
Der ICE-Gasoil-August-Kontrakt schloss am Dienstag bei 1.133,75 US-Dollar je Tonne und verzeichnete damit einen Anstieg von 51,50 US-Dollar gegenüber dem Vortag. Gleichzeitig lagen die Handelsumsätze deutlich über dem Durchschnitt. Trotz der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran entwickelten sich die Ölbörsen jedoch nicht so stark wie erwartet. Zwar sorgten die militärischen Auseinandersetzungen und neue US-Sanktionen gegen iranische Personen, Unternehmen und Schiffe zunächst für eine bullishe Grundstimmung, doch die Marktteilnehmer reagierten insgesamt zurückhaltend. Technisch bewegten sich die Notierungen am oberen Rand der Bollinger-Bänder, wodurch das Aufwärtspotenzial begrenzt blieb. Mögliche Verkaufssignale durch RSI und Stochastik bestätigten sich zunächst nicht. Im Tagesverlauf gaben die Futures nach und schlossen schließlich nahezu unverändert gegenüber den Eröffnungskursen.
Die geopolitische Lage bleibt der wichtigste Einflussfaktor für den Ölmarkt. Die USA verschärften ihre Sanktionen gegen den Iran, während Teheran mit der möglichen Schließung weiterer strategischer Meerengen drohte, falls iranische Tanker weiterhin blockiert werden. Gleichzeitig setzte die Ukraine ihre Angriffe auf die russische Ölindustrie erfolgreich fort und verursachte zusätzliche Ausfälle bei Raffinerien und der Energieinfrastruktur. Obwohl einzelne Tanker die Straße von Hormus weiterhin passieren konnten, blieb der Schiffsverkehr erheblich eingeschränkt. Die veröffentlichten US-Rohölbestandsdaten wirkten kurzfristig leicht preisdämpfend, spielten angesichts der geopolitischen Entwicklungen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Für den Binnenmarkt zeichneten sich dadurch vorübergehend leichte Preisrückgänge ab.
Die Europäische Union verlängerte das bestehende Sanktionspaket gegen Russland einschließlich des Preisdeckels für russisches Rohöl zunächst bis zum 23. Juli, da sich die Mitgliedstaaten noch nicht auf neue Sanktionen einigen konnten. Der derzeitige Preisdeckel liegt bei 44,10 US-Dollar pro Barrel. Aufgrund der gestiegenen Weltmarktpreise würde der bisherige Mechanismus den zulässigen Höchstpreis anheben und Russland höhere Exporterlöse ermöglichen, weshalb die EU über eine Anpassung der Regelung berät. Künftig sollen insbesondere auch LNG-Exporte stärker sanktioniert werden.
Im Nahen Osten verschärfte sich die militärische Lage weiter. Die USA griffen erneut iranische Kommandozentralen, Luftabwehrsysteme sowie Raketen-, Drohnen- und Überwachungsanlagen an. Der Iran meldete seinerseits Angriffe auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait und Jordanien. Zusätzlich berichteten Medien über Überlegungen der US-Regierung, die strategisch wichtige Insel Kharg einzunehmen, auf der sich das wichtigste iranische Rohöl-Verladeterminal befindet. Eine solche Operation würde den Konflikt erheblich eskalieren, den USA jedoch die Kontrolle über einen Großteil der iranischen Ölexporte ermöglichen und ihre Position im Zusammenhang mit der Straße von Hormus stärken.
Die Straße von Hormus blieb trotz der Kämpfe eingeschränkt passierbar. Rund 300 Schiffe nutzten die Route innerhalb einer Woche, etwa die Hälfte davon unter Begleitschutz der US-Marine. Vor Beginn der jüngsten Eskalation hatten täglich mehr als 100 Schiffe die Meerenge durchquert. Hohe Versicherungsprämien und Sicherheitsrisiken erschweren den Transport erheblich, dennoch bleibt die Passage wirtschaftlich möglich. Da während einer vorübergehenden Öffnung im Juni zahlreiche Tanker die Region verlassen konnten, befinden sich weiterhin große Mengen Rohöl auf dem Weg zu den Verbrauchern. Deshalb wirkt sich die aktuelle Einschränkung weniger stark auf die Versorgung aus als zu Beginn des Konflikts. Analysten erwarten jedoch, dass wiederkehrende Störungen künftig dauerhaft einen Risikoaufschlag von etwa fünf bis fünfzehn US-Dollar je Barrel Brent verursachen könnten.
Insgesamt bleibt die Versorgungslage angespannt. Neben den eingeschränkten Transportmöglichkeiten durch die Straße von Hormus belasten auch Produktions- und Raffinerieausfälle in Russland den Weltmarkt. Eine zusätzliche Sperrung der Straße von Bab el-Mandeb würde die Versorgung weiter verschärfen und die Ölpreise voraussichtlich deutlich steigen lassen. Dennoch reagierten die Märkte zuletzt vergleichsweise gelassen, da viele Risiken bereits eingepreist sind und bislang keine gravierenden neuen Angebotsausfälle eingetreten sind. Kurzfristig könnten daher Gewinnmitnahmen die Preise etwas belasten. Mittelfristig hängt die weitere Entwicklung maßgeblich vom Verlauf des Konflikts im Nahen Osten ab. Bleiben die Exporte aus dem Persischen Golf eingeschränkt, rechnen Analysten mit einem Anstieg des Brent-Preises auf bis zu 110 US-Dollar je Barrel. Entspannt sich die Lage dagegen und erholt sich das Angebot schneller als erwartet, wären bis Jahresende auch Preise um 60 US-Dollar je Barrel möglich. Insgesamt überwiegt derzeit eine leicht bullishe Markteinschätzung, da die geopolitischen Risiken hoch bleiben und jederzeit eine erneute Eskalation zu deutlichen Preisanstiegen führen könnte, während kurzfristig im Inland aufgrund etwas schwächerer Futures zunächst leichte Preisnachlässe möglich erscheinen.