen gesperrt würden.
„Die Blockade wird unparteiisch gegen Schiffe aller Nationen durchgesetzt, die iranische Häfen und Küstengebiete anlaufen oder verlassen, einschließlich aller iranischen Häfen am Arabischen Golf und am Golf von Oman“, erklärte das Zentralkommando der Vereinigten Staaten am Sonntag in einer Stellungnahme. Auch Teheran reagierte schon auf die Ankündigung und bezeichnete sie „lächerlich“.
Laut Donald Trump wolle man auch gegen die vom Iran zuletzt vorangetriebene Mautregelung vorgehen, die es Schiffen gegen Gebührt ermöglicht, die Meerenge zu passieren. Bei Truth Social postete der US-Präsident: „Ich habe die Marine angewiesen, jedes Schiff in internationalen Gewässern aufzuspüren und abzufangen, das eine Gebühr an den Iran gezahlt hat“. Niemand, der so eine "illegale Maut" gezahlt habe, werde auf hoher See eine sichere Durchfahrt erhalten.
Eigentlich gilt aktuell noch die seit Dienstag geltende Waffenruhe zwischen den beiden Kriegsparteien. Doch die jüngsten Drohungen Trumps dürften dieser wahrscheinlich ein frühzeitiges Ende setzen – zumal weitere Verhandlungen wohl nicht geplant sind. Die Ölpreise an ICE und NYMEX sind damit heute wieder über 100 Dollar gestiegen, denn nicht nur hat sich an den bisherigen Exportunterbrechungen nichts geändert, vielmehr dürften diese sich nun noch verschärfen, wenn auch der Iran selbst kein Öl mehr über seine Häfen ausführen kann.
Marktlage
Nach dem Scheitern der Verhandlungen am Wochenende eskaliert die Lage in der Straße von Hormus erneut und schickt die Ölpreise zum Start in die neue Woche wieder über 100 Dollar. Die USA planen nun ihrerseits eine Sperrung der Meerenge und wollen die iranischen Häfen entlang der Wasserstraße blockieren, um die iranischen Ölexporte zu unterbrechen.
„Der Markt ist nun weitgehend wieder in einem Zustand wie vor der Waffenruhe – mit dem Unterschied, dass die USA nun auch die verbleibenden, mit Iran verbundenen Ölströme von bis zu 2 Mio. B/T durch die Straße von Hormus blockieren werden“, fasst Saul Kavonic, Leiter der Energieforschung bei MST Marquee die Lage zusammen.
Aus Washington kommen unterdessen wie so oft widersprüchliche Kommentare. So sprach Donald Trump am Sonntag noch davon, dass Teheran sicher bald wieder neu verhandeln wolle und bezeichnete die abgebrochenen Gespräche vom Samstag als „sehr freundschaftlich“. Wenig später betonte er, dass es ihm egal sei, ob ein „verzweifelter“ Iran an den Verhandlungstisch zurückkehre. „Wenn sie nicht zurückkommen, ist das für mich in Ordnung“, so Trump.
Vor Journalisten versprach Donald Trump gestern, dass die geplante Maßnahme in der Straße von Hormus sehr wirksam sein werde, drohte dem Iran jedoch gleichzeitig auch wieder mit bitterer Vergeltung, sollte Teheran Widerstand leisten. „Das bringt ein enormes zusätzliches Risiko ins Spiel“, warnt Michael Ratney, ehemaliger US-Botschafter in Saudi-Arabien. Gerade hinsichtlich der Tanker mit Ziel China fragt sich der Experte: „Wird die US-Marine auch diese blockieren und damit eine neue Krise in den Beziehungen zwischen den USA und China auslösen?“
Iran hat auch im März Öl und Kondensate aus dem Persischen Golf exportiert, wobei China das wichtigste Zielland war. In welcher Größenordnung ist dabei nur extrem schwer zu sagen. Im Februar, also noch vor Kriegsbeginn, lagen die Ausfuhrmengen laut dem Datenanalyseunternehmen Vortexa bei etwa 2,1 Mio. B/T. Wahrscheinlich konnte dieses Volumen im März und April nicht mehr erreicht werden, doch insgesamt betrachtet war der Iran das einzige Land, das weiterhin Öl über die Straße von Hormus verschiffen konnte.
Nach wie vor ist es vor allem diese massive Exportunterbrechung im Persischen Golf, die effektiv etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs offline nimmt und damit den Energiemarkt massiv erschüttert hat. Mit dem amerikanischen Plan, die Lage nun militärisch zu eskalieren und auch die restlichen iranischen Exporte zu stoppen, dürfte sich diese Lage nun – anders als gehofft – sogar noch verschärfen.
Dabei spielt vor allem auch die Länge der Blockade eine entscheidenden Rolle. Je länger kein neues Öl nachkommt, desto prekärer wird die Versorgungslage am globalen Ölmarkt. Wenn nun auch noch die iranischen Mengen wegfallen und deren Abnehmer sich ebenfalls um Alternativen bemühen müssen, wird der Markt noch härter umkämpft sein. Raffinerien und Händler weltweit bemühen sich deshalb nun dringend um kurzfristige Rohöllieferungen, da sich das physische Angebot zunehmend verknappen wird.
Unter all diesen Voraussetzungen hat sich die fundamentale Einschätzung zum Wochenbeginn wieder deutlich ins Bullishe gewandelt. An eine diplomatische Lösung glaubt aktuell kaum jemand, statt dessen stehen die Zeichen im Nahen Osten auf neue Eskalation und weitere Verknappung des Angebots. Bei den Inlandspreisen ergibt sich damit heute Morgen erneut ein deutlicher Preissprung im Vergleich zu Freitag, der sich aus dem deutlichen Anstieg der Börsenkurse ergibt.