Der Ölmarkt zeigte sich zu Wochenbeginn deutlich bullish, da die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran auch nach dem Wochenende ohne Ergebnis blieben und sich die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten weiter verschärften. Zusätzliche Unterstützung erhielten die Ölpreise durch charttechnische Kaufsignale sowie durch die Ausweitung israelischer Angriffe im Libanon. Die anhaltende Unsicherheit über die Stabilität der Energieversorgung aus dem Persischen Golf und die weiterhin bestehende Bedrohung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus führten dazu, dass die Ölnotierungen bereits am Vormittag spürbar anstiegen. Nach einem kurzfristigen technischen Rücksetzer am Nachmittag beschleunigte sich die Aufwärtsbewegung erneut, als Berichte bekannt wurden, wonach der Iran aufgrund der israelischen Militäraktionen im Libanon einen Rückzug aus den laufenden Verhandlungen mit den USA erwäge. In der Folge erreichten die Rohölkontrakte an den internationalen Börsen neue Mehrtageshochs, was sich auch in steigenden Inlandspreisen widerspiegelte. Obwohl die Kurse am Abend einen Teil ihrer Gewinne wieder abgaben, schlossen sowohl Brent als auch WTI den Handelstag mit deutlichen Aufschlägen.
Auslöser der starken Marktreaktionen waren Berichte der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim, wonach der Iran den direkten Austausch mit den USA vorläufig eingestellt habe. Teheran begründete diesen Schritt mit Israels Vorgehen im Libanon und kündigte zugleich die Bildung einer sogenannten „Widerstandsfront“ gemeinsam mit verbündeten Milizen im Jemen, Libanon und Irak an. Nach Angaben der Agentur erwägt der Iran darüber hinaus eine erneute vollständige Sperrung der Straße von Hormus sowie eine Ausweitung der militärischen Aktivitäten auf weitere Konfliktregionen. Dabei könnte auch die strategisch bedeutende Meerenge Bab al-Mandeb vor der Küste des Jemen betroffen sein, die eine zentrale Verbindung zum Suezkanal darstellt und für den internationalen Schiffsverkehr von großer Bedeutung ist. Eine offizielle Bestätigung dieser Pläne lag zwar zunächst nicht vor, jedoch deuteten Äußerungen des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi auf eine deutlich verschärfte Haltung Teherans hin. Damit geriet auch das bereits weit fortgeschrittene Abkommen zwischen den USA und dem Iran erneut in Gefahr.
US-Präsident Donald Trump bemühte sich anschließend um eine Beruhigung der Lage. Während er zunächst erklärte, ihm sei es gleichgültig, ob die Gespräche fortgesetzt würden oder nicht, betonte er später auf seiner Plattform Truth Social sowie in Interviews, dass die Verhandlungen weiterhin liefen und sogar noch in derselben Woche zu einem Abschluss kommen könnten. Trump erklärte zudem, er habe keine Kenntnis von einer offiziellen Aussetzung der Gespräche durch den Iran. Gleichzeitig signalisierte er, dass selbst ein Scheitern der Verhandlungen nicht zwangsläufig zu neuen militärischen Maßnahmen führen müsse, auch wenn die bestehende Blockade iranischer Häfen bestehen bleibe.
Insgesamt bleibt die Marktlage von erheblicher Unsicherheit geprägt. Die widersprüchlichen Aussagen aus Washington und Teheran erschweren eine verlässliche Einschätzung des tatsächlichen Verhandlungsstands und erhöhen die Sorge vor langfristigen Einschränkungen der Ölversorgung aus dem Persischen Golf. Noch wenige Tage zuvor waren die Ölpreise gefallen, weil eine Einigung zwischen beiden Staaten greifbar schien. Nun wächst hingegen die Befürchtung, dass die Verhandlungen scheitern könnten und neben der Straße von Hormus auch die Meerenge Bab al-Mandeb für den internationalen Schiffsverkehr beeinträchtigt werden könnte. Da beide Wasserstraßen zu den wichtigsten Transportwegen für den weltweiten Ölexport zählen, würde jede Störung erhebliche Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte haben.
Marktbeobachter gehen deshalb davon aus, dass die Ölpreise vorerst auf einem erhöhten Niveau bleiben und weiterhin starken Schwankungen unterliegen werden. Solange keine Klarheit über die Zukunft der Waffenruhe, die Sicherheit der Schifffahrtsrouten und den Fortgang der US-iranischen Verhandlungen besteht, dürfte die geopolitische Risikoprämie hoch bleiben und die Preise stützen. Fundamental überwiegen damit derzeit die preistreibenden Faktoren, während die Vielzahl an widersprüchlichen Nachrichten gleichzeitig für eine erhöhte Volatilität sorgt. Entsprechend spiegeln sich die Preissteigerungen an den internationalen Märkten auch in höheren Inlandspreisen wider, die gegenüber dem Vortag weitere Aufschläge erwarten lassen.