Brent kippt in leichte Contango-Konstellation

US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe den USA zugesichert, während einer 60-tägigen Verhandlungsphase über ein endgültiges Abkommen keine Transit-, Versicherungs- oder sonstigen Gebühren von internationalen Handelsschiffen zu verlangen, die die Straße von Hormus passieren. Diese Zusage ist Teil einer Vereinbarung, nach der der Iran und Oman nach Ablauf der Verhandlungen die Verwaltung des Schiffsverkehrs in der strategisch wichtigen Meerenge gemeinsam übernehmen sollen. Trump betonte, dass die Verhandlungen sofort beendet würden, falls sich die iranischen Angaben als falsch herausstellen sollten. Zudem stellte er klar, dass Teheran im Falle eines Scheiterns der Gespräche keine finanziellen Vorteile erhalten werde. Vor republikanischen Senatoren erklärte Trump außerdem, der Iran mache derzeit erhebliche Zugeständnisse, der weitere Verlauf der Verhandlungen bleibe jedoch abzuwarten.

Trotz der Fortschritte bestehen weiterhin wesentliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Teheran. Besonders strittig sind die künftigen Gebühren für Dienstleistungen zur Verkehrsregelung in der Straße von Hormus nach Ablauf der Verhandlungsfrist sowie Fragen rund um das iranische Atomprogramm. Dabei stehen insbesondere mögliche Inspektionen iranischer Atomanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) im Mittelpunkt der Differenzen.

Die Aussicht auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hat die Einschätzung der Marktteilnehmer hinsichtlich der globalen Ölversorgung deutlich verändert. Da zahlreiche Öltanker ihre zuvor blockierten Exportrouten wieder aufnehmen können, gehen Händler von einer entspannteren Versorgungslage aus. Diese veränderte Markteinschätzung zeigt sich auch an den Terminmärkten für Rohöl. Während zu Wochenbeginn noch eine sogenannte Backwardation vorherrschte, bei der kurzfristige Lieferungen teurer waren als spätere, hat sich die Struktur inzwischen teilweise in ein Contango verwandelt. So lag der Brent-Kontrakt für September zuletzt um 0,13 US-Dollar pro Barrel über dem Frontmonatskontrakt. Eine solche Konstellation gilt als Hinweis auf einen ausgeglichenen oder ausreichend versorgten Markt, während Backwardation auf Angebotsknappheit hindeutet.

Obwohl dieser Wechsel von den Händlern als eher negatives Signal für die Ölpreise interpretiert wird, relativiert sich die Entwicklung durch die zunehmende Verlagerung des Handelsvolumens auf spätere Kontrakte. Zwischen den Brent-Kontrakten für September und Oktober bestand weiterhin eine leichte Backwardation. Insgesamt haben die Rohölpreise seit ihren Höchstständen Ende April deutlich nachgegeben. Der Brent-Preis lag zuletzt nur noch 1,22 US-Dollar pro Barrel über dem Niveau des letzten Handelstags vor Beginn des Iran-Krieges, während WTI noch einen Aufschlag von 3,32 US-Dollar aufwies.

Die vergleichsweise höhere Preisstützung bei WTI hängt mit der angespannten Versorgungslage in den USA zusammen. Die amerikanischen Rohölbestände sind auf den niedrigsten Stand seit Januar 2025 gefallen. Gleichzeitig befinden sich die strategischen Ölreserven der USA auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als vier Jahrzehnten. Die Regierung hatte diese Reserven nach Kriegsbeginn genutzt, um steigende Energiepreise zu begrenzen und Ausfälle von Öllieferungen aus dem Nahen Osten teilweise auszugleichen. Auch am US-Markt hat sich die zuvor ausgeprägte Backwardation deutlich abgeschwächt. Der August-Kontrakt für WTI notierte zuletzt nur noch 0,41 US-Dollar über dem September-Kontrakt, nachdem der Preisunterschied vor einem Monat noch 3,51 US-Dollar betragen hatte.

Marktbeobachter sehen darin einen grundlegenden Stimmungswandel. Carolyn Kissane von der New York University bezeichnete die rasche Veränderung der Markteinschätzung als bemerkenswert. Ihrer Ansicht nach erwarten die Märkte inzwischen ein steigendes Angebot bei gleichzeitig schwächerer Nachfrage, was den Rückgang der Ölpreise wesentlich begünstigt hat.

Dennoch bleibt die Lage fragil. Neue Spannungen oder Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und dem Iran könnten jederzeit zu starken Preisschwankungen führen. Am aktuellen Handelstag setzten Brent und WTI ihre Kursverluste zunächst fort, wobei WTI erneut unter die Marke von 70 US-Dollar pro Barrel fiel. Die Preise für Mitteldestillate zeigten sich dagegen stabiler. Insgesamt lässt sich bei den Inlandspreisen derzeit noch keine eindeutige Richtung erkennen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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