Bollinger Bänder bremsen Ölpreisanstieg weiterhin aus

Der ICE-Gasoil-Augustkontrakt schloss am Donnerstag bei 1.164,00 US-Dollar je Tonne und legte gegenüber dem Vortag um 34,50 US-Dollar zu, während das Handelsvolumen unter dem Durchschnitt blieb. Insgesamt bestimmten vor allem geopolitische Risiken die Entwicklung an den Energiemärkten. Die Fundamentaldaten stützten die Preise zunächst, obwohl sich die EU-Staaten noch nicht auf ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland einigen konnten und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus trotz Einschränkungen weiterhin möglich blieb. Gleichzeitig verschärften sich jedoch die Spannungen zwischen den USA und dem Iran, wodurch die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts und möglichen Störungen der Ölversorgung zunahm.

Zu Handelsbeginn belasteten vor allem technische Verkaufssignale sowie steigende irakische Ölexporte die Rohölpreise. Brent und WTI gaben zunächst nach, ehe Warnungen der Internationalen Energieagentur vor den wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Sperrung der Straße von Hormus die Stimmung wieder aufhellten. Zusätzliche Unterstützung erhielten die Preise durch Berichte über einen Drohneneinschlag in einen Öltanker im irakischen Hafen Basra, auch wenn der Hafenbetrieb letztlich nicht beeinträchtigt wurde. Im weiteren Tagesverlauf sorgten Befürchtungen über eine mögliche Gefährdung der Schifffahrt in der Meerenge von Bab el-Mandeb sowie die Aussicht auf neue US-Sanktionen gegen Russland für steigende Notierungen. Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben gelang den Rohölkontrakten jedoch nicht, sodass Gewinnmitnahmen einsetzten. Während Brent und WTI den Handelstag letztlich leicht im Minus beendeten, schlossen die Mitteldestillate, darunter Gasoil, fester. Parallel dazu erhöhten sich auch die rechnerischen Inlandspreise.

Ein zusätzlicher Risikofaktor entstand durch die zunehmenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen. Nachdem sich die Lage bereits durch gegenseitige Angriffe auf Flughäfen verschärft hatte, drohte Huthi-Anführer Abdul Malik al-Huthi offen mit Angriffen auf saudische Ölanlagen, Häfen und andere strategische Einrichtungen, sollte Saudi-Arabien militärisch eingreifen. Darüber hinaus stellte er eine mögliche Blockade der Meerenge von Bab el-Mandeb in Aussicht. Diese Route besitzt für den internationalen Ölhandel besondere Bedeutung, da Saudi-Arabien seit den Einschränkungen in der Straße von Hormus einen größeren Teil seiner Exporte über den Hafen Yanbu und Bab el-Mandeb abwickelt. Ein Ausfall dieser Transportverbindung oder Angriffe auf saudische Energieanlagen könnten das globale Ölangebot erheblich beeinträchtigen und die Preise deutlich steigen lassen. Bereits 2019 hatten Angriffe auf saudische Ölanlagen die Fördermenge des Landes zeitweise massiv reduziert.

Trotz der anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran bewegten sich Brent und WTI zum Handelsschluss weiterhin knapp unter den psychologisch wichtigen Marken von 85 beziehungsweise 80 US-Dollar je Barrel. Marktbeobachter gehen derzeit davon aus, dass die Konfliktparteien bislang bewusst direkte Angriffe auf die iranische Ölinfrastruktur vermeiden und deshalb eine Eskalation mit gravierenden Auswirkungen auf den Ölmarkt noch ausbleibt. Gleichzeitig besteht die Erwartung, dass beide Seiten langfristig eher Verhandlungen als eine dauerhafte militärische Konfrontation anstreben. Dennoch bleibt das Eskalationsrisiko hoch, da sowohl die USA als auch der Iran ihre Drohungen zuletzt deutlich verschärft haben.

Preisdämpfend wirkt weiterhin, dass einzelne Tanker die Straße von Hormus trotz der angespannten Sicherheitslage noch passieren können. Gleichzeitig verdichten sich jedoch Hinweise, dass der Iran die Huthi-Miliz auf eine mögliche Blockade der Meerenge von Bab el-Mandeb vorbereitet. Sollte auch dieser wichtige Seeweg eingeschränkt werden, wären erhebliche Versorgungsstörungen im internationalen Ölhandel wahrscheinlich.

Neben den Entwicklungen im Nahen Osten beeinflusst auch der Krieg in der Ukraine den Markt. Erfolgreiche ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien verringern das Angebot an Mineralölprodukten und wirken damit insbesondere auf Gasoil und andere Mitteldestillate preistreibend. Gleichzeitig reduzieren die Ausfälle russischer Raffineriekapazitäten die Nachfrage nach Rohöl, was die Rohölpreise eher belastet. Am Freitagmorgen testeten Brent und WTI zwar erneut höhere Preisniveaus, scheiterten jedoch an technischen Widerständen. Der jüngste Preisrückgang bei Rohöl wird daher vor allem auf technische Faktoren und weniger auf eine veränderte fundamentale Marktlage zurückgeführt. Da Gasoil diese Korrektur bislang kaum nachvollzogen hat, bleibt für die Inlandspreise kurzfristig weiteres Aufwärtspotenzial bestehen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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