
Ukraine-Gespräche: USA stellen Sicherheitsgarantien in Aussicht
Es scheint tatsächlich voran zu gehen bei den Verhandlungen um einen Frieden in der Ukraine. Die Shuttle-Diplomatie ist in vollem Gange und so wurden gestern Gespräche in Berlin zwischen der Ukraine, den USA und der EU fortgesetzt. Präsident Selenskyj bezeichnete sie als „nicht einfach, aber produktiv“, Bundeskanzler Merz begrüßte vor allem das Entgegenkommen der USA ins Sachen Sicherheitsgarantien.
Denn eines hatte sich schon Sonntagabend herauskristallisiert: Die Ukraine wären bereit, auf ihren erhofften Nato-Beitritt zu verzichten, wenn es im Gegenzug klare Sicherheitsgarantien vom Westen gäbe. Und diese scheinen nun konkreter denn je auf dem Tisch zu liegen. Kanzler Merz sagte am Abend: „Was die USA hier in Berlin an rechtlichen und an materiellen Garantien auf den Tisch gelegt haben, ist wirklich beachtlich. Das ist ein ganz wichtiger Fortschritt, den ich sehr begrüße“.
Auch von anderen EU-Vertretern kamen hoffnungsvolle Einschätzungen, so etwa vom polnischen Ministerpräsident Donald Tusk, der meinte, er habe erstmals aus dem Mund amerikanischer Unterhändler gehört, „dass Amerika sich an Sicherheitsgarantien für die Ukraine beteiligen würde, die bei den Russen keinen Zweifel daran ließe, dass die amerikanische Antwort militärisch wäre, sollte Russland die Ukraine erneut angreifen“. Auch der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson erklärte, die Frage der Sicherheitsgarantien sei „klarer und glaubwürdiger“ geworden, was er als wichtigen Schritt hin zu einem dauerhaften Frieden bezeichnete.
Kristersson fügte aber auch an, dass weiterhin wichtige Fragen offen bleiben, „nicht zuletzt die nach den Territorien und danach, ob Russland überhaupt Frieden will“. Von russischer Seite gibt es bisher kein offizielles Statement. An den Gesprächen in Berlin war Moskau nicht beteiligt. Zumindest am Ölmarkt scheint man aber offenbar guter Hoffnung, dass der jüngste Sanktionsdruck und die durchaus erfolgreiche Drohnenstrategie der Ukraine den Kreml etwas kompromissbereiter gemacht haben als zuletzt.
Marktlage
Die Ölpreise haben ihre Verluste ausgeweitet und sind auf den niedrigsten Stand seit Mitte Oktober gefallen. Die Marktteilnehmer bewerteten dabei die Aussichten auf eine mögliche Waffenruhe in der Ukraine, die den Weg für eine Lockerung der Beschränkungen russischer Ölexporte in einen bereits gutversorgten Markt ebnen könnte.
Für Zuversicht im Ukraine-Konflikt sorgt aktuell, dass die USA der Ukraine Sicherheitsgarantien nach NATO-Vorbild in Aussicht gestellt haben. Damit wächst die Hoffnung, dass ein Durchbruch bei den Verhandlungen möglich ist.
„Der Ölpreis geriet unter Druck, da der Markt Anzeichen von Optimismus hinsichtlich eines möglichen Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine einpreiste“, heißt es deshalb von der ANZ. Dies habe Sorgen verstärkt, dass die jüngsten US-Sanktionen gegen russische Ölunternehmen letztlich aufgehoben werden könnten und damit zusätzliches Angebot auf den ohnehin gutversorgten Markt käme.
Der ukrainische Sicherheitsberater Rustem Umerow sprach nach den gestrigen Gesprächen in Berlin von „echten Fortschritten“. Ob die neue Initiative der USA jedoch ausreicht, um die Hindernisse früherer Verhandlungsrunden zu überwinden, bleibt offen. Russlands Präsident Wladimir Putin wollte bislang nicht von seinen territorialen Forderungen abweichen und schien dabei auch kaum kompromissbereit.
Robert Rennie, Leiter der Rohstoffforschung bei der Westpac Banking Corp., hat deshalb auch berechtigte Zweifel: „Wir sind nicht überzeugt, dass wir einem tatsächlichen Friedensabkommen nun deutlich näher sind, auch wenn es sich in den vergangenen Tagen so anfühlt“. Der Experte erwartet den Brent-Preis weiterhin in einer volatilen Spanne von 60 bis 65 Dollar je Barrel.
Unabhängig davon steuert der Ölmarkt auf ein Jahresminus zu. Gründe sind die Erwartungen eines wachsenden globalen Überangebots, da die OPEC+ stillgelegte Förderkapazitäten wieder hochfährt und auch andere Produzenten ihre Förderung ausweiten. Ein Ende des Ukraine-Krieges könnte zudem dazu führen, dass Sanktionen gegen Russland gelockert werden und somit wieder mehr russisches Öl zur Verfügung steht.
Zusätzlichen Abwärtsdruck liefern zum Wochenanfang schwache Konjunkturdaten aus China, dem weltweit größten Ölimporteur. Offizielle Zahlen vom Montag zeigten, dass die Industrieproduktion auf ein 15-Monats-Tief gefallen ist und das Wachstum der Einzelhandelsumsätze den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren erreicht hat. Dies schürte Sorgen über die Stärke der globalen Ölnachfrage im Jahr 2026.
Gedämpfte Nachfragesignale aus China sowie anhaltende Handels- und Industriebelastungen in anderen Teilen Asiens verstärken den makroökonomischen Gegenwind, durch den die Ölpreise seit Monaten unter Druck stehen. Vorerst dürften sich die Händler daher zurückhalten, auf steigende Preise zu setzen – zumindest solange keine klare Verbesserung der Nachfrage oder eine größere Angebotsstörung zu erkennen ist.