Trump eskaliert die Lage in Venezuela – Ölpreise korrigieren nach oben

Trump ordnet Tankerblockade vor Venezuela an
US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag eine Blockade aller sanktionierten Öltanker angeordnet, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Erneut nimmt Washington damit die wichtigste Einnahmequelle des südamerikanischen Landes ins Visier und erhöht den Druck auf Präsident Nicolás Maduro, dem die Trump-Administration vorwirft, ein staatlich gelenktes Drogenhandelsnetzwerk zu dulden. Nach Trumps Ankündigung legten die Ölpreise an ICE und NYMEX leicht zu.

„Venezuela ist vollständig von der größten Armada umzingelt, die jemals in der Geschichte Südamerikas zusammengestellt wurde“, schrieb Trump am Dienstag in sozialen Medien. „Sie wird nur noch größer werden, und der Schock für sie wird beispiellos sein – bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie den Vereinigten Staaten von Amerika sämtliches Öl, Land und andere Vermögenswerte zurückgeben, die sie zuvor von uns gestohlen haben.“ Zudem gab Trump an, dass venezolanische Regime als Terrororganisation eingestuft zu haben.

Unklar ist bislang, wie Trump die Blockade gegen die sanktionierten Schiffe durchsetzen will und ob er, wie bereits in der vergangenen Woche, die Küstenwache für Abfangaktionen einsetzen wird. Die US-Regierung hat nacheigenen Angaben Tausende Soldaten sowie fast ein Dutzend Kriegsschiffe, darunter einen Flugzeugträger, in die Region verlegt. Faktisch besteht seit der Beschlagnahme eines sanktionierten Öltankers vor der venezolanischen Küste in der vergangenen Woche ohnehin ein Embargo. Mehrere voll beladene Tanker meiden seither venezolanische Gewässer, um nicht ebenfalls beschlagnahmt zu werden.

Aus Expertenkreisen heißt es, die Ölpreise seien heute gestiegen, da ein Rückgang der venezolanischen Exporte befürchtet werde. Zugleich warteten Investoren ab, wie die angekündigte Blockade konkret umgesetzt wird und ob sie auch nicht sanktionierte Schiffe betreffen könnte. Zudem gilt der Ölmarkt derzeit als gut versorgt und schon bald als überversorgt. Sollte das Embargo jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, könnte der Ausfall von nahezu 1 Mio. B/T die Preise durchaus noch etwas nach oben treiben.

Marktlage
Noch gestern waren die Ölpreise an ICE und NYMEX im Angesicht voranschreitender Ukraine-Gespräche und der erwarteten Überversorgung im kommenden Jahr auf die niedrigsten Stände seit Monaten gefallen. WTI unterschritt sogar kurzzeitig seine langfristigen Widerstände und markierte damit ein neues 5-Jahres-Tief.

Doch heute hat sich die Richtung wieder gedreht, nachdem US-Präsident Donald Trump den Druck auf Venezuela erhöht und eine Blockade sanktionierter Öltanker vor der Küste des südamerikanischen Landes angeordnet hat. Die Nordseesorte Brent kehrte zurück Richtung 60 Dollar, nachdem sie in den vorangegangenen vier Handelstagen mehr als 5% verloren hatte. WTI notiert heute früh nahe 56 Dollar.

Insgesamt bleibt die Aufwärtskorrektur damit aber vergleichsweise überschaubar. Aus Händlerkreisen heißt es dazu: „Der Preis wird heute stimmungsgetrieben durch die Nachrichten aus Venezuela, doch insgesamt sind die venezolanischen Exportmengen gemessen am weltweiten Angebot relativ gering. Da alle Augen auf die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine gerichtet sind, bleibt der Markt weiterhin abwärtsgefährdet“.

Ein weiterer Marktteilnehmer erklärt, der Preisanstieg dürfte nicht von Dauer sein und könnte „eine gute Gelegenheit für einige sein, Short-Positionen aufzubauen“. Dieser Auffassung schließt sich auch Warren Patterson von der ING an: „Der Ölmarkt hat Angebotsrisiken zuletzt weitgehend gelassen aufgenommen, angesichts des Ausmaßes des für 2026 erwarteten Überschusses“. Das Ausmaß der jüngsten Preisbewegung zeige, dass der Markt „nicht allzu besorgt“ sei.

Etwas vorsichtiger gibt sich Emril Jamil, Senior-Ölanalyst bei LSEG: „Kurzfristig ist ein extremer Preisanstieg unwahrscheinlich, sofern es nicht zu Vergeltungsmaßnahmen kommt, die sich auf die Öl- und Gassysteme in ganz Amerika auswirken, während die Erwartungen hinsichtlich eines globalen Überangebots weiterhin im Mittelpunkt des Handels stehen“. Der Experte geht jedoch davon aus, „jede längere Unterbrechung die Preise für schwere Rohölsorten stützen“ dürfte.

Ob es jedoch tatsächlich zu einem längeren Ausfall und einer weiteren Eskalation in der Region kommt, bleibt abzuwarten. Insgesamt steuert der Ölpreis auch weiterhin auf ein Jahresminus zu, belastet durch das erwartete Überangebot infolge der raschen Rückkehr stillgelegter Fördermengen durch die OPEC+ sowie steigender Produktion anderer Länder bei gleichzeitig verhaltener Nachfrage.

Heute Nachmittag könnte kurzfristig noch der DOE-Bericht für neue Impulsesorgen, nachdem die Daten des API zumindest für Rohöl klar bullish ausgefallen waren. Die fundamentale Einschätzung fällt damit heute zumindest kurzfristig leicht bullish aus, auch wenn auf lange Sicht weiterhin die bearishen Angebotsaussichten die Oberhand behalten.

Bei den Inlandspreisen zeichnen sich für heute schon erste Preisaufschläge ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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