Hoffnungen auf baldigen USA/Iran-Deal nehmen mit Waffenruhe im Libanon weiter zu

Die Entwicklung der Ölpreise wurde zuletzt stark von geopolitischen Spannungen und gemischten Marktsignalen geprägt. Während die USA ihre Seeblockade gegen den Iran fortsetzten und die Sanktionen weiter verschärften – insbesondere gegen den iranischen Ölsektor sowie durch das Auslaufen von Ausnahmen für russische und iranische Öllieferungen – blieb die fundamentale Lage am Ölmarkt zunächst klar preistreibend (bullish). Zusätzlichen Aufwärtsdruck erzeugte die Drohung Irans, den Schiffsverkehr im Roten Meer zu stören, was Risiken für globale Lieferketten verstärkte.

Gleichzeitig sorgte jedoch die Hoffnung auf diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran für gegenläufige Impulse. Diese Unsicherheit spiegelte sich auch in der technischen Marktanalyse wider: Während charttechnische Indikatoren eher auf fallende Preise hindeuteten (bearish), fehlten zunächst klare Kaufsignale. Erst später unterstützten positive Impulse – etwa durch sinkende US-Destillatbestände und ein Kaufsignal beim Heating Oil – die Preise, sodass sowohl Gasoil als auch Rohölkontrakte im Tagesverlauf neue Hochs erreichten. Dennoch scheiterten sie an wichtigen Marken wie der gleitende Durchschnitt und am Abend kam es zu Gewinnmitnahmen. Insgesamt schlossen die Ölpreise aber im Plus.

Parallel dazu blieb die geopolitische Lage angespannt. Eine von den USA vermittelte 10-tägige Waffenruhe zwischen Israel und Libanon – ein wichtiger Faktor für indirekte Verhandlungen mit dem Iran – erwies sich als fragil und wurde offenbar schnell wieder verletzt. Dies unterstreicht die Instabilität der Region.

In Bezug auf die Beziehungen zwischen den USA und Iran zeigte sich US-Präsident Trump vorsichtig optimistisch: Er rechnet bald mit einem Abkommen und stellte eine Verlängerung der Waffenruhe in Aussicht, falls nötig. Nach zuvor gescheiterten Gesprächen gibt es neue Signale für mögliche Kompromisse, etwa einen angeblichen iranischen Verzicht auf Atomwaffen über Jahrzehnte und die Übergabe von angereichertem Uran. Offiziell bestätigt sind diese Punkte jedoch nicht; stattdessen könnte zunächst nur ein begrenztes Memorandum angestrebt werden.

Für die aktuelle Marktlage bedeutet dies ein Spannungsfeld zwischen Hoffnung auf Stabilisierung und anhaltenden Angebotsrisiken. Zwar könnten Fortschritte in den Verhandlungen kurzfristig preisdämpfend wirken, doch bleibt die Versorgungslage angespannt – unter anderem durch eingeschränkten Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Vorschläge Irans zur zukünftigen Regelung der Passage deuten zwar auf mögliche Entspannung hin, sind aber noch ungewiss.

Analysten sehen daher derzeit eine Phase erhöhter Volatilität: Während zuvor Angst die Preise steigen ließ, könnten diplomatische Fortschritte nun Korrekturen auslösen. Gleichzeitig bergen Verzögerungen bei einer Einigung weiterhin das Risiko von Angebotsengpässen und steigenden Preisen.

Zum Wochenschluss zeigen sich die Ölpreise etwas schwächer und starten unterhalb der Vortageshochs. Insgesamt bleiben Marktteilnehmer jedoch vorsichtig, da sich die Lage jederzeit schnell ändern kann.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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