Iran: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Iran: Verhandlungen verlaufen „positiv“

Kanadisches LNG für Deutschland

Die verkürzte Handelswoche begann am Dienstag mit einer insgesamt neutralen fundamentalen Ausgangslage, wobei die Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin das Marktgeschehen dominierten. Über das verlängerte Wochenende sendeten Washington und Teheran widersprüchliche Signale: Einerseits näherten sich beide Seiten offenbar bei Verhandlungen über ein vorläufiges Abkommen an, das auch die Wiederöffnung der Straße von Hormus umfassen soll, andererseits verschärften erneute Drohungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump sowie Angriffe auf iranische Schiffe und Raketenstartanlagen die Spannungen. Aus charttechnischer Sicht präsentierte sich die Marktlage leicht bearish, da sich gleitende Durchschnittslinien teilweise kreuzten und potenzielle Kaufsignale im Stochastik-Indikator am Morgen noch ausblieben. Gleichzeitig verschärften infrastrukturelle Probleme die Versorgungslage auf den Energiemärkten: Katar verlängerte aufgrund schwerer Schäden an seiner Infrastruktur die Force-Majeure-Regelung für LNG-Lieferungen, während Indien einen sinkenden Raffineriedurchsatz meldete, da dem Land nicht genügend Rohöl zur Verfügung stand. Da keine konkrete Vollzugsmeldung zu den Friedensgesprächen erfolgte, erholten sich die Notierungen an den Ölbörsen ICE und NYMEX bis zur Mittagszeit teilweise von den Verlusten des Vortages. Im weiteren Tagesverlauf blieb die Tendenz zunächst fest, ehe Produkt-Futures wie ICE Gasoil sowie NYMEX Heating Oil und Gasoline am späten Abend deutlich nachgaben. Dies deutete auf sinkende Inlandspreise hin, obwohl die Rohöl-Futures Brent und WTI insgesamt stabil blieben und den Handel mit Kursgewinnen abschlossen, während Produkt-Futures leichte Verluste verzeichneten.

Im geopolitischen Kontext entwickelten sich die Verhandlungen zwischen den USA und Iran trotz erneuter Spannungen weiter. Nachdem der Iran die Angriffe auf seine Boote und Raketenanlagen als Bruch eines Friedensabkommens wertete und Vergeltung androhte, blieb eine Reaktion zunächst aus. Stattdessen setzte Teheran die Gespräche fort. Der iranische Unterhändler Mohammad Bager Qalibaf bezeichnete den Verlauf der Verhandlungen nach seiner Rückkehr aus Katar als positiv. Laut iranischen Medien beschränke sich der letzte offene Streitpunkt auf die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte in Höhe von 24 Milliarden US-Dollar. Dies deutet darauf hin, dass beide Seiten in zentralen Fragen – insbesondere bei der Öffnung der Straße von Hormus – bereits Einigkeit erzielt haben. Das geplante Abkommen soll in zwei Phasen umgesetzt werden: Zunächst wollen die Parteien den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder ermöglichen und teilweise iranische Vermögenswerte freigeben, bevor in einer zweiten Phase komplexere Themen, insbesondere das iranische Nuklearprogramm, verhandelt werden. Erste Anzeichen einer Lockerung zeigten sich bereits, da Iran einige Schiffe, darunter LNG-Tanker sowie zwei große Rohöltanker mit zusammen rund vier Millionen Barrel Öl, die Meerenge passieren ließ.

Trotz dieser Fortschritte blieben die politischen Spannungen hoch. Der Ayatollah Modschtaba Chamenei verschärfte die Rhetorik mit antiwestlichen Aussagen, während US-Außenminister Marco Rubio bekräftigte, dass die Straße von Hormus „auf die eine oder andere Weise“ wieder geöffnet werde. Gleichzeitig äußerte sich Rubio optimistisch über eine baldige Einigung und schätzte, dass lediglich noch einige Tage bis zur Finalisierung des Abkommens nötig seien.

Parallel dazu intensivierten Deutschland und Kanada ihre energiepolitische Zusammenarbeit. Berichten zufolge plante der kanadische Energieminister Tim Hodgson die Bekanntgabe eines neuen LNG-Abkommens mit Deutschland. Im Mittelpunkt steht die geplante LNG-Anlage Ksi Lisims in British Columbia, die künftig große Mengen Flüssiggas exportieren soll. Das Projekt mit Investitionskosten von rund 7,2 Milliarden US-Dollar verfügt bereits über behördliche Genehmigungen. Als zentraler Abnehmer gilt die deutsche SEFE, die ehemalige Gazprom-Tochter, die infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verstaatlicht wurde. Zwar steht die endgültige Investitionsentscheidung noch aus, doch der neue Liefervertrag könnte die Umsetzung erleichtern. Perspektivisch soll die Anlage jährlich etwa zwölf Millionen Tonnen LNG produzieren und sowohl Kanada eine geringere Abhängigkeit vom US-Markt ermöglichen als auch Deutschland helfen, seine Energieversorgung unabhängiger von russischen Gasimporten zu gestalten.

Insgesamt blieb die Marktlage stark von Entwicklungen im Nahen Osten geprägt. Marktteilnehmer stuften viele andere Nachrichten als wenig relevant ein, solange sich die Situation zwischen den USA und Iran nicht grundlegend verändert. Da offenbar nur noch die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte einer vorläufigen Einigung im Weg steht, wuchs an den Märkten die Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme des Öltransports durch die Straße von Hormus. Entsprechend reagierten Händler optimistisch, da eine Wiederöffnung die globale Ölversorgung kurzfristig verbessern könnte. Analysten warnten jedoch vor übertriebenem Optimismus. In den vergangenen Monaten hatten sich mehrfach Hoffnungen auf eine Öffnung der Meerenge oder einen diplomatischen Durchbruch zerschlagen. Experten wie Saul Kavonic von MST Marquee sowie Analysten der Westpac Banking Corporation betonten, dass selbst bei einer politischen Einigung Monate oder Quartale vergehen könnten, bis die Straße von Hormus tatsächlich wieder vollständig und ohne Einschränkungen genutzt werden kann. Zwar könnte der Brent-Preis kurzfristig aufgrund wachsender Zuversicht sinken, nachhaltige Preisrückgänge erscheinen jedoch unwahrscheinlich, solange die physische und politische Normalisierung der Schifffahrt nicht vollständig umgesetzt ist. Entsprechend blieben die Futures stark nachrichtengetrieben, reagierten sensibel auf Meldungen über begrenzten Tankerverkehr und Fortschritte in den Verhandlungen und signalisierten zugleich sinkende Inlandspreise. Zudem verschob sich die Veröffentlichung der US-Ölbestandsdaten wegen eines Feiertags in den Vereinigten Staaten um einen Tag.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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