US-Sanktionsausnahmen für Iran – Wie stabil ist die Lage am Persischen Golf?

Die Marktstimmung entwickelte sich im Tagesverlauf überwiegend bearish, obwohl die charttechnischen Signale zunächst noch leicht bullish wirkten. Ausschlaggebend dafür war vor allem die überraschend konstruktive Entwicklung der Gespräche zwischen den USA und dem Iran nach einem zuvor angespannten Wochenende. Beide Seiten signalisierten Fortschritte im Friedensprozess, was die Sorgen über mögliche Angebotsausfälle am Ölmarkt vorerst reduzierte.

Zu Handelsbeginn stützten technische Kaufsignale sowie das Überschreiten der Freitagshochs zunächst die Notierungen. Gleichzeitig begrenzten die Freitagstiefs das kurzfristige Abwärtspotenzial. Im Laufe des Vormittags deutete vieles auf eine erneute Aufwärtsbewegung hin, obwohl die Lage rund um die Straße von Hormus weiterhin unübersichtlich blieb. Der Schiffsverkehr in der Region nahm trotz der jüngsten Spannungen wieder zu, während Katar LNG-Tanker positionierte und der Iran seine Rohölexporte deutlich ausweitete. Dadurch entstand zunehmend der Eindruck, dass die Ölversorgung aus der Golfregion schneller als erwartet wieder anlaufen könnte.

Im weiteren Tagesverlauf gerieten die Ölpreise jedoch erneut unter Druck. Länder wie Libyen und Russland profitierten vom Exportstau in der Golfregion und steigerten ihre Lieferungen. Besonders belastend wirkte die Entscheidung der USA, erste Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor vorläufig zu lockern. Die auf 60 Tage befristete Ausnahme erlaubt dem Iran vorübergehend wieder den Verkauf von Öl und Ölprodukten und soll den diplomatischen Prozess unterstützen. Diese Maßnahme erhöhte die Erwartungen an ein zusätzliches Ölangebot auf dem Weltmarkt und verstärkte den Preisrückgang an ICE und NYMEX. Brent und WTI markierten daraufhin neue Tagestiefs und schlossen den Handelstag deutlich im Minus. Auch die Inlandspreise gaben im Tagesverlauf weiter nach.

Der Ölmarkt konzentriert sich weiterhin stark auf die Entwicklungen im Persischen Golf und auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Marktteilnehmer hoffen darauf, dass sich die Ölexporte durch die Straße von Hormus dauerhaft normalisieren. Die jüngsten Fortschritte in den Gesprächen zwischen Washington und Teheran stärken diese Erwartung, auch wenn weiterhin erhebliche Unsicherheiten bestehen. Die US-Regierung bezeichnete die Gespräche in der Schweiz als konstruktiv und begründete damit die temporäre Lockerung der Sanktionen gegen den Iran. Dadurch verschafft sie Teheran wirtschaftliche Entlastung und erleichtert gleichzeitig zusätzliche Ölexporte.

Beide Seiten berichteten zwar von Fortschritten bei den Verhandlungen, gleichzeitig traten jedoch weiterhin tiefgreifende Differenzen zutage. US-Vizepräsident JD Vance erklärte, der Iran habe einer erneuten Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde zugestimmt. Der Iran widersprach dieser Darstellung und betonte, dass Atomfragen gar nicht Teil der Gespräche gewesen seien. Diese widersprüchlichen Aussagen zeigen, wie fragil der aktuelle diplomatische Prozess weiterhin bleibt.

Trotz der Unsicherheiten hat sich das Ölangebot aus der Golfregion zuletzt spürbar erhöht. Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate fanden alternative Wege, ihre Lieferungen auf den Weltmarkt zu bringen. Gleichzeitig exportierte auch der Iran zuletzt wieder große Mengen Rohöl. Marktbeobachter sehen die steigende Zahl von Schiffsdurchfahrten durch die Straße von Hormus deshalb als Zeichen dafür, dass sich sowohl die physische Versorgungslage als auch die diplomatischen Beziehungen vorläufig stabilisieren.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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