Ölpreise fallen mit Einigung zwischen USA und Iran

Nach wochenlangen und schwierigen Verhandlungen haben sich die USA und der Iran auf ein vorläufiges Abkommen zur Beendigung des Krieges verständigt. Alle beteiligten Seiten bestätigten die Einigung, deren Absichtserklärung am Freitag in der Schweiz offiziell unterzeichnet werden soll. US-Präsident Donald Trump verkündete den Abschluss des Abkommens über soziale Medien, während auch der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif, dessen Land als Vermittler auftrat, die Einigung bestätigte. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran erklärte zudem das Ende aller militärischen Operationen an sämtlichen Fronten, einschließlich des Libanon.

Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist die schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel. Aufgrund notwendiger Minenräumungen wird die vollständige Freigabe der Meerenge jedoch erst nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens erwartet. Anschließend sollen die Öllieferungen wieder uneingeschränkt aufgenommen werden. Über die genauen Inhalte des vorläufigen Abkommens ist bislang wenig bekannt. Als gesichert gilt jedoch die Vereinbarung einer 60-tägigen Waffenstillstandsphase, während der beide Staaten über ein umfassenderes Friedensabkommen verhandeln sollen. Dabei wird insbesondere das iranische Atomprogramm im Mittelpunkt stehen, das neben der Kontrolle über die Straße von Hormus als einer der wichtigsten Konfliktpunkte gilt.

Die Finanz- und Rohstoffmärkte reagierten zunächst mit deutlicher Erleichterung auf die überraschende Einigung. Die Ölpreise für Brent und WTI fielen auf den niedrigsten Stand seit mehreren Monaten, da Marktteilnehmer zunehmend mit einer Normalisierung der Ölversorgung rechnen. Gleichzeitig bleiben Händler und Analysten vorsichtig, da bislang wesentliche Details des Abkommens fehlen und weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der tatsächlichen Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs bestehen. Experten weisen darauf hin, dass selbst nach der Öffnung der Meerenge noch Risiken durch verbliebene Minen, hohe Versicherungsprämien und mögliche politische Einschränkungen bestehen könnten.

Zusätzlich erschweren technische, geologische und infrastrukturelle Probleme in den Förderregionen eine schnelle Rückkehr zur bisherigen Produktionsleistung. Produzenten hatten bereits zuvor gewarnt, dass die vollständige Wiederherstellung der Fördermengen mehrere Monate in Anspruch nehmen könnte. Dennoch bewerten Marktbeobachter die Entwicklung insgesamt positiv. Die zuvor eingepreiste geopolitische Risikoprämie wird bereits deutlich reduziert, da die Aussicht auf wieder steigende Öllieferungen die Versorgungslage entspannt. Experten gehen davon aus, dass bereits eine Wiederaufnahme der Transporte auf 60 bis 70 Prozent des Vorkriegsniveaus ausreichen könnte, um den Ölmarkt erneut in eine Phase der Überversorgung zu führen.

Insgesamt beurteilen Marktanalysten die aktuelle Situation daher als preisdrückend für den Ölmarkt. Mit dem diplomatischen Durchbruch scheint die größte Unsicherheit zunächst beseitigt, weshalb sowohl international als auch im Inland mit weiteren Preisrückgängen bei Öl und Treibstoffen gerechnet wird.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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