Straße von Hormus bleibt dicht – Ölpreise steigen wieder

US-Marine greift iranischen Frachter an – Teheran sagt Gespräche ab

Straße von Hormus: Schiffsverkehr kommt erneut zum Erliegen

Auslöser der aktuellen Zuspitzung war ein Vorfall im Golf von Oman: US-Streitkräfte griffen einen iranischen Frachter an und brachten ihn unter ihre Kontrolle. Washington begründete dies damit, dass das Schiff versucht habe, eine US-Seeblockade zu durchbrechen. Der US-Präsident Donald Trump bestätigte den Einsatz öffentlich. Der Iran reagierte darauf mit scharfer Kritik, sprach von einem Bruch der bestehenden Waffenruhe und bezeichnete das Vorgehen als „bewaffnete Piraterie“. Gleichzeitig drohte Teheran mit Gegenmaßnahmen und sagte bereits im Vorfeld geplante Gespräche mit den USA ab, die in Islamabad stattfinden sollten. Damit rückt eine diplomatische Lösung des Konflikts in weitere Ferne.

Parallel dazu verschlechterte sich die Lage rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl weltweit. Nachdem der Iran die Meerenge kurzfristig geöffnet hatte, wurde sie innerhalb von weniger als 24 Stunden wieder geschlossen. Grund dafür sei laut Teheran die fortgesetzte US-Seeblockade. In dem kurzen Zeitfenster konnten zwar einige Tanker passieren, viele andere mussten jedoch umkehren. Zudem berichten Sicherheitsbehörden von Angriffen auf Schiffe in der Region, und Hunderte von Schiffen warten weiterhin auf eine sichere Durchfahrt. Insgesamt ist der Schiffsverkehr dort nahezu zum Erliegen gekommen.

Diese Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte. Die Ölpreise sind zu Beginn der Woche deutlich gestiegen, da die Unsicherheit über die Versorgungslage wieder zunimmt. Experten gehen davon aus, dass Reedereien künftig deutlich vorsichtiger agieren werden und die Passage durch die Straße von Hormus erst wieder nutzen, wenn stabile Sicherheitsbedingungen herrschen. Gleichzeitig reagieren die Märkte aktuell stark auf politische Signale und Nachrichten, was zu erhöhter Volatilität führt.

Analysten erwarten, dass die Ölpreise weiter steigen könnten, insbesondere wenn sich die Lage nicht entspannt. Prognosen sehen mögliche Preisspannen von etwa 105 bis 115 US-Dollar pro Barrel, allerdings mit starken Schwankungen abhängig von der Nachrichtenlage. Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt, ob es zu neuen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran kommt – aktuell deutet jedoch vieles darauf hin, dass diese vorerst nicht stattfinden werden.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

Die Lienert + Ehrler AG übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit der auf dieser Seite publizierten Informationen.