Keine Entspannung im Nahen Osten – Ölpreise klettern mit steigender Risikoprämie

Hohe Risikoprämie: USA und Iran halten Drohkulisse aufrecht
Die Spannungen zwischen Washington und Teheran bleiben hoch, obwohl die letzte Gesprächsrunde wie üblich als „konstruktiv“ bezeichnet wurde. Weitere Verhandlungen sollen folgen, doch bis dahin drohen beide Seiten weiter mit militärischen Interventionen. So hieß es gestern, dass sich das US-Militär auf eine wochenlange Operation vorbereite, an der sich auch Israel beteiligen könnte.

So berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf Insider, die Trump-Regierung sei kurz vor einem „großen Krieg“ im Nahen Osten, der „sehr bald“ beginnen könnte. Demnach sei Donald Trump bereit, „den Abzug zu drücken“, sollten die Verhandlungen mit dem Iran scheitern. Zuletzt hieß es von US-Vizepräsident JD Vance, dass der Iran „rote Linien“, die Washington vorgegeben habe, nicht akzeptieren würde.

Gleichzeitig hat der Iran seine Militäraktivitäten weiter ausgeweitet und für heute Raketenstarts im Süden des Landes angemeldet. Erst Anfang der Woche hatte Teheran die Straße von Hormus kurzzeitig gesperrt, um in der Region Marineübungen durchzuführen. Für heute ist eine weitere Übung mit Russland geplant, die aber offenbar die Durchfahrt durch die Meerenge nicht beeinträchtigt. Dennoch bleibt man am Markt wachsam, ob es zu Problemen in der wichtigen Wasserstraße kommt, durch die täglich ein Fünftel des gesamten globalen Ölbedarfs fließt.

Marktlage
Nachdem die Rohölpreise gestern den stärksten Tagesanstieg seit Oktober verzeichnet hatten, stabilisieren sie sich heute auf hohem Niveau. Hintergrund für den Anstieg bleiben die Spannungen um den Iran, wo zwar die Gespräche zwischen Washington und Teheran weitergehen sollen, gleichzeitig aber auch die Militäraktivitäten auf beiden Seiten zunehmen.

So scheint man in den USA laut Bericht des Nachrichtenportals Axios durchaus auf eine Militäraktion vorbereitet zu sein, die laut Insidern zu einer mehrere Wochen dauernden Kampagne werden könnte. Die Regierung in Israel dränge demnach auf einen Regimewechsel in der Islamischen Republik und würde sich deshalb offenbar an entsprechenden Angriffen beteiligen. Washington hatte zuletzt eher auf Kooperation mit der bestehenden Regierung im Iran gesetzt.

Die bisherigen Gespräche, bei denen es vor allem um das iranische Atomprogramm ging, hatten keine echten Ergebnisse gebracht, obwohl es aus Teheran hieß, man habe mit Washington eine „grundsätzliche Einigung“ über die Bedingungen eines möglichen Atomabkommens erzielt. Ein US-Vertreter teilte mit, die iranischen Unterhändler wollten in zwei Wochen mit einem neuen Vorschlag nach Genf zurückkehren.

Dennoch bleiben die Spannungen in der Region hoch und die Drohkulisse real.Helima Croft von RBC Capitals warnt, das Scheitern bei zentralen Streitpunkten erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer erneuten militärischen Konfrontation. Auch Experten der ANZ sehen Risiken für den Ölmarkt: Eine weitere Eskalation könnte den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus beeinträchtigen. Rund 20 % des weltweiten Ölverbrauchs werden über diese Meerenge transportiert.

„Die Spannungen zwischen Washington und Teheran bleiben hoch, doch die vorherrschende Einschätzung ist, dass ein umfassender bewaffneter Konflikt unwahrscheinlich ist, was eine abwartende Haltung begünstigt“, zeigt Hiroyuki Kikukawa von Nissan Securities etwas optimistischer. US-Präsident Donald Trump wolle keinen starken Anstieg der Rohölpreise; selbst im Falle militärischer Maßnahmen sei eher mit begrenzten, kurzfristigen Luftschlägen zu rechnen, soder Experte.

Unterdessen endeten die zweitägigen Friedensgespräche in Genf zwischen der Ukraine und Russland ohne Durchbruch. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau erneut vor, die von den USA vermittelten Bemühungen zur Beendigung des seit vier Jahren andauernden Krieges zu verzögern. Der Vorwurf ist nicht neu und zeigt, dass sich Gespräche offenbar kaum vorwärts kommen und sich eher im Kreis drehen.

Kurzfristig wartet man am Ölmarkt heute noch auf die DOE-Bestandsdaten, die aber wegen des President’s Day am Montag mit Verspätung erscheinen. So werden die offiziellen Daten des US-Energieministeriums erst heute am frühen Abend erscheinen. Sollten sie den bullishen Ton der API-Daten von gestern bestätigen, könnte es noch einmal zu einem Preisanstieg an den Börsen kommen.

Grundsätzlich fällt die fundamentale Marktstimmung mit der hohen Unsicherheit im Nahen Osten und der daran gebundenen Risikoprämie heute erst einmal bullish aus. Die Gefahr einer Militärischen Eskalation hat alle bearishen Faktoren wieder weit in den Hintergrund rücken lassen und die Preise in die Höhe getrieben. Entsprechend fallen auch die Preisaufschläge im Inland im Vergleich zu Mittwochmorgen sehr deutlich aus.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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