
Analysten schätzen kältebedingte US-Produktionsausfälle auf rund 2 Mio. B/T
Bei der Großbank JP Morgan schätzte man die Ausfälle, die die aktuelle Kältewelle und der Schneesturm, der über das Wochenende Teile der USA im Griff hatte, bei der US-Ölproduktion verursachten, noch auf etwa 250.000 B/T. Mittlerweile liegen weitere Schätzungen vor, die deutlich höhere Ausfälle angeben.
So soll laut dem Beratungsunternehmen Energy Aspects zum Höhepunkt der Ausfälle, der angeblich am Samstag erreicht wurde, allein die Förderung am Permian Basin - dem ertragreichsten Schieferölgebiet der USA - um rund 1,5 Mio. B/T reduziert gewesen sein. Insgesamt hätten sich die Produktionsausfälle in den USA am Samstag auf etwa 2 Mio. B/T belaufen, so die Analysten. Für den gestrigen Montag wurden in den Schätzungen des Beratungsunternehmens noch Ausfälle im Permian Basin von etwa 700.000 B/T genannt. Das übliche Produktionsniveau am Permian Basin dürfte Energy Aspects zufolge am Freitag wieder erreicht werden.
Im US-Bundesstaat North Dakota, der auf dem Großteil des Bakken-Schieferölgebiets sitzt, war die Förderung am gestrigen Montag nach Angaben von Justin Kringstadt, dem Geschäftsführer der North Dakota Pipeline Behörde noch 80.000 bis 110.000 B/T niedriger als üblich. Der Bundesstaat im Norden der USA hatte bereits Mitte letzter Woche erste Produktionseinbußen gemeldet.
Marktlage
Die Erdgaspreise an den europäischen Börsenplätzen wurden durch die aktuelle Kältewelle in Teilen Europas gestern noch einmal auf neue Langzeithochs getrieben, bevor es zu einer Abwärtskorrektur kam. Der europäische Mitteldestillatkontrakt Gasoil zog im Fahrwasser der Erdgaspreise ebenfalls noch einmal an, bevor er auf eine technische Grenze stieß und schließlich auch etwas zurücksetzte.
Aber auch die Rohölkontrakte erhielten zum Wochenauftakt wetterbedingten Auftrieb, zumal der jüngste Wintereinbruch in den USA nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Energy Aspects in der Spitze am Samstag noch zu Produktionsausfällen von etwa 2 Mio. B/T geführt haben soll. Dies entspricht etwa 15 % der gesamten US-Rohölproduktion.
Ob sich die Fördermengen nun zügig wieder erholen, wird auch davon abhängen, wie sich das Wetter jenseits des Atlantiks weiter entwickelt. Die Temperaturen sollen den Meteorologen zufolge weiterhin erst einmal niedrig bleiben und auch weitere Schneestürme sind wohl nicht ausgeschlossen. Die Texas Oil and Gas Association verweist zudem auf die Beeinträchtigungen, die sowohl im Produktions-, als auch im Raffineriebetrieb durch Faktoren entstehen könnten, die nicht direkt etwas mit der Funktionsfähigkeit der Anlagen zu tun haben, wie beispielsweise dadurch, dass technisches Personal wegen der winterlichen Straßenverhältnisse nicht zu den Anlagen gelangt.
Im Verlauf der Woche dürfte sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer allmählich auch wieder auf die OPEC+ richten, denn die acht Produzenten der Allianz, die ihre Fördermengen auf freiwilliger Basis seit Anfang 2024 zusätzlich gedrosselt haben, wollen sich am 1. Februar wieder zusammensetzen, um über die Produktionsstrategie für März zu sprechen. Diese hatten sie eigentlich mit der Ankündigung, die Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen im ersten Quartal 2026 auszusetzen, bereits Anfang November abgesteckt.
Allerdings wurde damals (wie üblich) bereits angekündigt, man werde die Entwicklung am Markt weiter im Auge behalten und die Strategie bei Bedarf entsprechend anpassen. Einige OPEC+-Delegierte gaben jedoch zuletzt an, sie gingen davon aus, dass die jüngsten geopolitischen Entwicklungen noch kein Grund seien, vom bisherigen Plan abzuweichen.
Davon abgesehen werden die Trader auch die Spannungen zwischen den USA und Iran sowie die Ukraine-Friedensgespräche im Auge behalten. Die trilateralen Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA am Freitag und Samstag hatten noch keine Einigung gebracht, für den weiteren Wochenverlauf kündigte der ukrainische Präsident jedoch weitere Gespräche der drei Parteien an.
Auch die Frage, wie schnell sich die Ölproduktion am kasachischen Ölfeld Tengiz von den vergangenen Ausfällen erholen kann, wird ein Thema bleiben. Heute Nacht stehen mit dem API-Bestandsbericht außerdem auch wieder neue Daten zur Versorgungslage in den USA auf der Agenda. Die offiziellen US-Ölbestandsdaten werden aber wie üblich erst am morgigen MIttwoch um 16:30 Uhr veröffentlicht.
Heute Morgen rutschten die Ölfutures an ICE und NYMEX erst einmal unter die Vortagestiefs, nach dem die Gaspreise im gestrigen Tagesverlauf eine erste Abwärtskorrektur vollzogen und die Meldungen bezüglich der Produktion am Tengiz-Ölfeld die Rohölkontrakte unter Druck setzte.