Verhandlungen oder nicht? Fortschritt im Iran-Konflikt bleibt unklar

USA/Iran: Schwierige Verhandlungen zwischen Atomstreit und Seeblockade

OPEC+ plant weitere Förderanhebung für Juli

Die Lage am Ölmarkt blieb am Donnerstag von widersprüchlichen Entwicklungen rund um den Persischen Golf geprägt. Einerseits deuteten diplomatische Signale auf eine mögliche Annäherung zwischen den USA und Iran hin, andererseits sorgten Streitpunkte wie Irans Uranprogramm und die Kontrolle über die Straße von Hormus weiterhin für erhebliche Unsicherheit. Die Exportblockade im Persischen Golf bestand unverändert fort und belastete zunehmend die weltweiten Ölreserven, die laut Marktbeobachtern bereits in Rekordtempo schrumpfen.

Im Verlauf des Vormittags verlief der Handel zunächst noch vergleichsweise ruhig. Meldungen aus Norwegen und den Vereinigten Arabischen Emiraten weckten Hoffnungen, dass ein Teil der ausfallenden Liefermengen aus dem Persischen Golf kompensiert werden könnte. Norwegen meldete eine überraschend hohe Ölproduktion, während die VAE Fortschritte beim Ausbau alternativer Pipelinekapazitäten bekannt gaben. Zur Tagesmitte rückten jedoch erneut die schwierigen Verhandlungen zwischen Washington und Teheran in den Fokus und führten zu deutlich stärkeren Preisschwankungen.

Die Gespräche zwischen den USA und Iran zeigten zwar gewisse Fortschritte, blieben aber von grundlegenden Konflikten überschattet. Iran arbeitete laut Berichten an einer Antwort auf einen amerikanischen Vorschlag, der bestehende Differenzen teilweise reduziert habe. Gleichzeitig bestand die iranische Führung jedoch darauf, die eigenen Vorräte an waffenfähigem Uran nicht ins Ausland zu bringen. Parallel dazu verschärfte sich der Streit um die Straße von Hormus. Iran und Oman diskutierten die Einführung eines dauerhaften Mautsystems für die Passage durch die Meerenge, was die USA entschieden ablehnten. Präsident Donald Trump forderte freien Zugang ohne Gebühren und erklärte, eine internationale Wasserstraße dürfe nicht kontrolliert oder kostenpflichtig gemacht werden. Auch US-Außenminister Marco Rubio machte deutlich, dass ein solches System ein Abkommen praktisch unmöglich machen würde. Obwohl Trump die Gespräche weiterhin als „Endphase“ bezeichnete, verband er dies erneut mit militärischen Drohungen gegenüber Teheran. Die Vielzahl widersprüchlicher Aussagen ließ offen, ob sich beide Seiten tatsächlich näher gekommen waren.

Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Ölpreise zeitweise durch pessimistische Einschätzungen aus den VAE, wonach die Einschränkungen der Lieferungen durch die Straße von Hormus noch bis 2027 andauern könnten. Zudem belasteten anhaltende Drohnenangriffe auf russische Raffinerien die globale Versorgungslage. Diese Faktoren sorgten zunächst dafür, dass die Rohölfutures technische Widerstände überwanden. Im weiteren Verlauf des Abends gerieten die Preise jedoch erneut unter Druck und fielen auf neue Tagestiefs. Brent und WTI verzeichneten damit den zweiten Handelstag in Folge deutliche Verluste. Auch die Inlandspreise gaben zum Tagesende spürbar nach.

Trotz der angespannten Lage hält die OPEC+ weiterhin an ihrer Strategie fest, die Fördermengen schrittweise zu erhöhen. Insider berichteten, dass die verbliebenen Mitglieder mit freiwilligen Förderkürzungen im Juli zusätzliche 188.000 Barrel pro Tag auf den Markt bringen wollen. Damit setzt das Bündnis seinen bisherigen Kurs fort, obwohl die tatsächliche Förderfähigkeit angesichts der regionalen Krisen zunehmend infrage steht. Die offiziellen Produktionsquoten der OPEC+ sollen jedoch weiterhin bis Jahresende bestehen bleiben, wodurch nach offiziellen Angaben weiterhin rund zwei Millionen Barrel täglich dem Markt entzogen werden.

Insgesamt bleibt die Marktlage von extremer Unsicherheit geprägt. Marktteilnehmer schwanken zwischen Hoffnung auf eine diplomatische Lösung und Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Besonders die Frage, wann die Öltransporte durch die Straße von Hormus wieder vollständig aufgenommen werden können, bestimmt die Stimmung an den Märkten. Analysten weisen darauf hin, dass die anhaltenden geopolitischen Risiken die Ölpreise weiterhin stützen, während gleichzeitig die Risikobereitschaft vieler Käufer sinkt. Viele Händler vermeiden derzeit größere Käufe und reduzieren stattdessen ihre Lagerbestände, solange unklar bleibt, wie sich die Lage im Persischen Golf entwickelt. Da sowohl eine Einigung als auch eine weitere Eskalation weiterhin möglich erscheinen, bleibt die fundamentale Einschätzung des Marktes insgesamt neutral, auch wenn die Unsicherheit außergewöhnlich hoch ist.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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