Washington will Sanktions-Ausnahme für iranisches Öl auslaufen lassen
Im März hatte die US-Regierung aufgrund der durch die faktische Blockade der Straße von Hormus stark reduzierten Ölexporte aus einigen wichtigen Ländern am Persischen Golf zeitlich begrenzte Ausnahmen für die Sanktionen auf russische und wenig später auch iranische Öllieferungen gewährt. Nachdem die Ausnahmegenehmigung für das russische Öl bereits ausgelaufenist, soll auch die für das iranische Öl nicht verlängert werden.
"Die befristete Genehmigung für den Verkauf von bereits auf See festsitzenden iranischen Öls läuft in wenigen Tagen aus und wird nicht verlängert", teilte das US-Finanzministerium am gestrigen Dienstag in einem Post auf X mit. Die Ausnahmegenehmigung für Öl- und Petrochemieprodukte aus dem Iran, die bereits auf Tankern verladen waren, verliert am Sonntag ihre Gültigkeit.
Indem man sie einfach auslaufen lässt, will man den Druck auf den Iran noch verstärken, nachdem die jüngsten Gespräche zwischen den USA und Iran in Islamabad gescheitert waren. Anfang der Woche begannen die Vereinigten Staaten daher auch mit einer Seeblockade gegen den Iran, mit der verhindert werden soll, dass die Islamische Republik sein Öl weiter exportieren kann, während sie die Schifffahrt für internationale Handelsschiffe in der Straße von Hormus blockiert. Dieser Druck könnte dem Post des US-Finanzministeriums zufolge durch weitere Maßnahmen wie beispielsweise Sekundärsanktionen gegen ausländische Finanzinstitute, die die Aktivitäten des Irans weiterhin unterstützen, auch noch gesteigert werden.
Marktlage
Die Aussicht auf eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen dem Iran und den USA hat dem US-Rohölkontrakt WTI am gestrigen Dienstag mit 91,28 Dollar den niedrigsten Settlementpreis seit dem 25. März beschert. Brent war zum Settlement mit 94,79 Dollar immerhin so günstig wie seit vergangenem Mittwoch nicht mehr.
Laut einer Meldung der Tageszeitung New York Post sagte US-Präsident Trump, die Verhandlungen könnten bereits "im Verlauf der nächsten zwei Tage" wiederaufgenommen werden. Dann könnte sich zeigen, ob der Druck, den Washington zuletzt mit der Seeblockade gegen den Iran aufgebaut hat, auf die iranische Führung gewirkt hat. Die Tatsache, dass die US-Regierung eine vorübergehende Ausnahmeregelung für die Sanktionen gegen iranisches Öl am Sonntag auslaufen lassen will, dürfte in Teheran weitere Sorgen aufkommen lassen.
Die Marktteilnehmer blicken unterdessen weiter auf die Straße von Hormus, wo mittlerweile jeder jeden zu blockieren scheint. Der Kommandeur des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, kommentierte die US-Blockade der wichtigen Meerenge für iranische Schiffe in einem Post auf X mit den Worten: "Die US-Streitkräfte haben den Seehandel nach und aus dem Iran vollständig zum Erliegen gebracht.“
Am Markt bleiben die Angebotssorgen derweil erst einmal bestehen. "Obwohl diplomatische Schlagzeilen die Möglichkeit erneuter Gespräche zwischen den USA und dem Iran und sogar eine vorübergehende Lockerung der Transitbeschränkungen nahelegen, bleibt die physische Realität fragmentiert", heißt es in einer Mitteilung der Schork Group. "Das Ergebnis ist ein Markt, der weiterhin die Optionen im Zusammenhang mit Unterbrechungen des Warenverkehrs einpreist, anstatt eine Rückkehr zum [Markt-]Gleichgewicht zu erwarten", so die Analysten des Beratungsunternehmens weiter.
Die IEA hatte in ihrem gestern veröffentlichten Monatsbericht ebenfalls auf die starke Unsicherheit hingewiesen, die der Iran-Krieg immer noch generiert und gleich Prognosen für mehrere Szenarien abgegeben. Bereits im optimistischen Szenario, bei dem die Straße von Hormus bald wieder geöffnet ist, geht die Behörde für 2026 allerdings von einem leichten Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um -0,08 Mio. B/T aus.
Wie sich die Ölnachfrage in den USA in der vergangenen Woche entwickelt hat, wird der Wochenbericht des DOE zeigen, der heute um 16:30 Uhr fällig ist. Ob das DOE den starken Anstieg der landesweiten Rohölvorräte bestätigen wird, bleibt abzuwarten. Allerdings dürften die US-Bestandsdaten wie schon in den vergangenen Wochen von den geopolitischen Meldungen in den Hintergrund gedrängt werden.