
US-Rohölvorräte laut API beträchtlich gestiegen
Das API meldete Dienstagnacht für die Woche zum 20. Februar einen wesentlich stärkeren Anstieg der landesweiten Rohölvorräte der USA, als es die Analysten prognostizieren. Auch die Abbauten bei den Destillat- und Benzinbeständen dürften dem Interessenverband zufolge stärker ausgefallen sein als erwartet.
Die umfangreichen Bestandsaufbauten bei Rohöl, die der API-Bericht von gestern enthält, könnten durch die Kombination aus steigenden Netto-Rohölimporten und einer weiteren Erholung der US-Rohölproduktion von dem wetterbedingten Einbruch Ende Januar entstanden sein. Vor allem der Anstieg der Rohölexporte hatte in der Woche zum 13. Februar für einen deutlichen Rückgang der Netto-Importe geführt. Sollten die Rohölexporte in der vergangenen Woche wieder nachgegeben haben, könnte dies zusammen mit höheren Importen zu höheren Netto-Importen geführt haben.
Die US-Rohölproduktion hatte sich in den ersten beiden Februar-Wochen zwar wieder deutlich von dem Einbruch erholt, der durch die Kältewelle und Schneesturm Fern Ende Januar verursacht worden war, lag in der Woche zum 13. Februar mit 13,7 Mio. B/T jedoch immer noch weitunter dem Anfang November in der Wochenstatistik des DOE verzeichneten Rekordhoch von 13,9 Mio. B/T.
Über die Raffinerieauslastung in den USA lassen die aktuellen Bestandsschätzungen des API aufgrund keine klaren Schlüsse zu, wobei die Analysten davon ausgehen, dass die Auslastung in der vergangenen Woche etwas höher war als in der Vorwoche. Trotz des höheren Raffinerieausstoßes erwarten die Analysten einen Rückgang der Vorräte an Destillaten und Benzin, was bedeuten könnte, dass die Nachfrage nach den Kraftstoffen zugelegt hat. Das API stellt jedoch noch stärkere Abbauten bei Destillaten und Benzin in Aussicht, was auf den ersten Blick einen bullishen Faktor darstellt.
Dem steht allerdings der bearishe Faktor der massiven Aufbauten bei den Rohölvorräten gegenüber, wobei auch im US-Zentrallager in Cushing (Oklahoma)die Rohölbestände gestiegen sein sollen. Aufgrund des schieren Umfangs der Aufbauten bei den landesweiten Rohölvorräten im Vergleich zu den Abbauten bei Benzin und Destillaten kann der jüngste API-Bericht insgesamt als eher bearish eingestuft werden. Konkrete Daten zur Raffinerieauslastung, Rohölproduktion, Nachfrage und Ölaußenhandel der USA wird wie üblich erst der Wochenbericht des DOE um 16:30 Uhr liefern.
Marktlage
Die Rohölpreise an den Ölbörsen gaben am Dienstag leicht nach, blieben dabei allerdings weit oberhalb der Tiefs von letzter Woche. Am Markt ist man gespannt auf die nächste Runde der indirekten Verhandlungen zwischen den USA und Iran, die am morgigen Donnerstag in Genf stattfinden soll. So ganz überzeugt scheint man allerdings nicht zu sein, dass es zu einer Einigung kommen wird, vielmehr sind die Marktteilnehmer besorgt über das enorme Militäraufgebot, das die USA mittlerweile im Nahen Osten positioniert haben, sowie Militärübungen der Iranischen Revolutionsgarden.
Nachdem ein Bericht der US-Tageszeitung Washington Post über weitere Entsendungen von amerikanischen Streitkräften in die Region nach der jüngsten Runde an Verhandlungen gestern die Ölfutures zeitweise ebenso gestützt hatte wie die Meldung über eine hybride Militärübung der Iranischen Revolutionsgarden im Süden Irans und auf den Inseln im Persischen Golf, hatte US-Präsident Trump in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress am Dienstagabend keine weiteren Aussagen dazu gemacht, was er im Hinblick auf den Iran vor hat. Stattdessen betonte er nur, dass Teheran auf keinen Fall dazu im Stande sein dürfe, eine Atombombe zu bauen.
Auch im Hinblick auf die Ukraine-Friedensverhandlungen hielt sich Trump bedeckt, was wohl nicht verwunderlich ist, bedenkt man, dass er zu Beginn seiner aktuellen Amtszeit noch getönt hatte, innerhalb von 24 Stunden für ein Ende des Kriegs zu sorgen. Stattdessen hatte er den beiden Kriegsparteien zuletzt bis Juni gegeben, um ein Friedensabkommen abzuschließen. Derweil wird das russische Ölangebot weiterhin durch die Sanktionen des Westens eingeschränkt, wobei das Vereinigte Königreich gestern noch einmal umfangreiche Sanktionen verhängt haben, wohingegen sich die EU-Länder nicht auf ein weiteres Sanktionspaket einigen konnten.
Noch bevor die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in die nächste Runde gehen, stehen heute Nachmittag die offiziellen Ölbestandsdaten des US-Energieministeriums für die Woche zum 20. Februar auf der Agenda. Das API hatte in seinen Bestandsschätzungen gestern einen signifikanten Anstieg der landesweiten Rohölvorräte gemeldet, wohingegen die Benzin- und Dieselvorräte abgenommen haben sollen. Sollte das DOE die umfangreichen Aufbauten bei Rohöl bestätigen, dürfte dies die Ölfutures noch einmal unter Druck setzen, wobei sich die Verluste vor den USA/Iran-Verhandlungen letzten Endes in Grenzen halten sollten, zumal die Trader bereits gespannt sein dürften, wie sich der jüngste Schneesturm im Nordosten der USA auf die Versorgungslage jenseits des Atlantiks auswirkt. Dies werden jedoch erst die Daten zeigen, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden.
Aktuell geben die Ölfutures an ICE und NYMEX nach und nähern sich dabei (mit Ausnahme des US-Benzinkontrakts) den Vortagestiefs. Da der EUR/USD-Kurs gleichzeitig zulegt, zeichnet sich derzeit bei den Inlandspreisen leichtes Abwärtspotenzial im Vergleich zu gestern ab.