neue Iran-Drohungen - Ölfutures auf Richtungssuche

Trump-Kommentare Richtung Iran lassen Risikoprämie wieder steigen
Während man sich am Ölmarkt gerade erst erleichtert gezeigt hatte, dass eine Eskalation im Grönlandstreit abgewendet werden konnte, befeuerte Donald Trump gestern erneut den schwelenden Iran-Konflikt. Nachdem Washington noch letzte Woche unter der Angabe, das Töten im Iran habe aufgehört, einen Militäreinsatz abgewunken hatte, sprach der Präsident gestern wieder von einer „Armada“, die auf dem Weg in den Iran sei.

„Wir haben viele Schiffe, die in diese Richtung fahren, nur für den Fall“, sagte Trump auf dem Rückweg von Davos vor Journalisten. „Ich hoffe, dass nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr genau“, fügte er im Bezug auf das iranische Regime an. An anderer Stelle sagte er: „Wir haben eine ganze Armada, die in diese Richtung fährt.“ Aus anonymen US-Militärkreisen heißt es, dass der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und mehrere Lenkwaffenzerstörer in den kommenden Tagen im Nahen Osten eintreffen werden.

Eine Quelle gab an, dass auch zusätzliche Luftverteidigungssysteme für den Nahen Osten in Betracht gezogen würden, die von entscheidender Bedeutung sein könnten, um einen möglichen iranischen Angriff auf US-Stützpunkte in der Region abzuwehren. Trump hatte wiederholt mit einer Intervention gegen den Iran gedroht, was aus seiner Sicht dazu geführt habe, dass der Iran mindestens 840 Hinrichtungen gestoppt habe. Er wiederholte jedoch gestern erneut, dass die USA im Falle weiterer Hinrichtungen oder der Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms hart durchgreifen würden.

An den Ölbörsen reagieren die Anleger auf Säbelrasseln dieser Art mit einer Anhebung der Risikoprämie. Denn selbst, wenn eine militärische Einmischung der USA in die landesweiten Proteste im Iran aus vielen Gründen unwahrscheinlich ist, sorgt die angespannte Rhetorik doch für Unsicherheit und Instabilität in der Region. Und diese kann sich jederzeit auch auf die Ölproduktion oder die Exportmengen auswirken und für entsprechende Probleme sorgen.

Marktlage
Zum Abschluss der Woche bleiben die Ölbörsen auf Richtungssuche. Nach der gestrigen Abwärtskorrektur im Fahrwasser der Entspannung im Grönland-Konflikt und der grundsätzlichen bearishen Angebotsaussichten, sorgten ein schwacher Dollar und neue Drohungen des US-Präsidenten Richtung Iran für etwas Auftrieb.

Erst gestern waren Brent und WTI um rund 2% gefallen, nachdem vor allem die Sorgen um die Angebotsentwicklung wieder in den Fokus trat und für Preisdruck gesorgt hatte. Zusätzlichen belasteten auch die Ölbestandsdaten von API und DOE, die bei Rohöl und Produkten deutliche Aufbauten meldeten. Bereits zu Wochenbeginn hatte die IEA ihre Prognosen zum erwarteten Überangebot bekräftigt, was den Aufbau der US-Vorräte weiter begünstigt haben dürfte.

Mit neuen Kommentaren Donald Trumps zum Iran ist allerdings auch die Risikoprämie wieder etwas gestiegen, denn der US-Präsident sprach von einer „Armada“, die auf dem Weg sei und eingesetzt würde, sollte Teheran erneut Demonstranten töten oder sein Atomprogramm wieder aufnehmen. Iran ist der viertgrößte Produzent innerhalb der OPEC und einer der wichtigsten Lieferanten etwa für China.

„Der Marktausblick bleibt zwar bearish, doch die Vielzahl geopolitischer und angebotsseitiger Risiken führt dazu, dass sich ein nachhaltiger Preisrückgang verzögert“, kommentiert Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei der ING, die aktuelle Marktlage. Er sieht zudem im schwachen Greenback einen Grund für den heutigen Preisanstieg.

Trotz der gestrigen Abwärtskorrektur steuern Brent und WTI auf Wochengewinne von rund 0,6% zu. Die fundamentale Einschätzung bleibt aus unserer Sicht dennoch weiterhin neutral, da die vielen Marktunsicherheiten und widerstreitenden Faktoren sich gegenseitig in einem Spannungsfeld halten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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