Ölfutures starten nahe Vortageshochs - Meldungen aus Kasachstan stützen

Kasachstan: Produktion an Tengiz-Ölfeld vorübergehend ausgesetzt


Am Sonntag soll es Medienberichten zufolge im kasachischen Bezirk Schylyoi am riesigen Tengiz-Ölfeld zwei Generatoren in Brand geraten sein. Diese waren nach Angaben des Betreibers Tengizchevroil bereits am gestrigen Montag gelöscht und hatten den Produktionsbetrieb nicht beeinflusst. "Das Feuer war schnell gelöscht, niemand wurde verletzt. Die Produktion von TCO läuft normalweiter", hieß es laut der staatlichen Nachrichtenagentur Kazinform in einer Stellungnahme des Betreibers.

Am Montagabend wurde dann allerdings berichtet, dass TCO die Ölproduktion an den Feldern Tengiz und Korolevskoye vorübergehend ausgesetzt habe, nachdem es zu Problemen mit dem Stromverteilungsnetz gekommen war. Der vorläufige Produktionsstopp soll demnach eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein. "Unsere Priorität ist die sichere Behebung des Problems", wird das Unternehmen in einem Bericht der Tageszeitung "The CaspianPost" unter zitiert.

Wie stark die Ölproduktion Kasachstans von der Förderunterbrechung beeinträchtigt wird, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie lange der vorübergehende Produktionsstopp dauern wird. Dazu machte TCO allerdings noch keine Angaben. Allerdings sind dem Unternehmen zufolge technische Spezialisten dabei, die Ursache der Störung zu finden. Das Öl- und Gasfeld Tengiz ist eines der größten weltweit und birgt Schätzungen zufolge Ölreserven im Umfang von etwa 3,1 Milliarden Tonnen.  

Marktlage

Nachdem die Zoll-Drohungen des US-Präsidenten mit Blick auf Grönland und die von der EU ins Spiel gebrachten Vergeltungsmaßnahmen die Ölfutures am Montagvormittag noch hatte sinken lassen, erholten sich Brent und Co. in der zweiten Tageshälfte wieder von ihren anfänglichen Verlusten. Allerdings war gestern in den USA ein Feiertag, sodass es heute mit der Rückkehr einiger amerikanischer Trader aus dem verlängerten Wochenende noch einmal zu Verwerfungen kommen könnte, zumal bei WTI heute Abend auch der nächste Frontmonatswechsel ansteht.

Noch ohne Berücksichtigung der erneuten Zoll-Drohungen rechnet derweil der internationale Währungsfonds für das laufende Jahr mittlerweile mit einem stärkeren Wachstum der weltweiten Konjunktur, was auch der Ölnachfrage zugute käme. Für die beiden größten Volkswirtschaften und Ölkonsumenten der Welt - USA und China - korrigierte der IWF seine Wachstumsprognosen um 0,3 Prozentpunktenach oben.

Kurzfristig stützen auch die Meldungen über eine vorübergehende Produktionsunterbrechung am riesigen Tengiz-Ölfeld in Kasachstan die Rohölkontrakte an den Ölbörsen. Dagegen hat das geopolitische Risiko, das der mögliche US-Militärschlag gegen den Iran noch Anfang letzter Woche dargestellt hatte, mittlerweile wieder deutlich nachgelassen.

Damit rückten nach und nach auch die Bedenken hinsichtlich einer Überversorgung am Ölmarkt wieder in den Vordergrund. "Die Aussicht auf einen großen Überschuss lässt vermuten, dass die Preise tendenziell sinken werden, während das Potenzial für eine weitere Eskalation der Spannungen zwischen den USA und der EU ein zusätzliches Abwärtsrisiko darstellt", meint Analyst Warren Patterson von der ING Groep NV diesbezüglich.

Die EIA geht in ihrem Januar-Monatsbericht davon aus, dass 2026 ein Angebotsüberschuss in Höhe von +2,83 Mio. B/T entstehen könnte. Damit hatten die Statistiker der Behörde ihre Erwartungen von Dezember um +0,57 Mio. B/T nach oben korrigiert. Ob die IEA dies ebenfalls tut, wird sich morgen zeigen, wenn deren aktueller Monatsbericht erscheint. Allerdings rechnete die Behörde mit Sitz in Paris im Dezember bereits mit einem wesentlich stärkeren Überangebot (+3,8 Mio. B/T) als die EIA. Die OPEC behält sich derweil ihren Zweckoptimismus bei und geht für das laufende Jahr insgesamt von einem relativ ausgeglichenen Markt aus.

Im weiteren Wochenverlauf werden die Marktteilnehmer ihre Aufmerksamkeit aber auch verstärkt auf das Weltwirtschaftsforum in Davos richten, wo US-Präsident Trump mit seinen Äußerungen für weiteren Wirbel sorgen könnte. Die US-Ölbestandsdaten sind derweil in dieser Woche wegen des Feiertags am gestrigen Montag erst einen Tag später als üblich fällig.

Heute Morgen notieren die Ölfutures zunächst einmal im Bereich der Vortageshochs, konnten diese jedoch noch nicht wirklich übertreffen. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich aktuell im Vergleich zu gestern rein rechnerisch noch Potenzial für Aufschläge ab, wenngleich der steigende EUR/USD-Kurs diese zeitweise etwas dämpft.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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