Citi rechnet im Sommer mit sinkendem Brent-Preis
Im schweizerischen Genf gehen heute sowohl die US/Iran-Verhandlungen, als auch die Gespräche über ein Ende des Kriegs in der Ukraine in die nächste Runde. Nach Einschätzung der Citi Bank könnte der Druck, den US-Präsident Trump aufbaut, um bei beiden Verhandlungen für Ergebnisse zu sorgen, die Ölpreise in naher Zukunft erst einmal weiterhin stützen. Spätestens im Sommer könnte sich dies jedoch ändern.
"Wir gehen in unserem Basisszenario davon aus, dass sowohl ein Iran- als auch ein Russland-Ukraine-Abkommen bis zu oder in diesem Sommer zustande kommen, was bei Brent zu einem Rückgang der Preise auf 60-62 Dollar pro Barrel (...) führen wird", so die Analysten der Bank, die außerdem prognostizieren, dass die Preisdifferenzen zu Diesel und Benzin, die mehr oder weniger den Gewinnmargen der Raffinerien für die Herstellung der beiden Kraftstoffe entspricht, auf 5 bis 10 Dollar pro Barrel sinken dürften.
Sollten jedoch die Angebotsmengen aus Russland weiterhin eingeschränkt bleiben und dafür sorgen, dass der Preis für Brent zwischen 65 bis 70 Dollar pro Barrel bleibt, dürfte die OPEC+ ihre Reservekapazitäten wieder anzapfen, so die Analysten. Aus Kreisen der Produzentenallianz hieß es am gestrigen Montag, die OPEC+ sei dazu geneigt, mit der Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen von acht der insgesamt 22 Bündnispartner im April nach einer dreimonatigen Pause wieder anzugehen.
Marktlage
Die Preise der Rohölkontrakte an ICE und NYMEX legten im gestrigen Tagesverlauf zu, obwohl der Handel aufgrund der vielerorts gegebenen Feiertage recht ausgedünnt war. So bleibt abzuwarten, ob sich Brent und WTI heute oberhalb der GD 7 halten können, über die sie im gestrigen Tagesverlauf geklettert waren.
Der Dienstag steht nun erst einmal ganz im Zeichen von Verhandlungen, wobei die Marktteilnehmer ihren Blick gen Genf richten werden, wo heute die indirekten Verhandlungen zwischen den USA und Iran sowie auch die Ukraine-Friedensgespräche fortgesetzt werden. Da man sich von Letzteren wenig Fortschritte verspricht, stehen besonders die Verhandlungen zwischen Washingtonund Teheran im Mittelpunkt.
"Die Marktstimmung ist eng mit dem Ton und dem Fortschritt dieser Verhandlungen verknüpft (…) was zu einer anhaltenden geopolitischen Risikoprämie in den Preisen führt", erklärt Sugandha Sachdeva, Gründerin von SS Wealth Street, einem in Neu-Delhi ansässigen Forschungsunternehmen. Die Tatsache, dass die Iranischen Revolutionsgarden am gestrigen Montag Militärübungen in der Straße von Hormus begannen, trug zu dieser Risikoprämie bei. Denn auch nur die geringste Möglichkeit, dass die fürden internationalen Ölhandel extrem wichtige Passage blockiert werden könnte, lässt bei den Marktteilnehmern die Sorgen über Angebotsausfälle wieder in die Höhe schnellen.
"Der Markt bleibt aufgrund geopolitischer Ungewissheiten verunsichert", meinen auch die Analysten der ANZ Group Holdings Ltd. Brian Martin und Daniel Hynes "Wenn die Spannungen im Nahen Osten nachlassen oder im Ukraine-Konflikt bedeutende Fortschritte erzielt werden, könnte die derzeit in den Ölpreisen eingepreiste Risikoprämie rasch verschwinden“, hieß es in einer Mitteilung.
Bei der Citi Bank geht man derweil davon aus, dass der Brent-Preis in den nächsten Monaten in einer Spanne von 65 bis 70 Dollar bleiben könnte, sollten die Beschränkungen für das russische Ölangebot fortdauern. In dem Fall würde die OPEC+ aber nach Einschätzung der Analysten ihre Reservekapazitäten anzapfen und das Angebot erhöhen.
Wie sich das Ölangebot in den USA in der vergangenen Woche entwickelt hat, werden die Trader aufgrund des gestrigen Feiertags in den USA diese Woche einen Tag später als üblich erfahren. So wird das API seine Bestandsschätzungen für die Woche zum 13. Februar erst am Mittwoch um 22:30 Uhr veröffentlichen, bevor am Donnerstag um 18 Uhr der offizielle Bestandsberichtdes DOE erscheint.
An ICE und NYMEX kommen die Ölfutures aktuell von dengestrigen Hochs wieder zurück, wobei sich bei den Inlandspreisen rein rechnerisch nach dem stärkeren Preisanstieg von gestern Nachmittag und Abend immer noch Potenzial für Aufschläge abzeichnet.