Ölpreise unter Druck: Geopolitische Risiken bleiben hoch

Geopolitik erhöht den Druck auf die Energiemärkte

Die geopolitischen Spannungen rund um Russland, Iran und den Nahen Osten halten die Ölmärkte in Bewegung. Gleichzeitig sorgen mögliche Angebotsausfälle und Risiken für wichtige Transportwege für eine weiterhin angespannte Marktlage.

Die USA haben neue Sanktionen gegen die russische VTB Bank verhängt. Washington wirft dem Institut vor, dem Iran bei der Umgehung bestehender Sanktionen geholfen und den Transfer iranischer Vermögenswerte unterstützt zu haben. Die VTB Bank war bereits 2022 im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine sanktioniert worden. Die aktuelle Maßnahme ist Teil der US-Strategie „Operation Economic Outcast“, mit der Washington den wirtschaftlichen Druck auf den Iran weiter erhöhen will.

Ölpreise bleiben fest

Der Rohölmarkt reagiert weiterhin sensibel auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Die Ölpreise konnten am Montag erneut zulegen, gaben ihre Tageshochs im weiteren Handelsverlauf jedoch teilweise wieder ab. Auch heute starten die Kontrakte an ICE und NYMEX fester.

Im Mittelpunkt steht dabei die Versorgungssicherheit. Saudi-Arabien hat seine Ost-West-Pipeline nach den Angriffen vom Freitag vorübergehend außer Betrieb genommen. Die Pipeline ist eine wichtige alternative Exportroute, da sie Öl unter Umgehung der Straße von Hormus zum Rotmeer-Hafen Yanbu transportieren kann. Zuletzt wurden über diese Route rund 4 Mio. Barrel pro Tag bewegt. Wann die Pipeline wieder vollständig in Betrieb gehen kann, bleibt allerdings offen. Während regionale Quellen mit einer längeren Unterbrechung rechnen, stellt die US-Regierung eine schnellere Wiederaufnahme in Aussicht.

Für den Markt bedeutet diese Unsicherheit vor allem eines: Solange die tatsächliche Verfügbarkeit von Transportkapazitäten und Ölmengen nicht geklärt ist, dürfte der Preis ein erhöhtes Risikopotenzial aufweisen.

Straße von Hormus bleibt kritischer Faktor

Zusätzliche Risiken entstehen durch die weiterhin angespannte Situation in der Straße von Hormus. Die für den internationalen Öltransport entscheidende Meerenge bleibt für die Schifffahrt ein Unsicherheitsfaktor. Meldungen über einen möglichen Minentreffer auf einen Tanker wurden zwar von den US-Streitkräften zurückgewiesen, gleichzeitig berichtete CENTCOM von einem erneuten Angriff auf den Tanker „El Gaia“.

Auch geplante Gespräche zwischen mehreren Golfstaaten und dem Iran über eine vorläufige Regelung des Schiffsverkehrs wurden offenbar verschoben. Damit bleibt offen, ob kurzfristig eine Entspannung für die Schifffahrt erreicht werden kann.

Parallel dazu haben die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen erneut Ziele in Saudi-Arabien mit Raketen und Drohnen angegriffen. Die Angriffe auf militärische und nach Angaben der saudischen Militärkoalition auch zivile Ziele unterstreichen das weiterhin hohe regionale Eskalationsrisiko.

Kaum Signale für eine nachhaltige Entspannung

Auch politisch zeichnet sich derzeit keine schnelle Lösung ab. Zwar gibt es Aussagen über ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran, gleichzeitig weist Teheran Verhandlungen zurück, solange bestimmte iranische Bedingungen nicht erfüllt sind.

Ähnlich uneinheitlich ist die Lage beim Vorschlag für einen Stopp von Angriffen auf Energieinfrastrukturen im Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Die ukrainische Regierung betont, dass eine entsprechende Vereinbarung noch nicht endgültig geschlossen sei und an Sicherheitsgarantien geknüpft werden müsse.

Damit bleibt der Ölmarkt zwischen zwei Kräften gefangen: Einerseits sprechen die konkreten Risiken für Förderung, Infrastruktur und Transport weiterhin für ein knappes Angebot. Andererseits könnten politische Signale in Richtung Deeskalation den Preisanstieg begrenzen.

Rebecca Babin, Senior Energy Trader bei CIBC Private Wealth Group, bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: Entscheidend seien letztlich weniger politische Aussagen als die tatsächlichen Fördermengen und der Zustand der Infrastruktur.

Fed-Entscheidung als zusätzlicher Marktfaktor

Am Mittwoch richtet sich der Blick zudem auf die US-Notenbank. Der Markt erwartet aktuell eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Ein höheres Zinsniveau könnte den Ölmarkt grundsätzlich belasten, da es die Konjunktur und damit die Nachfrage nach Rohöl bremsen kann.

Sollte die Fed darüber hinaus weitere Zinserhöhungen vor dem Jahresende in Aussicht stellen, könnte der Druck auf die Ölfutures zunehmen. Die geopolitischen Risiken bleiben jedoch der dominierende Einflussfaktor.

Ausblick für unsere Kunden

Unsere fundamentale Einschätzung bleibt bullish. Die konkreten Risiken für Angebot, Infrastruktur und Transportwege wiegen derzeit schwerer als mögliche politische Entspannungssignale.

An den internationalen Ölbörsen zeigen die Kontrakte heute Morgen erneut nach oben. Gleichzeitig zeichnet sich bei den Inlandspreisen aktuell noch keine eindeutige Richtung ab. Nach den Bewegungen an den internationalen Märkten sind jedoch wieder deutliche Aufschläge gegenüber Freitag möglich.

Für unsere Kunden bedeutet die aktuelle Situation: Der Markt bleibt volatil und reagiert besonders sensibel auf Nachrichten rund um die Straße von Hormus, die saudische Infrastruktur, mögliche Angebotsausfälle und die weitere Entwicklung der Konflikte in der Region. Eine kurzfristige Entspannung könnte die Preise zwar wieder unter Druck setzen – solange die physischen Versorgungsrisiken jedoch bestehen bleiben, bleibt das Aufwärtspotenzial aus unserer Sicht erhöht.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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