
Der ICE-Gasoil-Kontrakt für August schloss am Montag bei 1.082,25 US-Dollar je Tonne und legte gegenüber dem Vortag um 74,25 US-Dollar zu. Das Handelsvolumen entsprach mit rund 77.100 Kontrakten im Frontmonat dem Durchschnitt. Die Ölfutures starteten die Woche mit deutlichen Kursgewinnen, da sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran über das Wochenende weiter verschärften. Insbesondere Berichte über erneute Angriffe, iranische Vergeltungsmaßnahmen sowie eine erneute Sperrung der Straße von Hormus schürten Sorgen über mögliche Störungen der weltweiten Ölversorgung. Die von der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostizierte Aussicht auf ein künftiges Überangebot spielte deshalb zunächst kaum eine Rolle.
Auch aus charttechnischer Sicht zeigte sich der Markt zu Wochenbeginn freundlich. Die Kontrakte überwanden die Hochs vom Freitag, wobei Rohöl-Futures teilweise mit einer Kurslücke eröffneten. Nach einer zwischenzeitlichen Korrektur aufgrund überkaufter Marktsignale sorgten Meldungen über weitere Explosionen im Bereich der Straße von Hormus für erneuten Kaufdruck. Zwar belasteten ein eher bearisher OPEC-Monatsbericht und Meldungen über Absatzprobleme beim iranischen Ölgeschäft die Kurse am Nachmittag kurzfristig, am Abend setzte sich jedoch eine kräftige Aufwärtsbewegung durch. Ausschlaggebend waren Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach die USA die Seeblockade gegen den Iran wieder aufnehmen und künftig eine Sicherheitsgebühr für Handelsschiffe verlangen würden, die die Straße von Hormus passieren. Brent-Rohöl testete daraufhin die Marke von 85 US-Dollar je Barrel, während auch für die Inlandspreise weiteres Aufwärtspotenzial entstand.
Die geopolitische Lage verschärfte sich am Dienstag zusätzlich, nachdem die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten, zwei emiratische Supertanker seien in der Straße von Hormus von iranischen Raketen getroffen worden. Dabei kam ein Besatzungsmitglied ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Beide Schiffe gerieten in Brand und erlitten erhebliche Schäden. Die VAE verurteilten den Angriff und kündigten mögliche Gegenmaßnahmen an. Der Iran erklärte hingegen, seine Revolutionsgarde habe zwei Tanker außer Gefecht gesetzt, die Warnungen missachtet und mit abgeschalteten Navigationssystemen einen verminten Bereich durchfahren hätten. Ob es sich dabei um dieselben Schiffe handelte, blieb unklar.
Nachdem sich der Schiffsverkehr infolge einer früheren Annäherung zwischen Washington und Teheran zeitweise erholt hatte, kam er infolge der erneuten militärischen Eskalation nahezu vollständig zum Erliegen. Gleichzeitig gelang es den VAE, ihre Ölexporte verstärkt über alternative Routen abzuwickeln. Entsprechend stieg ihre Rohölproduktion im Juni laut OPEC-Schätzungen auf rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag.
Die Marktlage wird derzeit vor allem von geopolitischen Risiken bestimmt. Nachdem die Risikoprämien auf den Ölpreis Ende Juni vorübergehend verschwunden waren, kehrten sie mit der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran zurück. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Straße von Hormus, deren Bedeutung für den globalen Ölhandel erheblich ist. Die angekündigte dritte Welle amerikanischer Luftangriffe sowie die Wiederaufnahme der US-Seeblockade erhöhen die Unsicherheit zusätzlich. Gleichzeitig greift der Iran weiterhin Schiffe in der Meerenge an, wodurch die Sorge vor einer nachhaltigen Unterbrechung der Öltransporte wächst.
Marktbeobachter sehen den weiteren Verlauf der Ölpreise deshalb in erster Linie von der tatsächlichen Entwicklung des Tankerverkehrs abhängig. Eine länger anhaltende Behinderung oder Unterbrechung der Ölexporte durch die Straße von Hormus dürfte die Preise weiter steigen lassen. Bleiben die Lieferungen trotz der militärischen Spannungen weitgehend aufrechterhalten, könnten die derzeitigen geopolitischen Risikoaufschläge hingegen allmählich wieder zurückgehen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit richtet sich auf die von den USA angekündigte Sicherheitsgebühr von 20 Prozent für die Gewährleistung einer sicheren Passage durch die Straße von Hormus. Für einen vollständig beladenen Supertanker könnten dadurch Zusatzkosten in zweistelliger Millionenhöhe entstehen. Diese Maßnahme würde den internationalen Ölhandel erheblich verteuern und könnte die Transportkosten sowie die Ölpreise zusätzlich beeinflussen.
Neben den geopolitischen Entwicklungen beobachten die Marktteilnehmer auch die anstehenden Fundamentaldaten. Im Fokus stehen die wöchentlichen US-Ölbestandsdaten des API und des US-Energieministeriums sowie die US-Inflationszahlen für Juni. Eine höher als erwartete Inflation könnte die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank erhöhen, den US-Dollar stärken und dadurch die Ölpreise belasten. Trotz dieser Einflussfaktoren notierten die Ölkontrakte am Dienstagmorgen aufgrund der angespannten Lage im Nahen Osten oberhalb der Vortageshochs, sodass sich auch für die Inlandspreise weiterhin rechnerisches Aufwärtspotenzial ergibt.