
USA droht erneut mit Ausstieg aus IEA
Die Energieminister zahlreicher Nationen werden heute und morgen in Paris zum Treffen der IEA-Mitglieder auf Ministerebene zusammenkommen, das alle zwei Jahre statt findet. Kurz zuvor drohte die US-Regierung erneut damit, aus der IEA auszusteigen.
Die Behörde war im Zuge der Ölkrise der 1970er Jahre ins Leben gerufen worden, um für Energiesicherheit zu sorgen. In der jüngsten Vergangenheit war die IEA allerdings immer wieder dafür kritisiert worden - beispielsweise von der OPEC oder der Trump-Regierung -, dass sie in langfristigen Prognosen ein Ende des Ölnachfragewachstums ("Peak Oil Demand") ankündigte und dabei eine stärkere Ausrichtung des Marktes hin zu erneuerbaren Energien einkalkulierte.
Dies passte Donald Trump bereits in seiner ersten Amtszeit als Präsident nicht und auch jetzt ist die IEA dem US-Präsidenten und seiner Regierung offenbar nicht genügend "pro Öl", sodass weiterhin ein Austritt der USA aus der Behörde zur Debatte steht. "Wir sind definitiv nicht zufrieden", sagte US-Energieminister Chris Wright - selbst einst CEO eines Ölunternehmens - am gestrigen Dienstag daher im Rahmen einer Veranstaltung, die vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen ausgerichtet wurde. Der Minister forderte Reformen von der IEA, andernfalls könnten die USA kein langfristiges Mitglied bleiben.
"Wenn sie [die IEA] wieder das wird, was sie früher einmal war – eine hervorragende internationale Agentur zur Datenerfassung, die sich mit kritischen Mineralien befasste und sich auf große Energiefragen konzentrierte – dann sind wir voll dabei", so Wright. Würde die IEA allerdings weiter darauf bestehen, "dass sie so stark vom Thema Klima dominiert und durchdrungen ist – ja, dann sind wir raus."
Ein Ausstieg der USA aus der IEA würde auch bedeuten, dass für die Behörde der Teil wegfällt, den die Vereinigten Staaten bislang zum Budget der Behörde beigetragen haben. Mit etwa 6 Millionen Dollar wären dies etwa 14 % des jährlichen Budgets.
Marktlage
Die Preise an den Ölbörsen machten am gestrigen Dienstag eine Achterbahnfahrt durch, die größtenteils von geopolitischen Faktoren getrieben war. Das Hauptaugenmerk galt dabei dem Iran.
Nach dem Meldungen aus der Islamischen Republik über eine mehrstündige Sperrung der Straße von Hormus die Preise zunächst hatten steigen lassen, führten die offenbar "konstruktiven" - wenn auch immer noch indirekten - Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Genf am Nachmittag zu einem Preisrutsch.
Dass "konstruktiv" ein dehnbarer Begriff ist, haben die vergangenen Atomverhandlungen mit dem Iran jedoch schon des Öfteren gezeigt. So geht auch die Marktbeobachterin Sugandha Sachdeva vom Forschungsunternehmen SS Wealth Street davon aus, dass "eine endgültige Einigung noch in weiter Ferne (ist) und die Märkte (...) hinsichtlich der Nachhaltigkeit der diplomatischen Dynamik vorsichtig" bleiben.
Die Frage ist nun, ob das Säbelrasseln der beiden Parteien nachlässt, oder ob es weiter geht und damit auch das Risiko birgt, dass es doch noch zu einer Eskalation - sprich einem US-Militärschlag gegen iranische Anlagen - kommt. Dabei werden die Marktteilnehmer auch weiterhin ein Auge auf die Straße von Hormus haben, die mit einem täglichen Öltransit von rund 21 Mio. Barrel ein wichtiges Nadelöhr für den internationalen Ölhandel darstellt. Zwar ist angesichts der geplanten Fortsetzung der Verhandlungen zwischen den USA und Iran unwahrscheinlich, dass der Iran die Meerenge tatsächlich "offiziell" blockiert, allerdings könnte Teheran mit der ein oder anderen Militärübung in dem Gebiet durchaus für weitere bullishe Impulse sorgen.
Was der erste Tag der aktuellen Verhandlungsrunde zwischen der Ukraine, Russland und den USA gestern brachte, dazu gibt es bislang wenig Konkretes. Laut Rustem Umjerow, dem Verhandlungsführer der Ukraine soll es einen politischen und einen militärischen Themenblock gegeben haben, wobei einzelne Gruppen nach einem gemeinsamen Gesprächsteil "praktische Fragen und Mechanismen möglicher Lösungen" erörtert haben sollen. Die Gespräche werden heute (ebenfalls in Genf) fortgesetzt.
Nach Handelsschluss in Europa könnten heute auch noch die wöchentlichen Ölbestandsschätzungen des API für neue Impulse sorgen. Aufgrund des US-Feiertags am Montag (Präsidents' Day) erscheinen diese erst heute um 22:30 Uhr, bevor der offizielle Bericht des DOE für die Woche zum 13. Februar am morgigen Donnerstag um 18:00 Uhr fällig ist. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters gingen die Befragten Analysten im Schnitt davon aus, dass die landesweiten Rohölvorräte der USA vergangene Woche um 2,3 Mio. Barrel zunahmen. Die Bestände an Benzin und Diesel sollen dagegen gesunken sein.