Ölfutures dank steigender Hoffnungen auf baldige Öffnung der Straße von Hormus weicher

Iran und Oman haben bei Gesprächen über die künftige Schifffahrt durch die Straße von Hormus nach Angaben beider Länder einen vorläufigen Rahmen vereinbart. Die Außenminister Abbas Araghchi und Hamad Al Busaidi bezeichneten ihre Gespräche als konstruktiv und legten einen stufenweisen Ansatz fest, der als praktische Grundlage für das weitere Vorgehen dienen soll. Zunächst planen die beiden Länder einen gemeinsamen vorläufigen Schifffahrtskorridor durch die strategisch wichtige Meerenge. Außerdem wollen sie ein gemeinsames Projekt zur Minenräumung starten, um die sichere Durchfahrt zu ermöglichen. In weiteren technischen Verhandlungen sollen die Beteiligten anschließend einen dauerhaften Schifffahrtskorridor und Regeln für die Verwaltung der Straße von Hormus ausarbeiten. Zusätzlich ist ein Mechanismus für den Informationsaustausch und das Verkehrsmanagement vorgesehen. Nach iranischen Angaben könnte innerhalb von 30 bis 60 Tagen eine dauerhafte Route vereinbart werden.

Die Aussicht auf eine schrittweise Normalisierung der Schifffahrt beeinflusste den Ölmarkt deutlich. Vor Beginn des Iran-Kriegs transportierten Tanker täglich durchschnittlich rund 21 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Hormus. Eine dauerhafte Öffnung und eine Normalisierung des Schiffsverkehrs würden deshalb einen erheblichen bearishen Impuls für die Rohölpreise darstellen, weil dadurch mögliche Versorgungsrisiken und geopolitische Risikoprämien sinken würden. Gleichzeitig deutet die Abkehr der USA von einer militärischen Konfrontation mit Iran hin zu wirtschaftlichen Strafmaßnahmen zusammen mit den Gesprächen zwischen Iran und Oman auf eine mögliche Deeskalation hin. Marktteilnehmer verbinden diese Entwicklung zunehmend mit der Hoffnung auf eine Verständigung zwischen den USA und Iran. Diese Erwartungen erhöhten den Verkaufsdruck an den Ölbörsen und ließen die Rohölpreise am Dienstag bereits den dritten Handelstag in Folge fallen. Brent näherte sich dabei wieder der Marke von 85 US-Dollar, während WTI das psychologisch wichtige Niveau von 80 US-Dollar testete.

Zusätzlichen Einfluss auf den Markt haben die jüngsten Schätzungen des American Petroleum Institute (API) zu den US-Ölbeständen. Für die Woche bis zum 21. August erwartet das API einen Anstieg der landesweiten Rohölvorräte um 4,2 Millionen Barrel und liegt damit deutlich über der Analystenerwartung von lediglich 0,5 Millionen Barrel. Auch die Bestände im wichtigen US-Lagerzentrum Cushing in Oklahoma sollen um rund eine Million Barrel gestiegen sein. Bei den Destillaten verzeichnete das API dagegen einen Rückgang um 0,5 Millionen Barrel. Dieser fiel zwar geringer aus als die von Analysten erwarteten 1,1 Millionen Barrel, könnte wegen der bereits ungewöhnlich niedrigen US-Destillatbestände dennoch einen bullishen Impuls für die entsprechenden Ölprodukte liefern. Die Benzinvorräte sollen sogar um 3,2 Millionen Barrel gesunken sein und damit deutlich stärker als die erwarteten 1,3 Millionen Barrel. Die Kombination aus steigenden Rohölbeständen und sinkenden Produktbeständen deutet zugleich auf eine rückläufige Raffinerieauslastung hin. Verlässliche Zahlen dazu sowie weitere Angaben zur US-Nachfrage, zur Ölproduktion und zum Außenhandel soll der Bericht des US-Energieministeriums liefern.

Für den weiteren Handelsverlauf richten sich die Blicke deshalb sowohl auf die geopolitischen Entwicklungen als auch auf die offiziellen US-Ölbestandsdaten. Sollte das Energieministerium den vom API erwarteten Rückgang der ohnehin niedrigen Destillatbestände bestätigen, könnte dies die Ölpreise wieder stützen. Auch die anstehenden US-Konjunkturdaten spielen eine wichtige Rolle. Insbesondere ein rückläufiger PCE-Preisindex könnte auf eine nachlassende Inflation hindeuten und die Erwartungen an eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank vor Jahresende senken. Dies könnte wiederum die Nachfrage- und Preisentwicklung bei Rohöl unterstützen. Zum aktuellen Zeitpunkt bewegen sich die Ölfutures an ICE und NYMEX jedoch weiterhin nahe den Vortagestiefs. Auch bei den Inlandspreisen zeichnet sich rechnerisch noch weiteres Abwärtspotenzial gegenüber dem Vortag ab. Insgesamt prägen damit derzeit vor allem die Hoffnung auf eine Normalisierung der Straße von Hormus, eine mögliche Deeskalation zwischen Iran und den USA sowie die Entwicklung der US-Ölbestände die Stimmung am Ölmarkt.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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