Ukraine Friedensgespräche, Seeblockade Venezuela.... Richtungssuche der Ölmärkte

Ukraine: Friedensgespräche „konstruktiv“ aber ohne Durchbruch
Am Wochenende fanden in Miami erneut Gespräche zu einem Waffenstillstand und Frieden in der Ukraine statt. Was genau besprochen wurde ist nicht klar, ein direktes Treffen zwischen russischer und ukrainischer Delegation gab es aber scheinbar nicht.

Es blieb daher bei indirekten Gesprächen mit den USA als Mittler, während europäische Staaten nicht geladen waren. Zuletzt hatten sich Washington, Kiew und Europa aber eng abgestimmt, wobei man bei wohl bis zu 90 % der Punkte Einigkeit erzielte. Bei der Gesprächsrunde mit Russland wurden die Bemühungen von allen Seiten als „konstruktiv“ beschrieben, wenngleich Details ausblieben.

Es bedarf aber auch keiner Glaskugel, um zu wissen, dass Russland mit den zwischen USA, Ukraine und Europa im Vorfeld ausgehandelten Anpassungen nicht unbedingt zufrieden sein wird. Auch wenn die Ergebnisse erst in den kommenden ein bis zwei Tagen in Moskau und Kiew analysiert werden, hatte ein außenpolitischer Berater Putins bereits durchblicken lassen, dass die Vorschläge Europas die Aussichten auf einen Frieden nicht verbessert hätten.

Ein baldiger Waffenstillstand – trotz allem Optimismus der vergangenen Tage – bleibt damit unwahrscheinlich. Die USA hatten für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen weitere Verschärfungen der Sanktionen für Russland angekündigt. Wie diese aussehen, wann diese in Kraft treten können und unter welchen Bedingungen man diese verhängen würde, ist allerdings unklar.

USA setzen Seeblockade gegen Venezuela durch
Vor zwei Woche hatten die USA einen ersten Öltanker festgesetzt und geentert, der Rohöl aus Venezuela verschiffte. Am Wochenende wurde bereits ein zweiter Tanker aufgehalten und ein drittes Schiff wird in internationalen Gewässern von den US-Kräften verfolgt.

Bei dem Tanker soll es sich um die Bella 1 handeln, die sich in internationalen Gewässern aufhalten soll. „Die US-Küstenwache verfolgt aktiv ein sanktioniertes Schiff der Schattenflotte, das Teil der illegalen Sanktionsumgehung Venezuelas ist. Es fährt unter falscher Flagge und unterliegt einem gerichtlichen Beschlagnahmebeschluss,“ sagte die Stellungnahme der USA.

Die Bella 1 befindet sich auf der Sanktionsliste der USA und wird auch in Verbindung mit Ölexporten des Irans gebracht. „Ich glaube nicht, dass sich die Menschen hier in den USA Sorgen machen müssen, dass die Preise wegen der Beschlagnahmungen dieser Schiffe steigen werden. Es handelt sich nur um ein paar Schiffe, und es sind Schiffe die den Schwarzmarkt bedienen,“ so Berater der US-Regierung, Kevin Hassett.

Tatsächlich aber werden durch die Beschlagnahmungen physische Ölmengen vom Markt genommen, auch wenn es sich um den ‚Schwarzmarkt‘ handelt. Die Abnehmer dieser Mengen werden sich nach andern Angeboten am regulären Markt umschauen müssen. Das steigert die Nachfrage und wird daher durchaus einen preislichen Effekt haben.

Marktlage
Die USA setzen die Seeblockade gegen Venezuela weiter durch, was das Ölangebot am globalen Markt reduziert. Das wirkt sich kurzfristig stützend auf die Preise aus, die heute im frühen Handel direkt oberhalb des Freitags und jenseits der GD 7 Linie starten.

Die schweren Rohölsorten die aus Venezuela kommen können nicht einfach so durch andere Sorten ersetzt werden. Auch wenn in Westafrika wohl reichlich Öl auf Abnehmer wartet, ist die Qualität zu unterschiedlich, als dass dies den Wegfall der Mengen aus Venezuela kompensieren könnte.

Auch in Sachen Ukraine scheint es keinen Durchbruch zu geben, sodass weitere, strengere Sanktionen aus USA und EU den Markt hier weiter unter Druck setzten können. Zudem nimmt Kiew vermehrt die Exportinfrastruktur der Russen in Angriff, sodass Mengen für China wegfallen, die anderweitig eingedeckt werden müssen.

„Die Ölpreise wurden somit durch diese geopolitischen Nachrichten gestützt, während im Hintergrund die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine schwelen, und zwar in einem ansonsten fundamental sehr bearischen Markt“, ordnet Analyst June Goh, von Sparta Commodities, die aktuelle Situation ein.

„Der Markt verliert die Hoffnung, dass die von den USA vermittelten Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine in absehbarer Zeit zu einer dauerhaften Einigung führen werden. Diese Entwicklungen tragen dazu bei, die anhaltenden Sorgen um ein Überangebot auszugleichen. Zusammen mit dem Fehlausbruch nach unten in der vergangenen Woche, der den Markt verunsichert hat, verschiebt sich das Risikoverhältnis beim Rohölpreis wieder deutlich in Richtung eines Aufwärtstrends“, so Analyst Tony Sycmore, von IG.

„Wir halten an unserer etwas optimistischeren Einschätzung des Rohölpreises bis zum Jahresende fest, da die geopolitischen Entwicklungen deutlich positiver sind“, sagte Robert Rennie, Leiter der Rohstoffforschung bei der Westpac Banking Corp. Allerdings dürfte der Brent-Preis im nächsten Jahr auf unter 50 US-Dollar fallen, fügte er hinzu.

Ähnlich sieht man es auch bei der Westpac Banking. Auf Grund der geopolitischen Entwicklungen „halten wir bis zum Jahresende an unserer etwas bullishen Einschätzung der Rohölpreise fest“, sagte deren Experte Robert Rennie. Im kommenden Jahr rechnet er wegen der strukturellen Überversorgung allerdings wieder mit einem Brent-Preis deutlich unter 60 Dollar.

Das Spannungsfeld aus einem mittel- bis langfristig bearishen Marktumfeld und kurzfristig bullishen Aspekten bleibt bestehen. Wir behalten daher unsere fundamental leicht bullishe Markteinschätzung vorerst bei, während sich bei den Inlandspreisen rechnerisch aktuell nur leichte bis moderate Preissteigerungen zu Freitag abzeichnen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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